Fr., 12.07.2019

Plädoyer am Landgericht Bielefeld: In der Beweisaufnahme sei nichts nachgewiesen worden Verteidigerin im Mordprozess Hille: Jörg W. hat nicht getötet

Der Angeklagte Jörg W. im Gerichtssaal.

Der Angeklagte Jörg W. im Gerichtssaal. Foto: Oliver Schwabe/Archiv

Bielefeld/Hille (dpa). Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord von Hille (Kreis Minden-Lübbecke) hat Verteidigerin Nicole Friedrich für ihren Mandanten bestritten, dass Jörg W. an den Tötungen aktiv beteiligt gewesen sei. Sie schob die Verantwortung für die drei Taten dem Mitangeklagten Kevin R. zu. In der Beweisaufnahme sei ihrem Mandanten nichts nachgewiesen worden.

Dass er unschuldig sei, sagte Friedrich in ihrem Plädoyer nicht. Allerdings müsse sich der heute 53-Jährige vorwerfen lassen, dass er dem Treiben seines Ziehsohnes (25) keinen Anhalt geboten hat. Auch hätte er beim Ausheben der Gräber für die Opfer nicht helfen dürfen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden deutschen Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Damit wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahre nahezu ausgeschlossen. Die Anklage wirft den Männern einen gemeinschaftlich ausgeführten dreifachen, heimtückischen Mord aus Habgier vor.

Die beiden Angeklagten nutzten nach den Plädoyers ihrer Verteidiger die Chance für ein letztes Wort. Jörg W.: »Die Opfer tun mir leid. Entschuldigen kann ich mich nicht, weil ich es nicht getan habe.« Kevin R. äußerte sich ähnlich. »Die Opfer und die Angehörigen tun mir sehr leid, auch die Kinder«, sagte der 25-Jährige. Zu den Taten äußerten sie sich nicht weiter und verwiesen auf die Schlussworte ihrer Verteidiger.

DNA-Spuren an zwei Tatwerkzeugen

Die Verteidiger hatten die Strategie aus dem Prozess am 30. Prozesstag fortgesetzt. Bei ihrem Mandanten Jörg W. gebe es keine Hinweise auf Gewalt, sagte Anwältin Friedrich. Dagegen treibe Kevin R. eine Sucht nach Sensationen an. »Nur wenige Menschen können mit solchen Blutspritzern töten. Das ist ein Hinweis auf Mordlust«, sagte sie über Kevin R. Dessen Anwalt Jahn betonte dagegen, das Kevin R. ohne den Umzug nach Hille »nie in so etwas reingeraten« wäre. Jörg W. sei alles andere als harmlos.

Für die Anklage aber gibt es keine Zweifel daran, dass die beiden die Taten gemeinschaftlich begangen hatten. Die Rechtsmediziner hatten brutale Schläge gegen die Köpfe der Opfer im Prozess beschrieben. An zwei Tatwerkzeugen, sogenannten Maurerfäusteln, hatte die Spurensicherung DNA-Spuren von beiden Angeklagten gefunden.

Urteil am 19. Juli

Im Frühjahr 2018 waren auf zwei angrenzenden Höfen im ostwestfälischen Hille an der Grenze zu Niedersachsen zuerst eine, später zwei weitere verscharrte Leichen gefunden worden. Der 53 Jahre alte Angeklagte und sein 25-jähriger Helfer sollen zuerst einen 72-jährigen Nachbarn, dann einen 64-jährigen Hilfsarbeiter und später einen 30 Jahre alten Geschäftspartner erschlagen haben, um sich zu bereichern.

Ein Urteil will das Landgericht Bielefeld in einer Woche am 19. Juli sprechen.

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