Mi., 22.01.2020

Seit Herbst 2018 wird die K 15 in Oberlübbe saniert: Bäckerei weg, Tankstelle kämpft Die verwaiste Hauptstraße

Nichts los hier: Die Ortsdurchfahrt Oberlübbe ist seit Herbst 2018 wegen Bauarbeiten gesperrt. Sie sollte längst fertig sein, doch es gibt Verzögerungen.

Nichts los hier: Die Ortsdurchfahrt Oberlübbe ist seit Herbst 2018 wegen Bauarbeiten gesperrt. Sie sollte längst fertig sein, doch es gibt Verzögerungen. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Hille-Oberlübbe/Lübbecke (WB). Öffentliche Bauvorhaben dauern manchmal länger als gedacht. Da reicht ein Blick zur Parkpalette nach Lübbecke . Baubeginn war 2018, das Ende ist noch offen. Im gleichen Jahr begann die Instandsetzung der Hauptstraße in Oberlübbe. Im vergangenen September sollten die Kanäle saniert und die Asphaltarbeiten abgeschlossen sein. Später hieß es Ende Januar. Inzwischen gibt es eine neue Zielvorgabe. Nach Auskunft des Kreises wird die Hauptstraße wohl erst kurz vor Ostern fertig sein.

Wer von Nettelstedt aus in Richtung Porta Westfalica fahren will, muss weiterhin über die Bundesstraße 65 ausweichen. Foto: Kai Wessel

Damit könnte die Straße sogar das Schneckenrennen gegen die Parkpalette verlieren. Kreissprecherin Sabine Ohnesorge erläuterte am Dienstag die Verzögerungen: „Da die Gemeinde Hille erhebliche Kanalarbeiten durchführen musste, konnten die Straßenbauarbeiten des Kreises im zweiten Bauabschnitt erst nach der Fertigstellung des Kanals erfolgen.“

Inzwischen gibt es ein weiteres Problem auf dem letzten Teilstück, das bis zur Nettelstedter Straße reicht. „Da im Moment die Mischwerke witterungsbedingt kein Schwarzmaterial mischen und liefern, kann die Asphaltdecke noch nicht aufgebracht werden“, erklärt die Kreissprecherin. Ihr Ausblick: „Wenn das Wetter weiterhin beständig bleibt und die Mischwerke ihren Betrieb im März wieder aufnehmen, werden wir im April mit der Baumaßnahme fertig sein.“

Straße ist bereits seit 14 Monaten gesperrt

Schon jetzt ist die K 15 seit 14 Monaten gesperrt. Für den Ort ist das nicht ohne Folgen geblieben. Die Bäckerei Schmidt aus Hedem entschied sich dazu, ihre Filiale an der Hauptstraße aufzugeben. Geschäftsführer Karsten Schmidt bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Sperrung dabei eine Rolle gespielt habe. Schmidt bezeichnete die Dauerbaustelle als „Todesurteil“ für Gewerbetreibende. „Da lebt man doch vom Durchgangsverkehr.“

Die Vollsperrung ist aus seiner Sicht eine „Riesensauerei“, auch für die Anlieger, bei denen die Nerven „blank“ lägen. Diesen Eindruck habe er nach Gesprächen mit Oberlübbern, die nun weder Supermarkt noch Bäckerei im Ort haben. Die Mitarbeiterinnen der Schmidt-Filiale seien an anderen Bäckerei-Standorten untergekommen, sagt Schmidt.

Auch die Tankstelle kämpft um ihre Existenz

Tankstellen-Pächterin Ilka Gärtner wartet auf Kunden. Foto: Kai Wessel

Auf den Durchgangsverkehr war und ist auch Ilka Gärtner angewiesen. Sie betreibt die Calpam-Tankstelle an der Hauptstraße. Umsatzeinbußen von bis zu 75 Prozent habe sie im Zuge der Vollsperrung hinnehmen müssen. „Mir fehlen der Berufsverkehr, der Krankenhausverkehr, die Brummi-Fahrer.“ Ob Budde, Dreisörner, oder Grote – vor der Sperrung der Straße hätten Mitarbeiter dieser Firmen fast täglich bei ihrer Tankstelle angehalten. Dass sie ohne diese Kundschaft „überlebt“ hat, verdanke sie vor allem der Kulanz ihrer Mineralölgesellschaft. „Ich bekomme eine Entschädigung. Außerdem arbeite ich allein und 15 Stunden am Tag“, sagt Gärtner. Ab Februar will sie die Tankstelle an Sonntagen schließen: „Da war vorher schon wenig los. Und jetzt gar nichts mehr.“

Mutmacher für Ilka Gärtner sind Kunden wie Sascha Bunkowski (47) aus Eickhorst: „Ich könnte auch zur Tankstelle nach Rothen-uffeln oder Nettelstedt fahren, aber das mache ich nicht.“ In Gärtners Tankstelle wird regelmäßig über die Baustelle diskutiert. Auch heute. Ein Kunde will gehört haben, dass die Straße an einer Stelle noch einmal aufgerissen werden muss, weil ein Kanalanschluss vergessen wurde. Ilka Gärtner nimmt solche Gerüchte nur noch mit einem Achselzucken zur Kenntnis. An ein schnelles Ende der Vollsperrung glaubt sie schon lange nicht mehr.

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