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Do., 25.02.2016

Ingenieur will Firma weiterführen Neue Chance für Wurlitzer

Dr. Uwe Kohls will eine »Neue Wurlitzer« ins Leben rufen und dort die Geschäftsführung übernehmen.

Dr. Uwe Kohls will eine »Neue Wurlitzer« ins Leben rufen und dort die Geschäftsführung übernehmen. Foto: Christian Busse

Von Kathrin Kröger

Hüllhorst (WB). Gibt es doch noch eine Chance für Automaten »made by Wurlitzer«? Dr. Uwe Kohls, Leiter der Entwicklung bei dem  in der vorläufigen Insolvenz befindlichen Unternehmen , sagt Ja. Er hat ein Konzept für die »Neue Wurlitzer« ausgearbeitet. Derzeit führt er Gespräche mit Lieferanten und Hauptkunden, die in die neue Firma investieren wollen, wie er sagt.

»Es gibt durchaus Hoffnung für die Wurlitzer und die organisiere ich.« Kohls hat sich dabei einen ambitionierten Zeitplan gesetzt: Er plant, am 1. Mai mit der »Neuen Wurlitzer« an den Start zu gehen. Die Arbeitsplätze sollen alle erhalten bleiben – er will also die 42 Beschäftigten des Hüllhorster Automaten-Herstellers übernehmen.

Mitarbeiter etwa zwischen 50 und 60 Jahre alt

Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT betont er, wie hoch er das Know-How der erfahrenen, im Schnitt zwischen 50 und 60 Jahre alten Mitarbeiter schätzt. Mit dem Erwerb der 40 Patente, der technischen Daten, der Materialbestände und der technischen Ausrüstung will der Ingenieur die Grundlage für einen völlig neu ausgerichteten Betrieb schaffen.

An einem neuen Standort – Kohls will in Kürze ein Objekt in der Nähe anmieten – soll es eine kontinuierliche Fließfertigung geben. »Fünf bis zehn Automaten sollen täglich die Bänder verlassen. Das werden Standardprodukte sein.« Die Sonderfertigung, sprich die Veredelung der Automaten nach individuellen Kundenwünschen, soll dann an einer anderen Stelle, der Musterbau NW GmbH, geschehen.

Kritik an Produktionsplanung

Für Kohls kam die Insolvenzanmeldung nicht überraschend. Er sagt, dass man im alten Betrieb von 2013 bis 2015 keine angemessene Produktionsplanung und -steuerung organisiert habe. Die Folgen: Die Produktion sei wegen fehlender Materialien ins Stocken geraten, die Produkte seien nicht termintreu ausgeliefert worden und immer mehr Lieferanten hätten die Zahlungsmoral der Firma bemängelt.

Es gebe noch 200 offene Aufträge sowie Ersatzteilaufträge mit einem Volumen von etwa 1,2 Millionen Euro, die die neue Firma zunächst abwickeln könnte. Kohls: »Ob das alles möglich sein wird, hängt allerdings ab von Gericht, Gläubigerversammlung und Insolvenzverwaltung. Ich hoffe, dass man auf das Kaufangebot eingehen wird.« Die Umsetzung noch bestehender Aufträge würde nur den Anfang des Unternehmens markieren. Der Ingenieur setzt auf eine andere Betrachtung und Erweiterung des Marktes.

»Der Musikautomaten-Markt ist tot. Das ist klar. Aber auch die Branche der gängigen Verkaufsautomaten ist gesättigt.« Kohls sieht stattdessen Entwicklungspotenzial in Automaten mit neuer Verkaufsmethodik. »Das Handy könnte da eine wichtige Rolle spielen. Sei es eine App, die mir zeigt, wo ich welches Gerät finde, das mir Produkt xy bietet, und natürlich auch die Bezahlung via mobilem Telefon.«

Der Ingenieur sieht auch viele Möglichkeiten bei den Inhalten, mit denen die Automaten bestückt werden könnten – von Tiefkühlkost über frische Lebensmittel vom Hofladen bis hin zu Drogerie- und Industrieprodukten. Oder der Automat an Bahnhof oder Flughafen, aus dem sich der vergessliche Reisende Sucherkamera oder Batterien zieht.

Es habe eine feindselige Stimmung geherrscht

Innovationskraft ist nicht das Einzige, was Kohls bei der Geschäftsführung der alten Firma Wurlitzer vermisst hat. Er spricht von drei Jahre währendem Missmanagement und dilettantischer Leitung. Außerdem sei das Betriebsklima unerträglich gewesen.

Zwischen Belegschaft und Chefetage habe sich eine nahezu feindliche Stimmung aufgebaut, da man die Mitarbeiter im Unklaren gelassen habe über die finanzielle Situation, nicht mit offenen Karten gespielt habe. Kohls: »Nachdem die Produktion auf den Montageprozess reduziert wurde, ist aber auch das nicht vernünftig organisiert worden. Daran waren nicht die Mitarbeiter schuld.«

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