Sa., 09.06.2018

Müll, Ruinen, Schutt: Bestandsaufnahme ein halbes Jahr nach dem Großbrand in Tengern Arbeiten im »Krisengebiet« stocken

Trümmerfeld: Die Brandruine in Tengern – hier von der Straße Weidehorst aus gesehen – erweckt keinen guten Eindruck.     

Trümmerfeld: Die Brandruine in Tengern – hier von der Straße Weidehorst aus gesehen – erweckt keinen guten Eindruck.      Foto: Philipp Bülter

Von Philipp Bülter

Tengern (WB). Die Nacht zu Freitag, 1. Dezember 2017, wird Horst Wilhelm nie vergessen. Als in Tengern ein Großbrand loderte, der einen Millionenschaden verursachte, stand der Gründer des Mazda-Autohauses fassungs- und hilflos daneben. Ein halbes Jahr später sieht die Brandstelle an der Straße Weidehorst noch immer wüst aus. Passiert ist wenig.

Wer die Brandruine dieser Tage passiert, für den scheint die längst vergangene Tragödie allgegenwärtig. Die Reste der zerstörten Produktionshalle und Lagerräume ragen aus dem Boden heraus. Verbrannte Kabel, Kunststoffreste und verkohlte Rohre liegen überall herum. Das erhalten gebliebene Gebäude ist rußgeschwärzt. Alles sieht nach Stillstand aus.

»Glück, dass Windstille herrschte«

Seit 1980 ist Horst Wilhelm mit seinem Autohaus an der Straße Weidehorst angesiedelt. Fünf Wagen, die damals in der Produktionshalle neben der Firma gelagert waren, fielen den Flammen im Zuge des Großbrands im vergangenen Dezember zum Opfer. »Ich habe damals nachts hilflos daneben gestanden und alles mitangesehen. Wir hatten Glück, dass Windstille herrschte, sonst wäre wohl viel mehr passiert«, sagt Horst Wilhelm. Dass die Brandruine auch sechs Monate nach dem Vorfall derartig brach liegt, habe er zähneknirschend akzeptiert. »Wir haben uns an diesen Anblick gewöhnt. Unsere Kunden bleiben nicht weg«, erklärt Wilhelm.

Auch Bernd Maschmeier logiert mit seiner Firma Maschmeier Objekteinrichtungen an der Industriestraße unmittelbar neben der Brandruine. »Es sieht dort aus wie in einem Krisengebiet. Man kann aber wenig tun. Es wäre schön, wenn dort langsam etwas passieren würde«, sagt er. Aus Maschmeiers Sicht ist es »ein riesengroßes Problem«, dass Kinder sich allzu leicht Zugang zum Gelände verschaffen könnten. Zuletzt habe jemand gar heimlich ein Klavier an der Brandstelle abgeladen.

Gemeinde hat keine Handhabe

Auch die Gemeinde Hüllhorst hat laut Elmar Vielstich, Fachbereich Verwaltung, keine Möglichkeit, die Aufräumarbeiten an der Brandruine zu beschleunigen. »Die Bürger empfinden den Zustand dort zu Recht als nicht schön. Doch das ist rechtlich leider nicht zu greifen«, erklärt Elmar Vielstich.

Trotz der Prüfung durch Brandermittler und Sachverständige der Kriminalpolizei Minden bleibt die Brandursache ungeklärt. »Dies ist ein Fall, bei dem eine Klärung der Ursache trotz der Kompetenz der Ermittler nicht möglich ist«, bestätigt Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeyer auf Anfrage. Wie bei solchen Fällen üblich, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld in alle Richtungen.

»Emotionaler Schaden schlimmer als materieller«

Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT äußert sich auch ein Mitglied der Eigentümerfamilie des Geländes an der Industriestraße/Weidehorst zum Thema. Philipp Schimmelpfennig, Geschäftsführer der Firma Furnit Möbelmanufaktur, verwaltet das Areal laut eigener Aussage für seine Mutter Regina, die nach dem Tod ihres Ehemannes Uwe Schimmelpfennig 2015 Eigentümerin der Produktionshalle mit Lagerräumen sei. »Der emotionale Schaden war für uns damals viel schlimmer als der materielle Schaden. Uns sind viele Erinnerungen verloren gegangen«, sagt Philipp Schimmelpfennig.

Seit 2009 betreibe die Familie eine Tischlerei auf dem Gelände. Nach dem Brand habe er mit Helfern den Metallschrott herausgeholt, dann aufgrund der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die Aufräumarbeiten indes gestoppt. »Ich hoffe aber, dass die Arbeiten in den nächsten Wochen fortgesetzt werden«, sagt Philipp Schimmelpfennig. Seit große Metallrohre entfernt worden seien, herrsche an der Brandruine weniger Gefahr. »Wir wollen die Produktionshalle wieder aufbauen«, betont der Projektleiter. Anstatt einer Tischlerei »im üblichen Sinne« sollen hier dann künftig Küchenteile bearbeitet werden.

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