Fr., 20.07.2018

Grundschule Oberbauerschaft im Wandel der Zeit – Unterricht gestern und heute Von der Schiefertafel zum Smartboard

Nicole Brennemann-Werpup (rechts) und Christine Honermeyer mit altem Ranzen, Schiefertafel und schmucker Schultüte.

Nicole Brennemann-Werpup (rechts) und Christine Honermeyer mit altem Ranzen, Schiefertafel und schmucker Schultüte. Foto: Kathrin Kröger

Von Kathrin Kröger

Hüllhorst (WB). Vor den Tafeln mit den historischen Bildern steht immer eine Traube von Menschen. »Ach, da ist ja meine Oma«, »Schau mal, da war ich so alt wie du jetzt« – solche Sätze sind immer wieder zu hören an jenem Samstag im Juni, als die evangelische Grundschule Oberbauerschaft ihr Schulfest feiert. Und das ist nicht irgendeines: Seit 50 Jahren gibt es eine zentrale Schule im Ort.

Die LÜBBECKER KREISZEITUNG hat gemeinsam mit der kommissarischen Schulleiterin Nicole Brennemann-Werpup und Chronistin Christine Honermeyer zurückgeblickt auf eine wechselvolle Geschichte und Unterricht im Wandel der Zeit. Vor 1968, dem Gründungsjahr der heutigen Grundschule, schwelte elf Jahre lang ein Streit darüber, ob es weiterhin eine Schule in Niedringhausen und Beendorf geben solle oder eine zentrale Schule für das gesamte Dorf Oberbauerschaft.

»Über diese Frage hatte so mancher schlaflose Nächte, es entstanden sogar regelrechte Familienfehden«, erzählt Christine Honermeyer, die von 1986 bis 1990 selbst die Grundschule in Oberbauerschaft besuchte und dem Ort und seiner Geschichte nach wie vor eng verbunden ist.

Ursprünglich als Volksschule geplant

In den 1960-er Jahren habe es eine große Schulreform gegeben und die Grundschule Oberbauerschaft sollte eigentlich als Volksschule mit acht Klassen dienen. »Das ist auch der Grund, warum die Schule so groß ist«, sagt Christine Honermeyer. In den ersten zehn Jahren des Bestehens sei das fünfte und sechste Schuljahr in Oberbauerschaft unterrichtet worden – bis 1979 die Hauptschule in Hüllhorst, am Standort der heutigen Gesamtschule, errichtet war.

»Dass es bedingt durch die weiterführenden Klassen einen Physikraum gab, hat viele Besucher überrascht«, erinnert sich Christine Honermeyer an die Reaktionen auf ihre Ausstellung zum Schuljubiläum. Als unklug erwies sich die Entscheidung, das Gebäude mit einem Flachdach auszustatten. Honermeyer: »Es drang immer wieder Feuchtigkeit ein, überall standen Eimer herum.« Schlussendlich bekam das Schulhaus ein Spitzdach.

Nicole Brennemann-Werpup ist seit 2000 Lehrerin in Oberbauerschaft. Als einschneidend habe sie es empfunden, als die Schule nur noch einzügig war. »Das brachte unter anderem mit sich, dass wir weniger Kollegen hatten und diverse Umstrukturierungen notwendig waren.« 106 Schüler zählt die GS derzeit, in Spitzenzeiten sei die Zahl nahezu doppelt so hoch gewesen.

Mitbestimmung und Eigenverantwortung

Mit gemischten Gefühlen habe sie 2007 zunächst der Einrichtung des offenen Ganztags entgegen geblickt. »Heute können wir uns vor Anmeldungen kaum retten. Das Ganze hat sich zu einem Bestandteil des Alltags entwickelt und ist sehr befruchtend.« Gern erinnert sich die engagierte Pädagogin auch an die Neugestaltung des Schulhofes zu einem naturnahen Spielplatz.

Wie hat sich der Unterricht verändert in all den Jahren? »Einst bedeutete Schule ein sehr autoritäres System, das sich immer mehr zu Mitbestimmung und Eigenverantwortung entwickelt hat. Jedes Kind hat mehr Gestaltungsmöglichkeiten und es ist uns sehr wichtig, Kompetenz und Verantwortung für das eigene Lernen zu vermitteln«, sagt Nicole Brennemann-Werpup. Eine beträchtliche Rolle spiele auch die Ausbildung der Medienkompetenz. »Wir wissen hier um Risiken und Gefahren und treten für eine sinnvolle Nutzung ein. Derzeit erarbeiten wir ein neues Medienkonzept, dann sollen auch Smartboards und Tablets eingesetzt werden.

Außer der Ausstellung der Hobbyhistorikerin Christine Honermeyer zum Schulfest stieß übrigens auch ein Zeitzeugen-Video auf großes Interesse. Überlegt wird, wie diese Aufnahmen zu anderer Gelegenheit nochmal präsentiert werden können. Honermeyer: »Das wird auch in 10, 20 Jahren interessant sein.«

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