Do., 01.11.2018

Hüllhorster Jugendliche beschäftigen sich mit den Spuren des Ersten Weltkrieges Aus Mut wird Verzweiflung

Hüllhorst (WB). Unweit des Jugendcafés Ilex steht mitten im Hüllhorster Ortskern ein Kriegerdenkmal des Ersten Weltkrieges. Viele kennen es und gehen täglich daran vorbei. Aber wer hält inne, auch gedanklich? Fünf Jugendliche aus dem Jugendcafé haben dies getan.

Woran soll es erinnern und zu welchem Gedenken möchte es aufrufen? Mit diesen Fragen haben sich die jungen Leute ausein-andergesetzt.

In Siegerpose, mit geballter Faust und erhobenem Haupt steht er dort – Sinnbild eines starken, unversehrten Soldaten. Die Bildtafel darunter fordert den vorbeiziehenden Wanderer auf, »in Andacht zu verweilen und den in Treue zur Heimat gefallenen Männern zu gedenken und davon zu Hause zu künden«.

Schüler hinterfragen Denkmal

Aber kamen die Soldaten am Ende des Ersten Weltkrieges wirklich stolz zurück, mit erhobenem Haupt, wie der Soldat auf dem Sockel? Die Jugendlichen begannen zu hinterfragen und zu überlegen, welchen Sinn dieses Denkmal heute noch hat und hielten ihre Eindrücke zunächst mit Fotos und Sprachnotizen fest.

Dann ging es weiter zum ehemaligen Kriegsgefangenenlager in Minderheide. Der freiberufliche Historiker Norbert Ellermann informierte über die Umstände, unter denen die Menschen dort lebten, sowohl über die Gefangenen als auch über die Wachmannschaft. Anschließend war der so genannte Franzosenfriedhof ein Ort, der den Jugendlichen einen weiteren Aspekt dieses Krieges, begleitet durch Informationen des Historikers, deutlich machte.

Knasthotel und Theaterstück »Weltenbrand«

Nachdem die Gruppe die Gefängniszellen des alten Amtsgerichtes in Petershagen inspiziert hatte – dort befindet sich ein Knasthotel – stand am Abend das Theaterstück »Weltenbrand« auf dem Programm. Die drei Schauspieler der Theatergruppe »Axensprung« zeigten eindrucksvoll, wie der Krieg von einem jungen Mann als Soldat erlebt wurde. Die Veränderung des Protagonisten vom stolzen, mutigen und kampfbereiten jungen Soldaten zu einem traumatisierten, verwundeten und verzweifelten Mann machte die Wirklichkeit dieses grausamen Krieges deutlich. Für die Jugendlichen war die Diskrepanz zwischen der Darstellung des Soldaten in Hüllhorst und das Erleben des Soldaten auf dem Schlachtfeld deutlich ersichtlich.

Nach einer abschließenden Diskussionsrunde mit den Schauspielern nach dem Theaterstück war Zeit für ein unbeschwertes Zusammensein.

Kooperation mit der Kriegsgräberfürsorge

Am nächsten Tag wurden alle Eindrücke des Vortags gesammelt und gesichtet. Es entstanden ein E-Book und ein Kurzfilm und es war ausreichend Zeit, Fragen zu klären und zu diskutieren. Inwieweit ist Erinnern sinnvoll und wie kann erreicht werden, dass sich Derartiges nicht wiederholt? Es wurden auch weitere gemeinsame Aktionen von der Gruppe in Erwägung gezogen, wie beispielsweise eine Aktion zum Volkstrauertag am 18. November.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der Kreisjugendförderung und der Jugendförderung der Gemeinde Hüllhorst geplant und umgesetzt. Gefördert wurde es von der Landeszentrale für politische Bildung.

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