Sa., 03.11.2018

Hüllhorster Verein »Schattenkinder« bietet tiergestützte Therapie an Seelöwen bringen Sonne ins Leben

Von Kathrin Kröger

Hüllhorst/Lübbecke (WB). Sie taucht im offenen Meer, fühlt sich schwerelos, versucht, nach den Fischen zu greifen, sammelt Steine auf – mit der rechten Hand. Vor fünf Jahren hat Susanne Lange aus Bad Salzuflen einen Schlaganfall erlitten. Im Therapieurlaub in Spanien bewegt sie das erste Mal wie selbstverständlich ihren Arm. Ermöglicht hat das »Handicap-Diving« der Hüllhorster Verein » Schattenkinder «.

Aus einer Elterninitiative heraus ist dieser im November 2001 gegründet worden. Der Zweck: Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung und deren Familien unterstützen. Schwerpunkt ist die tierassistierte Therapie mit Beratung und Begleitung. Mittlerweile betreibt der Verein ein eigenes Therapiezentrum im spanischen Denia, die Pequeno Ranch, wo Betroffene eine tiergestützte Interaktion mit Miniaturpferden, Seelöwen sowie besagtes Handicap-Tauchen wahrnehmen können. »Sie richtet sich an alle Menschen, die auf konventionelle Therapien und Fördermethoden nicht mehr reagieren und therapiemüde geworden sind«, betont der Verein, der seit fast zehn Jahren unter dem Vorsitz von Marina Schumacher (37) steht. Als förderndes Mitglied ist sie von Anfang an dabei.

Verein betreut bundesweit 60 Familien

Nach Gründung des Vereins hätten sich immer mehr Eltern mit behinderten Kindern gemeldet, so Schumacher. Sie tauschen untereinander ihre Erfahrungen aus, helfen sich und können auch auf den Verein bauen, wenn es zum Beispiel um Formalitäten wie Behördengänge geht. Derzeit werden bundesweit etwa 60 Familien betreut. Das ehrenamtliche Engagement der vielen Menschen, die die Initiative gegründet und beständig weiterentwickelt hätten, ermögliche es, die Stärken von Betroffenen zu fördern, sagt die Vorsitzende. Dafür sind viele Steine aus dem Weg zu räumen. »Es ist ein mühsamer Kampf um ein wenig Lebensqualität«, sagt Schumacher, deren Verein auf Spenden, Sponsoren und fördernde Firmen angewiesen ist. Für die tiergestützten Therapien zahle keine Krankenkasse auch nur einen Euro. »Obwohl der Erfolg nachgewiesen ist.«

Regelmäßig richtet der Verein Benefizveranstaltungen aus. Dabei wird immer wieder Line-Dance getanzt – die Löhner Dolphin Dancer unterstützen mit ihren Auftritten die »Schattenkinder« und somit Menschen mit Handicap. Für Susanne Lange konnte auf diesem Weg ein 14-tägiger Therapieurlaub ertanzt werden, in dem sie nicht nur ins Meer hinabtauchte, sondern auch Pferde streichelte und mit Seelöwen Ball spielte.

»Abwicklung läuft komplett über uns«

Wenn Betroffene eine Tiertherapie in Anspruch nehmen möchten, übernimmt der Verein die Organisation. Schumacher: »Die Abwicklung läuft komplett über uns. Wir stellen den Kontakt her, kümmern uns um Flugbuchung, Anreise und dergleichen.« Angelika Riegmann-Matthies, Gründerin der »Schattenkinder«, leitet das Therapiezentrum in Spanien. Ihr Enkel Philipp Dabelstein, über dessen Praktikum in einer Tuning-Werkstatt diese Zeitung bereits berichtete, ist von Geburt an blind. Und steckt voller Lebensfreude. Er ist eines der besten Beispiele dafür, was sich der Verein auf die Fahnen geschrieben hat: Kindern mit einer Behinderung eine Entwicklungschance bieten, damit sie sich zu einer selbstständigen Persönlichkeit entwickeln können.

Marina Schumacher ist unermüdlich in ihrem Engagement für ein chancengleiches Miteinander, investiert unzählige Stunden ihrer Freizeit in die Aufgabe als Vorsitzende. Was sie antreibt? »Das Kinderlachen. Wenn die Familien glücklich sind, bin ich es auch.«

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