Fr., 17.05.2019

Mehnerts aus Schnathorst engagieren sich vielfach – Dankbarkeit als Motivation Die Feuerwehr-Familie

Bei ihnen ist die Feuerwehr tägliches Gesprächsthema: Sonja und Stefan Mehnert mit ihren beiden Töchtern Lara (3, links) und Nina (5). Den Kindern macht es großen Spaß, mit der Mama zum Gerätehaus zu fahren. Zum Einsatz kommen sie natürlich nicht mit.

Bei ihnen ist die Feuerwehr tägliches Gesprächsthema: Sonja und Stefan Mehnert mit ihren beiden Töchtern Lara (3, links) und Nina (5). Den Kindern macht es großen Spaß, mit der Mama zum Gerätehaus zu fahren. Zum Einsatz kommen sie natürlich nicht mit. Foto: Kröger

Von Kathrin Kröger

Hüllhorst (WB). Die fünfjährige Nina kann es kaum erwarten. Sobald sie ihren sechsten Geburtstag gefeiert hat, darf sie aktiv bei der Kinderfeuerwehr mitmischen. Dass sie das schon immer wollte, verwundert nicht. Denn ihre Eltern Sonja und Stefan Mehnert schlüpfen regelmäßig in die Feuerwehruniform.

Auch Ninas Schwester, die dreijährige Lara, scheint das Feuerwehr-Gen im Blut zu haben. »Sie kommen beide gern mit – zum Beispiel, wenn ich Material aus dem Gerätehaus hole oder dort einfach nach dem Rechten sehe. Da gibt es immer etwas zu tun«, sagt Hauptbrandmeisterin Sonja Mehnert, die die Hüllhorster Kinderfeuerwehr leitet, als stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin tätig ist und als aktives Mitglied zur Löschgruppe Schnathorst gehört.

Bruder, Vater, Onkel und schon der Opa

Die 32-Jährige ist wie ihre beiden Töchter mit der Feuerwehr aufgewachsen. In dritter Generation rückt ihre Familie zu Bränden aus – ehrenamtlich. Bruder, Vater, Onkel und schon der Opa lassen und ließen alles stehen und liegen, wenn der Melder ging. »Die brauchten nur über den Zaun zu springen und waren sofort am Gerätehaus«, erzählt Sonja Mehnert, die gleich mit zehn Jahren der Jugendfeuerwehr Hüllhorst beitrat.

Sogar das Hochzeitspaar auf der Hochzeitstorte hat bei Sonja und Stefan Mehnert Feuerwehruniformen getragen.

Sofort los zum Einsatz, wenn Mensch und Besitz in Gefahr sind, lässt sich momentan für die junge Frau nicht immer bewerkstelligen. »Wenn zum Beispiel nachts Alarm geschlagen wird, dann bringe ich meine Kinder nicht woanders hin, sondern bleibe zu Hause. Da geht die Familie vor.« Ihren Mann Stefan lässt sie dann alleine ziehen.

»Dann mache ich erstmal eine Stunde Feuerwehr«

Die Zeit, die er für seine ehrenamtlichen Aufgaben aufwändet, hat sich noch vervielfacht. Ende vergangenen Jahres hat ihn Bürgermeister Bernd Rührup zum neuen Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde ernannt. Als Gemeindebrandinspektor wird er für die nächsten sechs Jahre der Chef der Hüllhorster Kameradinnen und Kameraden – und somit von 150 Aktiven – sein, unterstützt von seinem Stellvertreter Brandinspektor Sven Heuer.

Um seine verantwortungsvolle Funktion mit seinem Hauptberuf als Softwareentwickler vereinbaren zu können, klingelt der Wecker bei Stefan Mehnert schon um viertel vor fünf in der Früh. »Dann mache ich erstmal eine Stunde Feuerwehr. Nur Samstag und Sonntag bleibe ich länger liegen«, sagt er. E-Mails müssen abgearbeitet und weitere Büroaufgaben erledigt werden. Außerdem telefoniert der 34-Jährige täglich mit seinem Stellvertreter und spricht sich mit ihm ab.

»Bei der Feuerwehr ist man allein wenig«

Allein wäre die Wehrführung nicht zu bewältigen, betont Stefan Mehnert. Die Anforderungen würden in jeder Hinsicht steigen, an Personal wie Technik, und die interne Verwaltungsarbeit nehme ebenfalls immer größeren Raum ein. »Es muss alles dokumentiert werden und es kommen immer wieder neue Erlasse heraus. Somit muss die entsprechende Ausrüstung angeschafft und die Mannschaft unterwiesen werden. Früher war alles relativ simpel. Man hatte C-Rohre, B-Rohre, eine Rettungsschere und das war’s.«

Doch bestimmte Dinge haben sich nicht geändert. Damals wie heute. Stefan Mehnert hebt das Gemeinschaftsgefühl hervor. »Bei der Feuerwehr ist man allein wenig.« Das bedeute aber auch, dass die Kameraden keine unnötigen Risiken eingehen sollten. »Wenn etwas passiert, hängen auch immer andere mit dran, müssen denjenigen rausholen.«

»Im Einsatz funktioniert man einfach«

Und wie ist es mit den Ängsten um den Ehepartner bestellt in brenzligen Situationen? »Wenn, dann kommt das hinterher«, sagt Stefan Mehnert. »Im Einsatz funktioniert man einfach«, ergänzt seine Frau. Sie erinnert sich an den Großbrand in Tengern, als im Dezember 2017 im dortigen Industriegebiet eine Lagerhalle zerstört wurde. Damals habe sie nicht mitfahren können. »Von weitem sah man eine Rauchsäule, dann knallte es mal. Da hab ich mir schon Gedanken gemacht. Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn beide an der Einsatzstelle sein können.«

Ihrer beider Motivation, sich in solch großem Umfang ehrenamtlich zu engagieren, ist die Wertschätzung der Menschen, denen sie geholfen haben. Auch wenn die Eheleute insgesamt zurückgehenden Respekt gegenüber Rettungskräften feststellen. »Es gibt ganz viele dankbare Menschen«, sagt Sonja Mehnert und erzählt von einem Verkehrsunfall, bei dem sie Ersthelferin war. Sie traf auf einen jungen Mann, Anfang 20, mit schwersten Verletzungen, sein Leben stand auf Messers Schneide. Er kam durch und seine Eltern stellten Nachforschungen an, wer ihrem Sohn aus größter Not geholfen hatte. Sie machten die Schnathorster Löschgruppe ausfindig und gaben eine große Grillparty für die Kameraden. Im Grunde war es wie eine Familienfeier. Zwei der Kameraden sind die Patenonkel von Nina und Lara.

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