Di., 06.08.2019

Hüllhorst-Büttendorf: Stellungnahme von beiden Parteien zu abgelehntem Neubau SPD und Grüne: »Alle Dorfgemeinschaftshaus-Standorte betrachten«

Der seit drei Jahren gesperrte Dorfgemeinschaftsraum im Kellergeschoss der Grundschule Büttendorf ist Dauerthema im Dorf. Auf Antrag von SPD und Grünen, dem in der Ratssitzung einstimmig gefolgt wurde, wird dieser saniert und nicht neu gebaut.

Der seit drei Jahren gesperrte Dorfgemeinschaftsraum im Kellergeschoss der Grundschule Büttendorf ist Dauerthema im Dorf. Auf Antrag von SPD und Grünen, dem in der Ratssitzung einstimmig gefolgt wurde, wird dieser saniert und nicht neu gebaut. Foto: Kathrin Kröger

Büttendorf (WB/kk). Im Nachgang zur jüngsten Ratssitzung, in dem sich das Gremium auf Antrag von Rot-Grün für eine Sanierung des Dorfgemeinschaftsraumes in Büttendorf und gegen einen Neubau entschieden hat, äußern sich die beiden Fraktionen zu ihren Beweggründen. Kernaussage: »Man muss alle Dorfgemeinschaftshäuser betrachten.«

Die Hüllhorster Ratsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen hatten durch einen gemeinsamen Antrag gefordert, die Neubaupläne für ein Dorfgemeinschaftshaus in Büttendorf zu stoppen und den vorhandenen Raum grundlegend zu sanieren (wir berichteten). Diesem Vorhaben hätten auch die beiden Vertreter der Unabhängigen Hüllhorster Union (UHU) und Andreas Sand von der FDP zugestimmt, betonen die beiden Fraktionsvorsitzenden Frank Picker (SPD) und Jürgen Friese (Die Grünen). Die CDU sowie Bürgermeister Bernd Rührup (SPD) hätten sich enthalten und damit sei der Antrag ohne Gegenstimmen beschlossen.

In den folgenden Tagen habe sich eine teils hitzig geführte Debatte in den sozialen Medien und beim Ortsteiltreffen in Büttendorf entwickelt. Picker sagt: »Nachdem sich die Gemüter nun wieder beruhigt haben, wollen beide Parteien in einer Stellungnahme noch einmal das Thema aufgreifen und erklären, was sie zu diesem Schritt bewogen hat.«

Kellerraum musste 2016 wegen Feuchtigkeitsschäden geschlossen werden

Nachdem der Kellerraum in der Büttendorfer Schule 2016 wegen Feuchtigkeitsschäden geschlossen wurde, habe die Gemeindeverwaltung vorgeschlagen, eine grundlegende Sanierung von innen und außen vorzunehmen. Kosten: 120.000 Euro. Dem gegenüber habe ein Vorschlag der Dorfgemeinschaft gestanden, der eine Sanierung des feuchten Mauerwerkes von innen bei Kosten von 35.000 Euro vorsah. Picker: »Mehrere Parteien waren damals nicht bereit, dem Gemeindevorschlag zuzustimmen und 120.000 Euro Eigenmittel in diesen Kellerraum zu investieren.«

Bevor es zu einem Beschluss hätte kommen können, habe es eine neue Entwicklung gegeben – die Gemeinde stellte einen Förderantrag für einen Neubau. Die beiden Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen sagen in ihrer Stellungnahme, die diese Zeitung am Sonntag erreichte, dass die Verwaltung dies mit der Dorfgemeinschaft abgesprochen habe. Und: Dass die Politik in diese Absprachen nicht eingebunden gewesen sei.

Picker: »Im Sommer 2018 wurde vom Land NRW eine Förderung in Höhe von 250.000 Euro zugesagt, weitere 100.000 Euro waren inzwischen durch einen privaten Sponsor in Aussicht gestellt worden. Daraufhin beschloss der Gemeinderat in der Ratssitzung im November 2018, die Maßnahme mit Gemeindemitteln in Höhe von 35.000 Euro, die auch der günstigere Sanierungsvorschlag gekostet hätte, zu unterstützen.«

Vor der Ratssitzung im Juli habe sich jedoch gezeigt, »dass der geplante Neubau bis zu 550.000 Euro kosten und damit der Gemeindeanteil nicht 35.000, sondern bis zu 200.000 Euro betragen würde«. Das sei der Moment gewesen, in dem die Fraktionen von SPD und Grünen gemeinsam die Notbremse gezogen hätten. »Beide Parteien sind der Meinung, dass man bei einer so hohen Einzelinvestition alle DGHs betrachten muss«, so Picker und Friese.

Investitionen müssen fair verteilt werden

Von fünf Dorfgemeinschaftshäusern seien mit Büttendorf, Bröderhausen und Oberbauerschaft drei in einem teils schlechten Zustand. »Wir können nicht an einer Stelle bis zu 200.000 Euro investieren und an anderer Stelle das Gebäude schließen. Eine grundlegende Sanierung oder der Neubau aller drei Standorte ist finanziell ebenso nicht vertretbar, außerdem sprechen die seit Jahren rückläufigen Nutzungszahlen dagegen«, so die Ansicht von Rot-Grün. Picker und Friese sagen in ihrer Stellungnahme überdies, »dass man sich im Fall eines Neubaus in Büttendorf nach einem eventuellen Ende der schulischen Nutzung von dem alten Schulgebäude getrennt hätte«.

Dies hätten viele Büttendorfer und auch der private Sponsor nicht gewollt. Daher werde nun der vorhandene Raum mit 35.000 Euro Gemeindeanteil und der privaten Unterstützung von zwei Sponsoren von innen und außen saniert und danach in Eigenregie von der Dorfgemeinschaft betrieben.

Das DGH in Bröderhausen könne derzeit ausschließlich für die örtliche Vereinsnutzung weiter betrieben werden. Das Gebäude in Oberbauerschaft solle verkauft werden, aber erst nachdem für die beiden derzeitigen Nutzer, die Dorfkapelle und den AMC, neue Räume gefunden worden seien. Im Zuge der Diskussion habe es auch Kritik an der Sanierung des Dorfplatzes am DGH in Holsen gegeben. Auch hierzu hätten beide Parteien eine klare Meinung: »Die DGH in Schnathorst und Holsen haben mit Abstand den höchsten Gebäudewert und sind behindertengerecht eingerichtet. Nur hier soll auf Dauer noch eine private Anmietung für Geburtstage, Hochzeiten und dergleichen möglich sein.

Dafür ist es erforderlich, dass die Außenbereiche an den beiden Standorten so gestaltet werden, dass eine Mitbenutzung bei größeren Veranstaltungen möglich ist.« Der alte Schulhof in Holsen sei über 40 Jahre alt und in einem baulich sehr schlechten Zustand, »darum hier die Sanierung«. Die private wie auch die Vereinsnutzung an den derzeit fünf Standorten sei seit vielen Jahren rückläufig, dem entgegen stünden hohe Sanierungs- und Unterhaltungskosten. »Wenn wir das jetzt nicht in einem Gesamtkonzept betrachten, läuft uns das finanziell aus dem Ruder«, so Rot-Grün.

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