Fr., 11.10.2019

Investor für Sozialwohnungen meldet Insolvenz an – Mieter können nicht einziehen Bau-Projekte liegen brach

Trübe Aussichten: Das Mehrfamilienhaus Am Brückenkopf 15 in Tengern ist noch immer nicht fertiggestellt, die Arbeiten ruhen. Es soll drei Mietparteien geben, die ihren Vertrag in der Tasche haben, nun aber nicht einziehen können.

Trübe Aussichten: Das Mehrfamilienhaus Am Brückenkopf 15 in Tengern ist noch immer nicht fertiggestellt, die Arbeiten ruhen. Es soll drei Mietparteien geben, die ihren Vertrag in der Tasche haben, nun aber nicht einziehen können. Foto: Kathrin Kröger

Von Kathrin Kröger

Hüllhorst (WB). Weit und breit keine Handwerker, Kabel, die aus der Erde ragen, eine Treppe ohne Geländer. Ein Vorzeige-Projekt in Tengern, das im Januar mit vielen Gästen, Geschenken und guten Worten Richtfest gefeiert hat, steht mittlerweile still. Das Mehrfamilienhaus Am Brückenkopf 15 mit sechs öffentlich geförderten Wohnungen ist bis heute nicht bezugsfertig.

Der Bauherr und Investor wollte bezahlbaren Wohnraum schaffen – mit Fördergeldern von Bund und Land. Ursprünglich zum 1. Juni sollten Mieter in die barrierefreien Zwei-Zimmer-Wohnungen einziehen können. »Die Bauzeit nach Fertigstellung der Bodenplatte beträgt etwa sechseinhalb Monate. Das ist sehr schnell und geht nur mit den leistungsfähigen Baufirmen vor Ort«, sagte damals der Investor. Soweit die Planung. An einen Einzug der Mietparteien ist jedoch bis heute nicht zu denken. Das Projekt ist nicht abgeschlossen und über das Vermögen der Firma des Bauherren, die Ellerhoff Haustechnik GmbH in Lübbecke, wurde am 30. September ein Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Lübbecker Rechtsanwalt Stefan Meyer bestellt.

Nach Angaben von Ortsvorsteher Karl-Heinz Kröger gibt es drei Parteien, die einen Mietvertrag unterschrieben haben und zum 1. September in das im Passivhausstandard erbaute Gebäude einziehen wollten. Ein Ehepaar aus Hüllhorst wohne derzeit weiter in seiner alten Wohnung und eine Mieterin aus Wiesbaden sei momentan bei Verwandten untergekommen. »In der ersten Septemberwoche bin ich von besagten Verwandten angerufen worden und man hat mir gesagt, dass der Einzug nicht möglich sei«, so Kröger. Im August habe die Dame bereits ihr Mobiliar im Haus untergebracht. Auch der Ortsvorsteher kennt das Gebäude nicht nur von außen. »Es ist imposant ausgestattet, aber es fehlt halt Einiges. Die Leute, die einen Mietvertrag haben und nun nicht einziehen können, tun mir leid.«

Geschäftsbetrieb eingestellt

Der Ortsvorsteher wie auch Bürgermeister Bernd Rührup haben den Investor seit Bekanntwerden der Schwierigkeiten nicht erreichen können. »Ich habe sowohl telefonisch, per E-Mail als auch auf dem Postweg versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Bisher gab es noch keine Rückmeldung«, sagt Rührup. Die jüngste Mail zwischen Gemeindeverwaltung und Bauherr habe es am 3. Juli gegeben. Darin habe es geheißen, dass die ersten Mieter nach den Sommerferien einziehen könnten.

Rührup: »Das Ganze hat uns sehr überrascht und ist bedauerlich. Wir werden da soweit es geht ein Auge drauf haben.« Der Austausch mit dem Investor sei bis dato tadellos gewesen. »Solange wir nicht gesprochen haben, können wir nicht wissen, welche Gründe vorliegen und ob wir als Gemeinde irgendwie mithelfen können«, so der Verwaltungschef. Generell unterliege das Objekt dem freien Markt und die Gemeinde sei kein Vertragspartner.

Rechtsanwalt Stefan Meyer hat gestern auf Anfrage dieser Zeitung die Einleitung des vorläufigen Insolvenzverfahrens bestätigt. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens sei bei Antragstellung (wohl bereits seit Anfang September) vollständig eingestellt gewesen »und konnte auch nicht mehr reaktiviert werden«, so Meyer. Es seien zuletzt 28 Arbeitnehmer beschäftigt gewesen.

Projekt in Oberbauerschaft nicht ad acta

Die Ellerhoff Haustechnik GmbH ist nach Auskunft des Juristen nicht Eigentümerin von Immobilien. Die Bauprojekte des Investors – außer dem in Tengern ist noch die geplante Seniorenwohnanlage in Oberbauerschaft und die zu Mietwohnungen umgebaute ehemalige Gaststätte Zum Wiehen in Holsen zu nennen – betreffen nach Informationen des Insolvenzverwalters den Firmengeschäftsführer privat.

Günter Obermeier, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Oberbauerschaft und treibende Kraft beim Projekt »Seniorengerechte Wohnanlage« im Ort, hält an dem Vorhaben fest. »Wir werden versuchen, neue Investoren zu finden. Aber momentan hängen wir genauso in der Luft wie die Tengeraner.« Derzeit könne er keine Aussage darüber treffen, wie es weitergehe. »Wir waren kurz vorm Ziel und dann das.« Er hoffe, dass das Projekt jetzt nicht zwei bis drei Jahre auf Eis liege. Letzter Stand der Dinge in Oberbauerschaft war, dass der Investor ein Grundstück an der Oberbauerschafter Straße für den barrierefreien Gebäudekomplex mit inte-grierter Demenzgruppe gekauft hatte. Und es gab Interessenten für den Kauf von Wohnungen in dem Komplex.

Das sanierte Objekt in Holsen gegenüber dem Dorfgemeinschaftshaus sei zum Teil vermietet, wie Ortsvorsteher Hans Hamel auf Nachfrage sagte. »Ein Teil des Gebäudes ist aber nach wie vor nicht ausgebaut.« Direkt daneben, auf dem einstigen Parkplatz der Gaststätte, sollte zudem ein Neubau entstehen. Hamel: »Das Haus ist abgesteckt worden, aber seitdem rührt sich nichts mehr. Das ist drei bis vier Wochen her.« Er habe erst gedacht, es habe an den vollen Auftragsbüchern der Handwerker gelegen.

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