Fünf Kinder werden im Kindergarten Huckepack notbetreut – bunte Steine als Gruß
Ganz alleine im Bälle-Bad

Hüllhorst (WB). Im evangelischen Kindergarten Huckepack sind zur Zeit fünf Kinder in der Notbetreuung. Der kleine Tim (Name von der Redaktion geändert) ist einer von ihnen. Der Kindergarten-Alltag sieht für Tim jetzt aber ganz anders aus als früher.

Dienstag, 21.04.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 11:20 Uhr
Für die Kinder, die zu Hause sind, haben Petra Knost und ihr Team ein kleines Angebot auf ihrer Homepage geschaffen, damit sie mit den Kindern in Kontakt bleiben können. So hat es einen Aufruf gegeben, als Gruß Steine für den Kindergarten zu bemalen. Foto: WB
Für die Kinder, die zu Hause sind, haben Petra Knost und ihr Team ein kleines Angebot auf ihrer Homepage geschaffen, damit sie mit den Kindern in Kontakt bleiben können. So hat es einen Aufruf gegeben, als Gruß Steine für den Kindergarten zu bemalen. Foto: WB

Tim wird um 7.30 Uhr in der Früh zum Kindergarten gebracht. Seine Eltern arbeiten beide im Krankenhaus, so dass Tim eines der Kinder ist, die in die Notbetreuung des Kindergartens gehen dürfen. In der Eingangshalle wird er von seiner Betreuerin Kerstin Holzmeyer-Jaeger empfangen. Die Erzieherin betreut in der Regel nur Tim, damit so wenig unterschiedlicher Kontakt wie möglich stattfindet. Um den Tag möglichst harmonisch zu beginnen, würden die beiden sich erst einmal unterhalten und den Tag planen. Dann dürfe Tim sich zum Start immer etwas aussuchen, womit er spielen wolle. „Tim hat sich heute zum Beispiel für das Bällebad entschieden“, erzählt Kerstin Holzmeyer-Jaeger. Danach würden sie meistens noch Tischspiele spielen und etwas lesen.

Obwohl noch ein weiteres Kind im Kindergarten ist, wird Tim alleine betreut. Die beiden Kinder dürfen nicht miteinander spielen, um das Kontaktverbot einzuhalten. Zwar wüsste der sechsjährige Tim schon sehr gut über die Situation Bescheid und würde auch die Regeln gut kennen, wie zum Beispiel, dass man Abstand halten und in die Armbeuge niesen müsse – es würde ihn aber doch sehr traurig machen, erzählt Kerstin Holzmeyer-Jaeger.

„Wie versuchen, den Alltag in dieser ungewöhnlichen Situation so angenehm wie möglich zu gestalten“, fährt sie fort, aber der Kindergartenalltag sei nun mal nicht wie sonst. „Vor allem das Spielen mit den anderen Kindern vermissen die Kinder sehr.“

Auf jedes Kind kommt eine Betreuerin

Der Kindergarten Huckepack bietet zur Zeit für insgesamt fünf Kinder eine Notbetreuung an. In Bezug auf die 70 Kinder, die normalerweise im Hause betreut werden würden, wäre das eine relativ kleine Zahl, erklärt Kindergartenleiterin Petra Knost. Dabei hätten sie wesentlich mehr Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten würden. Aber die meisten würden sich eine andere Lösung suchen, so Knost.

Kindergartenleiterin Petra Knost macht Mut in einer schwierigen Zeit.

Kindergartenleiterin Petra Knost macht Mut in einer schwierigen Zeit. Foto: WB

Für die Kinder, die zu Hause sind, haben Petra Knost und ihr Team ein kleines Angebot auf ihrer Homepage geschaffen, damit sie mit den Kindern in Kontakt bleiben können. So habe es über das Internet zum Beispiel einen Aufruf gegeben, bunte Steine für den Kindergarten zu bemalen. Das sei sehr gut angekommen und nun lägen viele angemalte Steine als Gruß von den Kindern vor der Eingangstür des Kindergartens. Das Team hätte darauf mit einem gemalten Gruß auf dem Kindergartenvorplatz geantwortet.

Kontakt zu den Kindern wird über kleine Aktionen gehalten

Außerdem würde es auf der Homepage noch verschiedene andere Aktionen geben, die immer wieder erneuert werden würden. So könnten sie wenigstens ein bisschen Kontakt zu den Kindern halten, so Knost. Zu Ostern habe es zudem ein wenig echte Post für die Kinder gegeben. „Eine junge Erzieherin hatte die Idee, die Kinder mit einem Ostergruß zu überraschen“, erzählt die Kindergartenleiterin weiter. Außer den Ostergrüßen habe es auch eine kleine Aufgabe für die Kinder gegeben sowie Blumensamen.

Es ist nur so viel Betreuungspersonal im Kindergarten, wie wir unbedingt brauchen.

Kindergartenleiterin Petra Knost

Von den 16 pädagogischen Fachkräften des Kindergartens seien jetzt nur wenige vor Ort. „Ich bin verpflichtet, das Risiko so klein wie möglich zu halten, deshalb ist auch nur soviel Be­treuungspersonal im Kindergarten, wie wir unbedingt brauchen“, sagt Petra Knost. Die anderen müssten Homeoffice machen, würden Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen. Aber der Urlaub sei irgendwann aufgebraucht und das gelte auch für die Eltern, erklärt Petra Knost. „Ihre Zeit wird allmählich knapper“, sagt sie. Die meisten könnten sich noch über den April retten, so dass auch diejenigen, denen eigentlich jetzt schon eine Notbetreuung zustehe, diese noch nicht nutzen würden. Sie rechnet aber damit, dass ab Mai mehr Kinder in die Notbetreuung kommen.

„Nichtsdestotrotz wollen wir versuchen, die Kontaktnetze so überschaubar wie möglich zu halten“, fährt die Pädagogin fort. Noch habe sie genügend freie Gruppenräume, damit die Kinder einzeln betreut werden könnten. Wie es dann weitergehe, das hinge dann von der Zahl der Kinder ab. Da müsse man dann neue Lösungswege finden.

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