Politik in Hüllhorst macht sich Gedanken über zukunftsfähige Konzepte
Neue Mobilität

Hüllhorst (WB/kk). In Zeiten von Klimaschutz und sich ändernder Bedürfnisse der Menschen Mobilität ganz neu denken – aber wie? Indem die Ortsteile untereinander, aber auch mit den Nachbarkommunen besser miteinander vernetzt werden. Was die SPD-Fraktion in einem Antrag angeregt hatte, fand ausnahmslose Zustimmung im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss (HFA).

Sonntag, 14.06.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 15.06.2020, 10:08 Uhr
Carsharing ist bislang vor allem in Städten erprobt, aber auch in ländlichen Regionen wie in Hüllhorst könnte es Konzepte geben, die zu einer modernen Mobilität passen. Foto: dpa
Carsharing ist bislang vor allem in Städten erprobt, aber auch in ländlichen Regionen wie in Hüllhorst könnte es Konzepte geben, die zu einer modernen Mobilität passen. Foto: dpa

„Seit vielen Jahren gibt es die Entwicklung, dass sich Nahversorgung wesentlich auf die Siedlungsschwerpunkte in Schnathorst und Hüllhorst konzentriert“, hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Anfang Februar in seinem Schreiben an Bürgermeister Bernd Rührup betont. Besonders ältere oder nicht mobile Bürger stelle das häufig vor Probleme. Sie hätten das Gefühl, abgeschnitten zu sein. Auch erste Vorschläge hatten die Sozialdemokraten gemacht, was zu dem geforderten Nahverkehrskonzept gehören könne: Carsharing, Mitfahrbänke, Bürgerbus, Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, gemeindeweite Mitfahr-App.

In der Ratssitzung Mitte März war das Thema „Mobilität in Hüllhorst“ an den Fachausschuss verwiesen worden, da ein solches Konzept nicht so einfach aus dem Boden gestampft werden kann. Die Verwaltung wies damals darauf hin, dass das komplexe Thema zunächst aufgearbeitet werden müsse. „Wie an dem SPD-Antrag ersichtlich, sind die möglichen Handlungsfelder einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung vielfältig. Nahmobilität kann dabei in der Regel nicht auf das Gebiet der Gemeinde Hüllhorst begrenzt werden; hier ist ein Austausch mit benachbarten Kommunen und dem Kreis sinnvoll“, so die Verwaltung im Vorfeld der nun stattgefundenen HFA-Sitzung. Für die Gemeinde Hüllhorst seien eine Stärkung der Mobilität mittels Fuß- und Radverkehr und Nutzung des ÖPNV sowie eine Reduzierung der Umweltbelastungen (Luft- und Lärmbelastungen) übergeordnete Ziele.

Neue Ansprüche

Im Integrierten Klimaschutzkonzept der Gemeinde Hüllhorst gebe es vielseitige Ansätze zum Handlungsfeld Mobilität. Mit der Stelle eines Klimaschutzmanagers oder -managerin werde nunmehr auch die personelle Ressource für eine systematische Erarbeitung von Maßnahmen aufgrund eines Mobilitätskonzeptes geschaffen. Hier bemühe man sich derzeit um eine Förderung, betont die Verwaltung und nennt außerdem das Stichwort „Land.Ei mobil“ sowie die Initiative für Mobilstationen. Damit seien bereits vielversprechende Projekte angeschoben worden.

„Land.Ei mobil“ habe das Ziel, das gegenwärtige öffentliche Mobilitätsangebot auf seine Zukunftstauglichkeit hin zu überprüfen und an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen. Eine besondere Herausforderung ergebe sich aus dem demografischen Wandel und den sich verändernden Ansprüchen an die Mobilität. „Zum einen gibt es immer mehr ältere Menschen, die nicht mehr selbst mobil sein können oder wollen. Zum anderen haben immer mehr Menschen den Wunsch, auf ein eigenes Auto zu verzichten.“ Das Motto: nutzen statt besitzen. Für all diese Menschen müsse ein angemessenes und bezahlbares öffentliches Mobilitätsangebot geschaffen werden.

Die Mobilstationen in der Gemeinde Hüllhorst sollen mit allen anderen Kommunen im Altkreis Lübbecke abgestimmt und einheitlich gestaltet werden. „Derzeit werden an zwei vorgesehenen Punkten (Busbahnhof Schnathorst und Haltestelle Mitte in Hüllhorst) geeignete Standorte für Fahrradboxen erkundet. Bezüglich der geforderten W-Lan-Verbindung wird nach einer Lösung gesucht“, so die Verwaltung.

Positive Rückmeldungen

Fachbereichsleiter Peter Lücking ging im Haupt- und Finanzausschuss ergänzend zur Beschlussvorlage auf den aktuellen Sachstand, die vorgesehenen Maßnahmen des jüngsten Konjunkturpaketes sowie in diesem Zusammenhang auch auf die weitere Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes ein.

Zu den im SPD-Antrag aufgeführten Punkten referierte „Land.Ei mobil“-Projektkoordinatorin Sarah König von der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV). Als Verkehrsgesellschaft der Kommunen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke bündelt diese für die Gemeinde Hüllhorst das Fachwissen zum öffentlichen Nahverkehr. Die Verbesserung des ÖPNV liege auch im Interesse der MHV, sagte König. Überlegungen für einen Bürgerbus mit ehrenamtlichem Engagement, der angesichts der Siedlungsstruktur in Hüllhorst durchweg geeignet erscheine, könnten durch die MHV begleitet und unterstützt werden. Weitere Bausteine wie Mitfahrbänke, Mitfahr-App und Carsharing bedürften der weiteren Entwicklung und Anpassung an örtliche Verhältnisse und müssten in der weiteren Umsetzung der Klimaschutzprojekte berücksichtigt werden, so die Referentin.

Aus den Reihen der Ausschussmitglieder folgten positive Rückmeldungen zu den geplanten Mobilitätsverbesserungen. Bürgermeister Bernd Rührup wies in diesem Zusammenhang auch auf bereits umgesetzte Maßnahmen und weitere Planungen, wie zum Beispiel Radwege und Ladesäulen, hin. Einstimmig wurde beschlossen, dass die Gemeinde Hüllhorst in Zusammenarbeit mit Verkehrsträgern, Straßenbaulastträgern und anderen Kooperationspartnern Möglichkeiten zur besseren Vernetzung der Ortsteile untereinander und mit den Nachbarkommunen entwickelt.

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