Corinna Holzmeier will gesunde Bienen züchten und baut in Büttendorf besondere Stöcke
Der natürliche Weg zum Honig

Hüllhorst (WB). Wer seine Nase ganz nah an das Einflugloch eines Bienenstocks hält, kann den warmen, honigsüßen Duft der Bienen riechen. Dieser Duft ist so besonders, das er sogar einen eigenen Namen hat, die sogenannte Nest-Duft-Wärmebindung. Diese Bindung sei für ein Bienenvolk essenziell, erklärt Bienenliebhaberin Corinna Holzmeier.

Dienstag, 16.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 14:48 Uhr
Imkerei auf ganz natürliche Art und Weise: Zur Zeit baut Corinna Holzmeier eine Klotzbeute in einem alten Eichenstamm. Wenn die Beute fertig ist, soll sie so in einem nahe gelegenen Waldstück platziert werden, um ein Bienenvolk anzulocken. Foto: Eva Rahe
Imkerei auf ganz natürliche Art und Weise: Zur Zeit baut Corinna Holzmeier eine Klotzbeute in einem alten Eichenstamm. Wenn die Beute fertig ist, soll sie so in einem nahe gelegenen Waldstück platziert werden, um ein Bienenvolk anzulocken. Foto: Eva Rahe

Die gelernte Imkerin hat auf ihrem Hof in Büttendorf vier Bienenstöcke, genannt Beuten, stehen. Als sie vor ein paar Jahren mit der Imkerei angefangen hat, habe sie sich an der klassischen Haltungsform orientiert. Sie habe Bienenstöcke gebaut, in denen die Waben einzeln herausgenommen werden könnten, um den Honig bequem zu ernten. Wie die meisten Imker habe sie zwei Mal im Jahr geerntet und die Bienen über Winter mit Zuckerwasser versorgt. Je tiefer sie allerdings in die Materie der Bienenhaltung eingestiegen sei, um so mehr habe sie das Gefühl gehabt, dass sie den Bienen etwas wegnehmen würde.

Den Entschluss, etwas zu verändern, fasste sie nach dem Besuch der Konferenz „Learning from the bees“ 2019 in Berlin. „Viele Wissenschaftler haben über das eigentliche Wesen der Bienen und deren natürlichen Lebensraum gesprochen. Das hat mit die Augen geöffnet“, sagt Corinna Holzmeier. Seitdem sehe sie ihre Bienen mit anderen Augen und würde versuchen, für die Tiere natürliche Lebensräume zu schaffen.

Bienen lebten ursprünglich im Wald

„Eigentlich sind Bienen heutzutage ja Nutztiere“, erklärt sie weiter. Aber eine Nutztierverordnung wie etwa in der Landwirtschaft gebe es nicht, fügt sie an. So könne jeder seine Bienen halten, wie es ihm beliebe. Für die heutige Haltungsform seien vor allem praktische Gründe der Imkerei ausschlaggebend. Der natürliche Lebensraum der Bienen sehe aber ganz anders aus. Ursprünglich hätten Bienen in Waldgebieten gelebt und zwar in Baumhöhlen in fünf bis sechs Metern Höhe. Die sogenannten Zeidler hätten schon im Mittelalter angefangen, die Honigproduktion der wildlebenden Honigbienen zu nutzen und Behausungen für sie zu schaffen, um den Honig zu ernten. In der klassischen Zeidlerei werde der Honig erst nach dem Winter entnommen. Die Zeidler würden also nur die Reste nutzen, die vom Wintervorrat übrig blieben. Dafür würden sie sogenannte Klotzbeuten anlegen, kurze, ausgehöhlte Baumstämme, in denen sie Bienenvölker ansiedeln.

Im vorigen Jahr hat Corinna Holzmeier bei dem polnischen Zeidler Andrzej Pazura gelernt, wie Klotzbeuten hergestellt werden. Seitdem hat sie eine Beute im Inneren einer Buche angelegt. Eine zweite Beute, die sie in den riesigen Stamm einer alten Eiche bauen will, ist in Arbeit. Der Vorteil der natürlichen Beuten liegt laut Corinna Holzmeier in ihrer Beschaffenheit. „Bienen mögen es trocken“, erklärt sie. Während es in normalen Bienenstöcken durch künstliche Dämmung schnell zu hoher Luftfeuchtigkeit käme, habe ein alter Baum eine natürliche, gute Dämmung. Die Feuchtigkeit werde durch das Stirnholz reguliert. „Innen bleibt es so immer schön trocknen“, sagt sie. Der Vorteil sei, dass sich Milben und Wachsmotten, die natürlichen Feinde der Bienen, in einem trockenen Klima schlechter entwickeln würden. Um Proben aus dem Futterkranz für Kontrollen zu entnehmen, sind die Klotzbeuten mit einer Klappe versehen.

Einen Nachteil hätten diese Beuten allerdings. Man kann den Honig nicht ernten, ohne das komplette Wabengerüst zu zerstören. Hier möchte Corinna Holzmeier zum Umdenken anregen. Honig sei zwar ein Naturprodukt, aber es bestehe zu 95 Prozent aus Zucker. Damit sei es einfach, Honig durch andere Lebensmittel zu ersetzen. Sie plädiert dafür, mit Honig sorgfältiger umzugehen und ihn wie ein natürliches Luxusprodukt zu behandeln.

Den Bienen ihren Honig lassen

Corinna Holzmeier möchte noch aus anderen Gründen ihre eigene Honigernte so weit wie möglich eingrenzen. „Bienen geraten unter Stress, wenn man ihnen ihren Wintervorrat raubt“, erklärt sie. Denn dann müssten sie wieder neuen Vorrat ansammeln. Wenn man den Bienen aber ihren Honig lasse, hätten sie mehr Zeit, um sich um andere Dinge zu kümmern. Sie würden zum Beispiel anfangen, sich gegenseitig zu putzen und sich von ihren Parasiten, den Varroamilben, zu befreien.

Bei der Honigernte werde zudem jedesmal das Habitat der Bienen, welches sie sich in wochenlanger Arbeit aufgebaut hätten, komplett auseinandergenommen. Es spiele nicht nur der Bau an sich eine Rolle, sondern auch der betörende Duft der Bienen. Durch das Auseinandernehmen der Waben ginge die Nest-Duft-Wärmebindung der Bienen komplett verloren, erklärt Corinna Holzmeier. In einem Bienenvolk werde die einzelne Biene aber als einzelne Zelle verstanden, und das Wabenwerk als Organ der Biene. Deshalb sei diese Bindung für die Biene so essenziell. „Bienen verstehen sich als Teil eines Ganzen, das jedes Mal neu errichtet werden muss, wenn der Mensch es zerstört.“ Für Corinna Holzmeier ist der Schutz der Bienen wichtiger, als der süße Genuss des Honigs. „In den Jahren, in denen Bienen immer mehr zu Nutztieren geworden sind, hat man vergessen, was sie eigentlich brauchen“, erklärt sie.

Nun wartet Corinna Holzmeier darauf, dass ihre natürlichen Bienenbehausungen in der Buche von einem Volk besetzt werden. Auch den Schwarmtrieb will Corinna Holzmeier nicht verhindern, sondern fördern. Sie wartet gespannt darauf, dass eine Königin samt Volk sich ein neues Zuhause sucht. „Die Bienen schwärmen sich quasi gesund“, erklärt sie, weil sie mit ihrem alten Habitat auch alles Ungeziefer zurück lassen. Und das sei ja schließlich das Ziel: gesunde Bienen zu haben.

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