Schulentwicklungsplanung: Viele Einwohner informieren sich im Schulausschuss
Fragenkatalog akribisch abgearbeitet

Hüllhorst (WB). Zu Beginn gab es Blumen und anerkennende Worte. Gesamtschul-Leiterin Marina Butschkat-Nienaber, die zum Ende dieses Schuljahres in Pension geht, wurde als Mitglied des Schulausschusses in der Sitzung am Donnerstagabend verabschiedet. Bürgermeister Bernd Rührup und Ausschussvorsitzende Dietlind Scheding überreichten der Gartenliebhaberin Topfblumen zum Einpflanzen. 21 Jahre lang war Butschkat-Nienaber, die mit ihrem Mann in Holsen lebt, an der Gesamtschule als Lehrerin tätig, davon zwölf Jahre als Schulleiterin. Scheding hob ihre „großartige und unermüdliche Arbeit“ hervor und schloss sich damit den Worten des Gemeindeoberhaupts an.

Dienstag, 23.06.2020, 06:00 Uhr
Der Bereich für die Besucher hinter dem Absperrband ist voll besetzt gewesen. Das Interesse an der Schulentwicklung ist groß. Foto: Kröger
Der Bereich für die Besucher hinter dem Absperrband ist voll besetzt gewesen. Das Interesse an der Schulentwicklung ist groß. Foto: Kröger

Schulentwicklungsplanung

Nach der Verabschiedung folgte ein fast zweieinhalbstündiger öffentlicher Sitzungsteil, der vornehmlich geprägt war von Wortbeiträgen etlicher Referenten zum heiß diskutierten Thema „Schulentwicklungsplanung in der Gemeinde Hüllhorst“. Ein Beschluss wurde nicht gefasst und war auch nicht vorgesehen. Dass dieser Tagesordnungspunkt so ausführlich behandelt wurde, war zum Einen der Tatsache geschuldet, dass die eigentlich dazu geplante Info-Veranstaltung coronabedingt hatte ausfallen müssen und mit der Ausschusssitzung nachgeholt wurde.

Zum Anderen den äußerst umfangreichen Fragenkatalogen zur Schulentwicklung, sowohl von SPD als auch CDU, den Verwaltungsmitarbeiter und Grundschulleiterinnen akribisch abarbeiteten. Zudem war auch die Bezirksregierung in Detmold zur Beantwortung von Fragen konsultiert worden sowie die Schulrätin für den Kreis Minden-Lübbecke Iris Hohberg, die als Referentin zur Sitzung eingeladen war.

Um den erwartungsgemäß zahlreich vertretenen Bürgern zu ermöglichen, auch direkt auf das soeben Gehörte einzugehen, hatte die Verwaltung den Punkt „Fragestunde für Einwohner“ ausnahmsweise hinter die inhaltliche Aus-einandersetzung zum Thema „Schulentwicklung“ gestellt. Ans Mikro traten jedoch nicht viele der Besucher. Dieter Bohlmann als Vertreter der Dorfgemeinschaft Büttendorf wollte wissen, ob man die Ideen für eine zukunftsfähige Schule nicht auf alle, also eben auch auf die kleinen Standorte, übertragen könne. Kathrin Clausen, Leiterin des Grundschulverbundes am Wiehengebirge, sagte: „Das schaffen wir nicht, darum haben wir die Politik ja um Hilfe gebeten.“

Was bleibt in den Orten?

Hermann Holzmeier fragte, was in den Orten noch bleiben werde, wenn es keine Schule mehr gebe. Hier verwies die Verwaltung auf die Möglichkeiten der alternativen Gebäudenutzung. „Wir können aber nicht einen Masterplan für jedes Szenario vorlegen“, sagte Bürgermeister Bernd Rührup.

Eine andere Frage eines Einwohners zielte auf die Personal- und Altersstruktur der Lehrer in den Grundschulen ab. Gudrun Upheber, Leiterin des Grundschulverbundes im Mühlengrund, sprach davon, dass es schwierig sei, qualifiziertes Personal zu finden. Das Pendeln zwischen zwei Standorten mache es zudem nicht unbedingt attraktiver, eine Lehrerstelle in der Gemeinde anzunehmen. „Jüngere kommen damit vielleicht noch am ehesten zurecht.“ Mit Blick auf ihre eigene Arbeit sagte Upheber: „Man möchte ganz viel machen, ist aber begrenzt in seinem System.“

Die Vortragenden nahmen Stellung zu den Bereichen Finanzen und Kosten, Infrastruktur/Gebäude/Standorte/Nachnutzung, Konzepte und Pädagogik, Verkehr und Schulwege, Elternbedarfe und Betreuung sowie Vorteile/Nachteile und Erfahrungen. Nacheinander informierten jeweils ein Vertreter des Fachbereichs Bürger, Verwaltung und Technik sowie im Anschluss die Untere Schulaufsicht und die Schulen Politiker und Einwohner.

Im November Kommissionsergebnisse dargelegt

Zum Hintergrund: In der Sitzung des Schulausschusses am 14. November 2019 hat Dr. Anja Reinermann-Matatko vom Gutachterbüro Schulentwicklungsplanung (SEP)-Beratung das Ergebnis der Kommission zur Grundschulstruktur vorgestellt. Von vier Optionen wurde von der Kommission die Option 4 favorisiert (Option 1: Die Hauptstandorte der Grundschulen, also Oberbauerschaft, Schnathorst und Tengern, bleiben; Option 2: Tengern und Oberbauerschaft bleiben und werden baulich erweitert; Option 3: Schnathorst und Oberbauerschaft bleiben und werden baulich erweitert; Option 4: Alle bestehenden Standorte entfallen und stattdessen wird eine zentrale Schule für alle geschaffen).

Fachbereich Verwaltung

Referentin war Kerstin Hamel-Picker. Eine Frage in ihrem Zuständigkeitsbereich war, welche finanziellen Einsparungen bei den verschiedenen Modellen zu erwarten sind. „Die Option 4 verursacht die höchsten außerordentlichen Abschreibungen (einmaliger Aufwand im Jahr des Abgangs). Option 1 und 2 sind am günstigsten.“ Anders sieht es bei den ordentlichen Abschreibungen aus. Dieser Aufwand entsteht jährlich über die gesamte Nutzungsdauer der jeweiligen Option. Hamel-Picker: „Der Neubau schneidet hier am günstigsten ab. Ausschlaggebend ist die Gesamtnutzungsdauer von 80 Jahren, die für einen Schulneubau anzusetzen ist.“

Eine weitere Frage: Gibt es ein passendes zentrales Grundstück? „Grundsätzlich gibt es in der Gemeinde Grundstücke, die von der Lage und Größe her in Frage kommen würden“, sagte Hamel-Picker. Konkrete Planungen könnten wegen der offenen Entscheidungslage noch nicht erfolgen. Für den Grunderwerb sei mit weiteren Kosten zu rechnen. Auf die Frage, was mit den Altgebäuden passiert, sagte die Verwaltungsmitarbeiterin, dass hier verschiedene Möglichkeiten denkbar seien. „Abhängig vom Bauzustand der Gebäude könnten Räume für Vereinsnutzungen entstehen. Es könnten auch Teile abgerissen werden und der Grund und Boden vermarktet werden.“ Auch eine Vermietung von Gebäudeteilen könne in Betracht gezogen werden.

Fachbereich Technik

Fachbereichsleiterin Susanne Sassenberg erläuterte, welche Kosten für eine neue Schule entstünden (Bau und Betrieb), verglichen mit den bisherigen fünf Standorten beziehungsweise den drei Hauptstandorten. Option 1: Kosten in Höhe von rund 20 Millionen Euro, Option 2: 16,5 Millionen Euro, Option 3: 22,5 Millionen Euro, Option 4: 19,5 Millionen Euro. Fördermittel für den Neu- und Umbau von Schulgebäuden gibt es derzeit nicht, wie Sassenberg sagte.

 

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