Schulausschuss: Die drei Hüllhorster Grundschulleiterinnen beantworten Politikerfragen
„In größerem System ist mehr möglich“

Hüllhorst (WB/kk). Die jüngste Schulausschusssitzung in Hüllhorst vor der Sommerpause hat viele Antworten gegeben – auf die Fragenkataloge von CDU und SPD zum Thema Grundschule und einer etwaigen Zusammenlegung der fünf Standorte. Auch die drei Schulleiterinnen der Gemeinde, Gudrun Upheber vom Grundschulverbund Im Mühlengrund (Tengern und Büttendorf), Kathrin Clausen vom Grundschulverbund Am Wiehengebirge (Schnathorst und Ahlsen) sowie Sabine Walz von der evangelischen Grundschule Oberbauerschaft, haben ausführlich Stellung genommen.

Donnerstag, 02.07.2020, 08:00 Uhr
Wie wird die Grundschullandschaft in der Gemeinde künftig gestaltet sein? Die Schulleiterinnen plädieren für ein größeres System. Foto: dpa
Wie wird die Grundschullandschaft in der Gemeinde künftig gestaltet sein? Die Schulleiterinnen plädieren für ein größeres System. Foto: dpa

Finanzen und Kosten

Eine der Fragen lautete, ob sich durch die Zusammenlegung von Standorten Synergieeffekte bei der Beschaffung von Unterrichtsmaterialien ergeben. Gudrun Upheber sagte, dass dann der Schuletat entlastet werde. Doppelte Anschaffungen könnten vermieden werden in Bezug auf Lehrermaterialien, pädagogische Handreichungen oder auch Sachmaterialien wie zum Beispiel Experimentierkästen. „Dies gilt insbesondere bei einer Zusammenlegung der Verbundschulen“, so Upheber.

Infrastruktur/Gebäude

Frage: Welche Modelle für unterschiedliche Raumkonzepte gibt es an modernen Grundschulen? Upheber: „Schule wird zunehmend Lern- und Lebensort. Daher sollte ein modernes Schulgebäude geplant werden aufgrund pädagogischer Leitlinien, um dann selbst ein Teil der pädagogischen Konzeption zu werden.“ Das bedeute, man brauche klare, einfache, am Lernen und Lehren orientierte räumliche Strukturen, die für Kinder im Grundschulalter angemessen seien. In der Umsetzung könnten dies Flurfamilien sein, die ein kleines System innerhalb des einen großen Systems darstellten.

Konzepte und Pädagogik

Frage: Welche unterschiedlichen pädagogischen Modelle können in den vier Varianten entwickelt beziehungsweise umgesetzt werden? „Je größer ein Schulsystem, desto vielseitiger sind die Möglichkeiten und Kapazitäten für das dort arbeitende pädagogische Personal, Konzepte zu entwickeln und voranzutreiben“, sagte Upheber. Ein größeres Kollegium könne vielseitiger und erschöpfender arbeiten. Im Umkehrschluss bedeute dies, je weniger Personal an einem Standort beschäftigt sei, desto geringer das gesamte Zeitkontingent, das für die Entwicklung zukunftsorientierter Konzepte zur Verfügung stehe.

Frage: Warum ist ein gutes pädagogisches Konzept in kleinen Schuleinheiten aktuell nicht umsetzbar? Wo ist der pädagogische Unterschied zu einem großen Standort? Dazu nahm Kathrin Clausen Stellung: „In einer kleineren Schuleinheit ist die notwendige Flexibilität des Kollegiums nur eingeschränkt nutzbar.“ Im Rahmen des „Lernen auf Distanz“ habe sich gezeigt, dass eine größere Personal- und Fachressource die notwendigen digitalen Lernmöglichkeiten zügiger organisieren und implementieren konnte.

Jeweils ein eigenes Schulprogramm

Frage: Sind inhaltlich unterschiedliche Schwerpunkte an verschiedenen Standorten möglich und sinnvoll? Upheber: „Jede Schule ist angehalten, ein eigenes Schulprogramm zu entwickeln, in dem festgelegt ist, was an dem jeweiligen Standort thematisch möglich und umsetzbar ist. Tagesaktuell bedeutet das, dass ein darüber hinaus gefächertes Angebot mit weiteren unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen aufgrund personeller sowie räumlicher Begrenztheiten nicht ausgerichtet werden kann.“ Ziel solle daher sein, die räumlichen und personellen Ressourcen zu bündeln, um allen Kindern ein möglichst breites Angebot (standortunabhängig) zur Verfügung zu stellen.

Frage: Gibt es bereits Konzepte für Pädagogik, Beförderung, finanzielle Auswirkungen? Clausen: „Diverse Konzepte für pädagogisches Handeln sind durch jede Schule mit Blick auf die standortspezifischen Besonderheiten erarbeitet worden. Finanzielle Auswirkungen sind – aufgrund der erhöhten Standortzahl – zusätzliche Ausgaben durch notwendige doppelte oder mehrfache Beschaffungen von pädagogischen Materialien aller Art, insbesondere für Verbundschulen.“

Umbau?

Frage: Ist das neue Schulkonzept durch Umbaumaßnahmen auf Oberbauerschaft und Tengern umzusetzen? Sabine Walz entgegnete darauf: „Grundsätzlich ist eine Standortfrage für die Entwicklung eines Schulkonzeptes unerheblich. Vielmehr geht es um die Erstellung eines Raumkonzeptes, das die pädagogischen Erfordernisse unterstützt.“ Inwiefern ein solches Konzept in eine bestehende Gebäudestruktur zu integrieren sei, könne erst nach der politischen Entscheidung in Kooperation mit einem Architekten in der „Phase 0“ entwickelt werden. Dies gelte für jede der vier Optionen.

Frage: Wie kann Inklusion in den vier Varianten umgesetzt werden? Clausen: „Schulen des Gemeinsamen Lernens (Oberbauerschaft und Grundschulverbund Am Wiehengebirge) steht pro Zug eine halbe Sonderpädagogin zu. Wenn diese allerdings an einer kleinen einzügigen Schule in Vollzeit arbeitet, ergibt sich zwangsläufig der Einsatz in einem zusätzlichen System und somit eine zusätzliche Belastung.“ Um eine möglichst breitgefächerte sonderpädagogische Expertise an einer Schule vorzuhalten und so Kinder mit unterschiedlichen Förderbereichen optimal unterstützen zu können, benötige man mehrere, unterschiedlich spezialisierte Sonderpädagogen. „Dies ist aufgrund der zugabhängigen Stellenzuweisung nur an entsprechend großen Systemen möglich“, sagte Clausen.

Vertretungsregelungen

Frage: Haben die Standortvarianten Auswirkungen auf Vertretungsregelungen? Antwort: „Ja. Mehrere Standorte führen zu unnötiger Belastung von Lehrkräften, insofern dass Vertretung auch an einem anderen Standort wahrgenommen werden muss. Damit werden Zeit- und Personalressourcen geschwächt.“

Frage: Welche Schulgröße wird von Fachleuten für ideal gehalten, um optimale Förderung zu ermöglichen? „Je größer ein Schulsystem, desto umfangreicher und vielfältiger sind die Möglichkeiten, unterschiedliche Förder- und Forderangebote klassenübergreifend zu organisieren. Je größer ein Schulsystem desto besser die Möglichkeiten bei der Klassenbildung Leistungs- und Entwicklungsheterogenität, Genderkonzept und gleichmäßige Klassengrößen zu beachten“, so Walz. Große Schule bedeute nicht große Klassen und kleine Schule kleine Klassen.

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