Wahl 2020: die Hüllhorster Bürgermeisterkandidaten im Portrait – Interview mit Bernd Rührup (SPD)
„Ich liebe und lebe dieses Amt“

Hüllhorst (WB). Bernd Rührup tritt nochmal an. Nach einem deutlichen Wahlsieg bei der Kommunalwahl 2015 geht der 54-jährige Verwaltungschef erneut für die SPD ins Rennen um das Bürgermeisteramt der Gemeinde Hüllhorst. Mit WB-Redakteurin Kathrin Kröger sprach er darüber, wie er seine zweite Amtsperiode gestalten möchte.

Freitag, 04.09.2020, 21:56 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 22:02 Uhr
Bernd Rührup im Gespräch mit den Bürgern – die Kommunikation gehört zum Amtsverständnis des Verwaltungschefs. Foto: Peter Götz
Bernd Rührup im Gespräch mit den Bürgern – die Kommunikation gehört zum Amtsverständnis des Verwaltungschefs. Foto: Peter Götz

 

Was für eine Bilanz ziehen Sie nach Ihrer ersten Amtszeit – sowohl inhaltlich als auch persönlich?

Bernd Rührup : Ich bin sehr glücklich, wenn ich betrachte, wie sich Hüllhorst in den letzten fünf Jahren weiter entwickelt hat. Gemeinsam mit dem Rat und meiner Verwaltung haben wir alle zukunftsorientierten Themen angepackt: finanzielle Unabhängigkeit der Kommune, Versorgung mit Strom, Gas und Wasser, Glasfaserausbau, Schulentwicklung, Feuerwehrstandorte, Instandsetzung unserer Straßen, Schulen, Sportanlagen und Gebäude, Klimaschutz mit Konzept, Wirtschaftsentwicklung, Mobilität und ärztliche Versorgung. Wunderbar waren vor allem die vielen Begegnungen mit den Menschen, die hier leben und arbeiten.

 

Was ist Ihre Veranlassung, wieder anzutreten? Ist Ihre Motivation damals vor fünf Jahren eine andere als heute?

Rührup : Ich stehe heute wie auch vor fünf Jahren für eine planmäßige, auf die künftigen Generationen gerichtete und damit nachhaltig gute Entwicklung der gesamten Gemeinde Hüllhorst. Alle Entscheidungen müssen auf die Zukunft gerichtet sein.

 

Wie blicken Sie heute auf das Amt des Bürgermeisters? Mit welchen Schwierigkeiten sind Sie konfrontiert worden im Laufe der Legislaturperiode, mit denen Sie nicht gerechnet haben, was war leichter als gedacht?

Rührup : Ich liebe und lebe dieses Amt. Für mich persönlich gab es keine außergewöhnlichen Überraschungen, denn in meiner mehr als 30-jährigen Laufbahn in der Kommunalverwaltung habe ich die meiste Zeit sehr eng mit den Hauptverwaltungsbeamten zusammengearbeitet.

Überrascht in der Sache hat mich die Diskussion um den Wertstoffhof in Tengern, erfreulich einvernehmlich geht man in Hüllhorst beim Klimaschutz vor.

 

Was möchten Sie anpacken in den nächsten fünf Jahren beziehungsweise längerfristig entwickeln als Perspektive für Hüllhorst 2030? Stichwort: Leben und Arbeiten in guter Atmosphäre in Hüllhorst – für alle Generationen, alle sozialen Schichten, Privatbürger wie Gewerbetreibende.

Rührup : Ich bin überzeugt davon, dass die Corona-Pandemie unsere Gesellschaft und unser Verständnis für Werte nachhaltig prägen und in vielen Bereichen verändern wird. Daraus werden sich aber auch große Chancen für die Zukunft ergeben und die dürfen wir nicht verpassen.

Für 2030 sehe ich Glasfaser in jedem öffentlichen oder privaten Gebäude unserer Gemeinde, moderne Schulen und Betreuungseinrichtungen, die unsere Kinder – und zwar alle Kinder – optimal auf das Leben vorbereiten, Entwicklungsperspektiven für unsere Gewerbebetriebe, Feuerwehrhäuser auf dem neuen Stand der Brandschutztechnik, eine sichere ärztliche Versorgung durch zeitgemäße Kooperationsmodelle und planvolle Klimaschutzinitiativen, die von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen gleichermaßen getragen werden. Außerdem wollen wir bis dahin weitere Schritte auf unserem Weg als familienfreundlichste Gemeinde der Region gemacht haben.

 

Manche Vertreter in den Ortsteilen fürchten, wie es unter anderem in der Grundschuldebatte deutlich wird, um die Individualität des Dorfes, die dortige Infrastruktur, die Lebensqualität und den Zuzug beispielsweise junger Familien. Was sagen Sie diesen Menschen?

Rührup : Ich kann die Sorgen der Menschen gut verstehen. Auch „meine“ Grundschule im Ortsteil Holsen wurde durch den Rat der damaligen Großgemeinde geschlossen, als die Schülerzahl 1980 auf 94 absank. Erfreulicherweise wurde mit der Musikschule eine passende Nachnutzung gefunden. Nach meiner festen Überzeugung, die sowohl von unseren Schulleitungen als auch von der Schulaufsicht geteilt wird, müssen wir vor allem die bestmögliche Unterrichtsqualität für unsere Schülerinnen und Schüler im Auge haben, damit wir als Gemeinde für junge Familien attraktiv sind.

Ansonsten bleibe ich dabei, dass jede Dorfgemeinschaft ein Puzzleteil für ein lebendiges Gemeindeleben ist und meine volle Unterstützung hat, wenn Initiativen und Projekte entwickelt werden.

 

In diesem Zusammenhang auch die Frage, wie und ob langfristiges effizientes Handeln und gutes Wirtschaften (so ja auch zum Beispiel bei der Zusammenlegung von Feuerwehrstandorten vonnöten) angesichts der Corona-Pandemie überhaupt noch möglich ist.

Rührup : Erfreulicherweise sind wir wieder in vollem Umfang handlungsfähig und alle Planungsprozesse und Baumaßnahmen laufen auf Hochtouren. Und auch finanziell werden wir Corona überstehen, weil wir in den vergangenen guten Jahren unsere Rücklage durch verbesserte Einnahmen wieder aufgefüllt haben, um kritische Situationen zu meistern. Die finanztechnischen Ins-trumente, die uns das Land im Zusammenhang mit Corona an die Hand gegeben hat, sind vor allem bilanzieller Art. Wir müssen heute vor Ort gute Entscheidungen treffen, damit nicht unsere Enkel noch in 50 Jahren die Rechnung für das Coronajahr 2020 zahlen.

 

Wie stellt sich derzeit die Flüchtlingssituation in der Gemeinde dar? Diese war ja zu Beginn Ihrer Amtszeit eine der größten Herausforderungen.

Rührup : Wir haben aktuell 266 Geflüchtete hier. Diese Zahl unterscheidet sich gar nicht so sehr von 2016. Aber es gibt aktuell keine großen Wellen und wir haben gute Strukturen geschaffen. Durch den Einsatz unserer ehrenamtlich Engagierten und unseres Integrationsbeauftragten haben wir die Integration und die Einbindung in Bildung und Arbeit weitestgehend in recht kurzer Zeit und ohne große gesellschaftliche Einschränkungen hinbekommen.

 

Wie haben Sie Ihren Wahlkampf in Corona-Zeiten gestaltet bzw. gestalten diesen? Sie sagen, Sie sind ein Freund des persönlichen Gesprächs und direkten Kontakts. Dieser war und ist jedoch erschwert...

Rührup : Die Kommunikation mit den Bürgerinnen, Bürgern, Vereinen und Unternehmen ist für mich vor allem konstanter Teil meines Amtsverständnisses. Auch meine eigenen Plattformen in den sozialen Medien haben sich über viele Jahre entwickelt. Ich habe dort keinen Wahlkampfauftritt. Bei mir entscheiden die Hüllhorsterinnen und Hüllhorster über meine Arbeit in den letzten fünf Jahren – da brauche ich sowieso nicht mit unhaltbaren Versprechen und inhaltslosen Worthülsen kommen.

 

Mit welchen Fragen werden Sie im Wahlkampf mehrheitlich konfrontiert? Was beschäftigt die Hüllhorster?

Rührup : Natürlich prägt Corona und hier aktuell besonders die Situation an unseren Schulen zahlreiche Gespräche. Außerdem werden die Grundschulstandortvarianten heiß diskutiert und auch die Internetversorgung ist nach wie vor ein Thema. Aber insgesamt nehme ich vor allem wahr, dass die Menschen gern hier wohnen, sich im Verein oder der Familie engagieren und das dörfliche Leben sehr schätzen.

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