Bürgermeister Michael Kasche äußert sich zur aktuellen Corona-Lage in Hüllhorst – Sitzungen verschoben
„Baptisten halten sich an Regeln“

Hüllhorst -

Die für diese Woche anberaumten Sitzungen der Gemeinde Hüllhorst – Haupt- und Finanzausschuss sowie Betriebsausschuss – werden auf die nächste Woche verschoben und in komprimierter Form abgehalten.

Dienstag, 19.01.2021, 00:16 Uhr aktualisiert: 19.01.2021, 00:18 Uhr
Im Labor werden zum Nachweis einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum genommen und getestet. In der Gemeinde Hüllhorst hat sich die Corona-Situation übers Wochenende etwas entspannt.
Im Labor werden zum Nachweis einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum genommen und getestet. In der Gemeinde Hüllhorst hat sich die Corona-Situation übers Wochenende etwas entspannt. Foto: dpa/Oliver Berg

Grund ist der bei mehr als 300 liegende Inzidenz-Wert der Kommune am Wiehen, der allerdings am Montag auf 291 sank.

Am Montagmorgen teilte die Verwaltung zur Corona-Situation mit: „Aufgrund der Entwicklung des Infektionsgeschehens der vergangenen Tage hat der Verwaltungsvorstand der Gemeinde Hüllhorst entschieden, die in dieser Woche vorgesehenen Sitzungen ausfallen zu lassen. Um dennoch die Handlungsfähigkeit der kommunalen Gremien zu gewährleisten und notwendige Entscheidungen treffen zu können, werden diese Sitzungen zunächst mit verkürzter Ladungsfrist vor die Ratssitzung in der kommenden Woche verschoben.“

In den Sitzungen sollen nur die notwendigen Tagesordnungspunkte behandelt und die Sitzungsdauer auf das Minimalste reduziert werden. In diesem Zusammenhang würden auch die Abstände in der Ilex-Halle entsprechend vergrößert; auch das Tragen einer FFP2-Maske während der gesamten Sitzungen ist nun Pflicht. „Die neuen Regeln kann ich aufstellen, weil ich der Gastgeber bin und somit das Hausrecht in der Ilex-Halle habe. Ich könnte natürlich jetzt nicht anweisen, dass die Leute auf der Straße einen solchen Mund-Nase-Schutz tragen“, sagte Bürgermeister Michael Kasche im Gespräch mit dieser Zeitung. Wer keine FFP2-Maske habe, bekomme vor Ort eine solche gestellt. Durch die nochmal vergrößerten Abstände in der Ilex-Halle reduziere sich allerdings die Besucherzahl. Die Themen auf der Tagesordnung ließen jedoch keinen Ansturm von Einwohnern erwarten, die den öffentlichen Teil der Sitzungen verfolgen wollten.

Das Gemeindeoberhaupt erklärte, dass die Kommune die Sitzungen nicht vollends streichen könne. „Insbesondere der Jahresabschluss 2019 der Wirtschaftsbetriebe Hüllhorst und die Absegnung der Kommunalwahl-Ergebnisse müssen erfolgen – und zwar öffentlich. Das sind gesetzliche Vorschriften“, sagte Kasche. Er betonte, dass sonstige Regelveränderungen beziehungsweise -Verschärfungen nicht auf kommunaler Ebene entschieden werden könnten. „Wir haben keine Handhabe, das wird von der Staatskanzlei NRW vorgegeben.“

Der Bürgermeister sprach am Montag von einer sich etwas entspannenden Corona-Situation. „Am vergangenen Freitag hatten wir eine Inzidenz von 383, am Sonntag einen Wert von 314. Aber das kann sich morgen natürlich schon wieder ändern und ist immer nur eine Momentaufnahme.“ Bei den Inzidenz-Werten müsse man allerdings bedenken, dass sich in einer Gemeinde wie Hüllhorst mit 13.078 Einwohnern wenige Neuinfektionen bereits stark auswirken könnten – ganz im Gegensatz zu Großstädten oder im Kreis auch zu einer Kommune wie Minden. „Wenn wir zehn Neuansteckungen verzeichnen, haben wir einen Anstieg bei der Inzidenz um 50. Somit gibt es in Hüllhorst viel stärkere Schwankungen. Bei uns explodiert es dann gleich.“

Die Kritik an Präsenzgottesdiensten bestimmter Religionsgemeinschaften in Hüllhorst, wie den Baptisten in Oberbauerschaft, konnte er nicht bestätigen. „Zunächst ist festzuhalten, dass wir als Verwaltung die Gottesdienste nicht verbieten können. Wir stehen in engem Kontakt zur Baptisten-Gemeinde und haben dort mehrmals kontrolliert und tun es noch – in unregelmäßigen Abständen und unangekündigt. Ich war selbst auch schon mit dabei und kann sagen: Die Baptisten halten sich an die Regeln.“ In ihrem Bethaus fänden mehr als 1100 Personen Platz, gestattet seien noch 100 Besucher. An Weihnachten habe es vier Gottesdienste zu je 100 Leuten gegeben – nur für die Kinder der Brüdergemeinde.

Die Quarantäne-Liste, anhand derer das Ordnungsamt täglich seine Kontrollen vornehme, gestalte sich querbeet. Sie spiegele wider, dass in Hüllhorst kein großer Infektionsherd auszumachen sei - auch nicht in Altenheimen, betont Kasche. Er hält für möglich, dass Pendler von ihrer Arbeitsstelle das Virus in die Gemeinde tragen.

Mit Blick auf seine eigenen Mitarbeiter sagte der Bürgermeister, dass man von dieser Woche an damit anfange, bestimmte Abteilungen ins Home Office zu schicken. Zudem kontrollierten die Ordnungsamts-Mitarbeiter und der Bezirkspolizeibeamte weiterhin lückenlos und engmaschig, ob Quarantäne und Isolation von allen eingehalten werde. „Die Verstöße dagegen sind an einer Hand abzählbar“, so Kasche. „Das sind eher die Jüngeren gewesen.“ Im Großen und Ganzen hielten sich die Hüllhorster auch an die Kontaktbeschränkungen. „Da bildeten bislang auch nur Einzelfälle die Ausnahme, an gewissen Treffpunkten.“ Da verhänge die Gemeinde dann die entsprechenden Bußgelder.

Unterstützung erfahre das Ordnungsamt auch von Kollegen anderer Abteilungen. „Wir arbeiten übergreifend, um das Ordnungsamt zu entlasten. Es werden gefühlt stündlich Veränderungen zur Coronaschutz-Verordnung erlassen, zusätzliches Personal wird uns aber nicht geschickt.“ Das Bürgerbüro verzeichne zudem ein sehr hohes Aufkommen an Telefonanrufen zum Thema Corona, das zu kommunalen Angelegenheiten wie Fragen zu Gebührenbescheiden noch hinzukomme. „Da klingelt es pausenlos.“ Umfangreiche Corona-Infos, auch zum Bürgertelefon des Kreises (Rufnummer 0571/807-15999), finden sich im Internet auf www.minden-luebbecke.de.

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