59 Prozent der Adressen in Hüllhorst sind noch nicht mit der modernen Technik ausgestattet – Vermarktung
Glasfaser soll vorangetrieben werden

Hüllhorst -

Es soll weiter vorangehen in Sachen schnelles Internet in Hüllhorst.

Samstag, 06.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 15:00 Uhr
Ein Glasfaser-Kabel mit farbigen Einzelsträngen: In der Gemeinde Hüllhorst sind erst 41 Prozent mit dieser Technologie versorgt. Das soll sich ändern. So würde die Firma Deutsche Glasfaser so schnell wie möglich in der Wiehengemeinde ausbauen wollen.
Ein Glasfaser-Kabel mit farbigen Einzelsträngen: In der Gemeinde Hüllhorst sind erst 41 Prozent mit dieser Technologie versorgt. Das soll sich ändern. So würde die Firma Deutsche Glasfaser so schnell wie möglich in der Wiehengemeinde ausbauen wollen. Foto: dpa/Peter Kneffel

Zwei Unternehmen bekunden ihr Interesse, die derzeit noch nicht mit Glasfaser versorgten Gebiete in der Gemeinde Hüllhorst auszubauen: Greenfiber Netz & Management und Deutsche Glasfaser Wholesale. Der Gigabitkoordinator des Kreises Minden-Lübbecke, Enrico Nauen, referierte am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss zum Thema. Die beiden Firmen bieten unterschiedliche Lösungen an. Greenfiber hat ein Modell angeboten, bei welchem die Gründung einer Infrastrukturgesellschaft erforderlich ist. Deutsche Glasfaser hingegen würde eigenwirtschaftlich ausbauen, wobei ein Kooperationsvertrag geschlossen werden müsste. Nauen stellte in der Sitzung beide Modelle vor und zeigte Vor- und Nachteile auf. Möglichst in der Ratssitzung am 25. März soll nach Angaben der Verwaltung zum Breitbandausbau eine Entscheidung getroffen werden.

Enrico Nauen ist Gigabit-Koordinator des Kreises Minden-Lübbecke.

Enrico Nauen ist Gigabit-Koordinator des Kreises Minden-Lübbecke. Foto: Kathrin Kröger

41 Prozent der Adressen in Hüllhorst sind nach Angaben von Nauen mit einer Glasfaserleitung erschlossen, 59 Prozent (2411 Adressen) somit nicht. Die Mehrheit der Einwohner hat also keinen Zugang zu dieser Technologie. Die Infrastrukturgesellschaft als eine der beiden Problemlösungen würde laut Nauen volles Mitspracherecht für die Gemeinde bedeuten und könnte einen Vollausbau (kein Gebäude bleibt übrig) ermöglichen. Auf der Pro-Seite stünde zudem, dass die Kommune nicht nur durch die Gegenfinanzierung der Kredite (am Ende +-0) durch Pachteinnahmen profitiere, sondern zum Teil (49 bis 51 Prozent) auch die Infrastruktur besitze. Dieser Vermögenswert könne veräußert oder langfristig gehalten werden. Außerdem gebe es eine Sicherheit durch die Vorvermarktung. Sollte dies unwirtschaftlich sein, erfolge kein Ausbau. „Die Kommune kann dies aber überstimmen und mit Verlust trotzdem ausbauen.“ Nachteil sei, dass Hüllhorst für Kommunalkredite bürge. Greenfiber trage jedoch die Mindestpacht (Annuität).

Zweite Variante

Bei der zweiten Lösung, also einer Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Glasfaser, würden nach Angaben des Gigabit-Koordinators von den 2411 bisher nicht versorgten Adressen 1945 ausgebaut werden (47,6 Prozent). Somit bekämen 466 Adressen (11,4 Prozent) nach wie vor kein Breitband-Internet. Als Vorteile benannte Nauen, dass die Kommune keine Gelder aufbringen müsse, „ein wenig Mitsprache“ aber möglich sei, Bröderhausen fast vollständig abgedeckt sei und die Kommune nicht in der Verantwortung stehe.

Nachteil sei, dass immer noch Einzellagen übrig blieben. Damit die Vermarktung ein Erfolg werde und der Ausbau überhaupt stattfinden könne, empfiehlt Nauen der Gemeinde Hüllhorst, für die Glasfaser-Technologie an sich zu werben – „und nicht für die Tarife der Deutschen Glasfaser“. „Benötigt werden 40 Prozent Beteiligung über die Gesamtfläche“, so Nauen.

Tendenz Kooperation

Nach Nauens Vortrag kristallisierte sich bei den Ausschussmitgliedern eine Tendenz in Richtung Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Glasfaser heraus. Thomas Sieker (CDU) machte jedoch darauf aufmerksam, dass es in Tengern und Ahlsen schon schwierig gewesen sei, die Maßgabe von mindestens 40 Prozent Zustimmung, sprich Vorverträgen zu erreichen. Und er stellte die Frage in den Raum, wer besagte gut 400 Häuser je anschließen werde. „Die bleiben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf der Strecke.“ Allein in Bröder­hausen sind dies nach Einschätzung von Thomas Sieker etwa 25 Prozent. Nauen betonte, dass man für solche Häuser eine Förderung für den Ausbau beantragen könne, mit Eigenanteil der Kommune. Zudem zeige sich die Deutsche Glasfaser in puncto Bröder­hausen gesprächsbereit.

Tengerns Ortsvorsteher Karl-Heinz Kröger sagte, dass es ganz lange gedauert habe, bis die Nachfragequote von 40 Prozent erreicht worden sei. Mittlerweile sei man in dem Ortsteil bei etwa 60 Prozent Glasfaser-Anschluss. Bürgermeister Michael Kasche verwies auf Straßenpaten, Ortsvorsteher, alle Kommunalpolitiker, die daran mitwirken sollten, dass die notwendige Quote für die noch mit Glasfaser zu versorgende Fläche erreicht werde. Oberbauerschaft liege, soweit er wisse, bei fast 80 Prozent. „Das funktioniert aber nur mit Fleiß.“

Überzeugungsarbeit

Thomas Sieker gab zu bedenken, dass es schwierig sei, jemanden für Glasfaser zu gewinnen, wenn er bereits eine Bandbreite von 50 bis 100 Mbit/s im Download habe (Anm. d. Red.: als unterversorgter Haushalt gilt, wer eine Bandbreite von unter 30 Mbit/s hat). SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Picker meinte, dass speziell im Ortskern Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse. „Denen müssen wir sagen, seht dabei die gesamte Gemeinde.“ Der Bürgermeister verwies darauf, dass sich aber auch im Zentrumsbereich viele Probleme ergeben hätten – im Zuge von Home-Office und Home-Schooling.

Die erste Lösung mit dem potenziellen Partner Greenfiber birgt Unwägbarkeiten. „Dafür liegt mir keine Wirtschaftlichkeitsberechnung vor“, so Nauen. Wichtige Frage ist: Ab was für einer Ausbauquote würde sich diese Variante für Hüllhorst lohnen? „Das kann eine Gemeinde etliche Millionen kosten“, sagte der Fachmann und verwies auf die hohen Preise im Tiefbau zur Schaffung der Infrastruktur.

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