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Di., 23.08.2016

Hospizaktionswoche im Altkreis vom 27. August bis 1. September Offene Begegnung mit dem Tod

Sie möchten Raum geben für Fragen und Gedanken zum Thema »Sterben und Tod«: (von links) Silke Hülsmann, Sabine Wüppenhorst, Antje Rohlfing, Daniela Möller-Peck (Ambulantes Palliativ-Netz) und Bettina Dreyer (Hospiz-Initiative Espelkamp).

Sie möchten Raum geben für Fragen und Gedanken zum Thema »Sterben und Tod«: (von links) Silke Hülsmann, Sabine Wüppenhorst, Antje Rohlfing, Daniela Möller-Peck (Ambulantes Palliativ-Netz) und Bettina Dreyer (Hospiz-Initiative Espelkamp). Foto: Kathrin Kröger

Von Kathrin Kröger

Kreis Minden-Lübbecke (WB). Manchmal weiß man nicht, was man sagen soll. Wenn ein Mensch gestorben ist, beschleicht viele dieses Gefühl. Offen über das Thema »Tod« zu sprechen, und das bereits in guten Zeiten und in Gesundheit, dazu will die Hospizwoche auffordern. Die Hospizgruppen und Hospizinitiativen der Region laden vom 27. August bis 1. September ein.

Es kann jeden zu jeder Zeit treffen, ob Jung, ob Alt. »Der Tod gehört zum Leben« ist ein vielzitierter Satz, doch wie geht die Gesellschaft damit um? Die Veranstalter der Hospizwoche möchten Raum geben für die Fragen und Gedanken zum Thema »Sterben und Tod«.

Beim Start der Woche, dem PAN-Öffentlichkeitstag in der Lübbecker Innenstadt, stellt sich das Ambulante Palliativ-Netz vor, das im Kreis Minden-Lübbecke schwerstkranke und sterbende Menschen begleitet, die am Lebensende zu Hause sein möchten.

Aufmerksamkeit soll der Totentanz erzeugen

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 1000 Patienten von dem Team versorgt. Ansprechpartner aus den medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Bereichen freuen sich auf den persönlichen Kontakt und informieren über die Unterstützungsangebote.

Doch das Präsent-Sein beschränkt sich nicht auf Info-Stände. Aufmerksamkeit wird mit Sicherheit der Totentanz der PAN-Akteure erzeugen. Ganz in Schwarz gekleidet und maskiert, soll dieser eindrücklich darstellen, wie der Tod den Menschen immer wieder ins Gesicht schaut, an uns vorbeizieht, uns gebannt verharren und die Herzen trommeln lässt.

Die Masken sind an den mexikanischen »dia de los muertos«, den Tag der Toten, angelehnt. In dem spanischsprachigen Land gibt es einen ganz anderen Umgang mit dem Ende des Lebens. Während in den westlichen Regionen der Tod zum Schlimmsten und Traurigsten gehört, was einem passieren kann, begegnen die Mexikaner ihm mit Ironie, feiern ihn.

Mutmachworkshop

Natürlich sind die Mentalität, die Traditionen, Riten und Anschauungen nicht übertragbar. »Jede Kultur, jeder Glaube hat natürlich eine andere Jenseitsvorstellung«, sagt Antje Rohlfing, Leiterin des Hospiz’ Veritas in Lübbecke.

Doch vielleicht lässt sich ein bisschen von solchen Völkern lernen. Aufeinander zuzugehen und nicht die Augen zu verschließen, wenn Menschen trauern zum Beispiel. Je mehr man darüber weiß, desto mehr schwindet die Hilflosigkeit.

»Leben – begleiten bis zuletzt« wurde als Motto für die nunmehr zweite Hospizwoche gewählt. Um möglichst viele Menschen mit der Vielfalt, die das Thema »Tod« umfasst, zu erreichen, ist sie dezentral gestaltet. Im LifeHouse in Stemwede gibt es einen Mutmachworkshop.

Wie Patientenverfügung umsetzen?

Dort möchte Sabine Wüppenhorst vermitteln, wie man Menschen, die einen Verlust erlitten haben, begegnen kann. »Ich möchte einfach mit den Leuten ins Gespräch kommen, das soll keine Verhaltenstherapie sein. Der Workshop ist kein Ort für Trauernde, sondern für die, die Trost spenden möchten.«

Ein weiteres Angebot ist ein Vortrag über die Umsetzung von Patientenverfügungen. Antje Rohlfing: »Es geht darum, wie ich am Lebensende versorgt sein möchte. Der Patientenwille muss eruiert werden und das wiederkehrend.« Dabei greift es zu kurz, lediglich niederzuschreiben, ob lebensverlängernde Maßnahmen gewünscht sind.

Das so genannte Advance Care Planning (ACP, zu Deutsch »vorausschauende Versorgungsplanung«) wird erläutert. Es ist ein Konzept, das in den USA, Australien, Neuseeland und Großbritannien bereits fest in regionalen und nationalen Strukturen des Gesundheitswesens etabliert ist. »Dieses Konzept spricht nicht nur den Einzelfall, sondern auch die Strukturebene an«, sagt Rohlfing.

Filmvorführung zum Abschluss der Woche

Und Silke Hülsmann, Koordinatorin beim Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lemförde, betont: »Jeder Bürger hat ein gesetzliches Recht auf palliative Versorgung. Das wissen nur die meisten nicht.«

Zum Abschluss der Aktionswoche wird ein aktueller Film gezeigt. Im Kino Lichtburg in Quernheim wird »Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit« über die Leinwand flimmern. Mr. May arbeitet als »Funeral Officer« beim Bestattungsamt und ist dafür zuständig, bei Personen, die in Einsamkeit gestorben sind, die nächsten Verwandten und Freunde ausfindig zu machen – zur Not trauert er selbst mit.

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