Sa., 06.01.2018

Aktionskomitee freut sich über große Gelege und viele Jungvögel »Weltrekordverdächtiges« Storchenjahr

Ein Weißstorch-Junges 2017 in Stockhausen: Im Kreis Minden-Lübbecke haben sich die Tiere im vergangenen Jahr wieder besonders wohl gefühlt. 65 Brutpaaren (2016: 55 Brutpaare) gelang die Aufzucht von 135 Jungen (2016: 95 Jungvögel).

Ein Weißstorch-Junges 2017 in Stockhausen: Im Kreis Minden-Lübbecke haben sich die Tiere im vergangenen Jahr wieder besonders wohl gefühlt. 65 Brutpaaren (2016: 55 Brutpaare) gelang die Aufzucht von 135 Jungen (2016: 95 Jungvögel). Foto: Arndt Hoppe

Von Friederike Niemeyer

Lübbecke/Petershagen (WB). 2017 ist erneut ein Rekordjahr für die Störche im Kreis Minden-Lübbecke. 65 Brutpaaren gelang die Aufzucht von 135 Jungen. Im Vorjahr waren es 55 Brutpaare und 95 Jungvögel. Doch was »Storchenvater« Dr. Dr. Alfons Bense besonders freut, sind nicht die bloßen Zahlen, sondern die Qualität der Veränderungen.

»Die statistischen Parameter lassen keinen Zweifel daran, dass sich die positive Entwicklung noch fortsetzen kann«, schreibt Alfons Bense in seinem Jahresbericht des Aktionskomitees »Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke«. Seit gut 30 Jahren bemühen sich die Storchenfreunde, den markanten Vögeln ausreichend Nist- und Nahrungsangebot zu schaffen und die Bestandsentwicklung zu beobachten. Auch wenn sich auch andernorts in NRW die Weißstörche gut entwickelten, so Bense, bleibe Minden-Lübbecke doch der Storchenkreis in NRW und Petershagen mit 23 Paaren die Storchenhauptstadt.

Nasskalter Mai senkt Erwartungen

Im Frühjahr war die Erwartung der Ehrenamtlichen noch nicht so groß, hatte es doch in der wichtigen Nestlingszeit Mai und Juni viele nasskalte Tage gegeben, die in kurzer Zeit viele Opfer forderten. Doch direkt anschließendes warmes Wetter führte zu dennoch gutem Bruterfolg: 2,1 Jungtiere pro Horstpaar überlebten. Eine solch gute Quote hatte es zuletzt 2001 gegeben bei damals lediglich acht brütenden Paaren.

2017 hatte weitere Besonderheiten. So gab es erstmals gleich auf zwei Horsten die seltene Fünfer-Brut, und zwar in Hille-Nordhemmern und Nettelstedt (Aspelmeier I). Dazu kam noch eine »unechte« Fünfer-Brut in Petershagen-Friedewalde. Dort gesellte sich zu den vier Jungvögeln des Brutpaares noch ein fremdes Jungtier, das dort blieb: Adoption bei Störchen?

Riesengelege in Hille

Im Horst an der alten Kornbrennerei in Hille fanden die Storchenfreunde erneut ein Riesengelege: aus acht Eiern schlüpften fünf Küken, von denen drei ausfliegen konnten. »Das Hiller Weibchen hat damit in Folge zweimal sieben, einmal neun und dreimal acht Eier gelegt«, staunt Dr. Dr. Alfons Bense: »unglaublich und absolut weltrekordverdächtig«.

Im Altkreis Lübbecke breiten sich die Störche langsam aber stetig aus, konstatiert der Storchenexperte. So wurden in Lübbecke, Espelkamp und Stemwede noch je ein weiterer Horst besetzt (Grappensteiner Damm, Isenstedt und Niedermehnen). Dagegen flogen in Preußisch Oldendorf nur noch in Hedem und in Hüllhorst nur in Tengern Jungvögel aus. In Rahden gab es genausowenig eine gelungene Brut wie in Bad Oeynhausen.

Schwedischer Storch angesiedelt

Bemerkenswert ist auch die erste Ansiedlung eines schwedischen Storchs im Kreis. Die Störchin zog mit deutschem Partner in Stemwede-Niedermehnen drei Junge auf.

Da nun eine recht große Zahl an Brutpaaren in einzelnen Dörfern nistet, ergeben sich für die Aktiven des Komitees auch interessante Studien zum Sozialleben. So waren in Petershagen-Jössen blutige Kämpfe zu beobachten, aber auch neue »Nachbarschaft« von früher verpaarten Vögeln.

Große Sorge hatten sich die Storchenfreunde in den Vorjahren wegen Kunststoffresten gemacht, die mit Nistmaterial in die Horste eingeschleppt und dann geschluckt wurden. In diesem Sommer waren die Horste auffällig sauber, stellte Bense fest. »Gummibänder, Silikonstücke, Plastiktüten und landwirtschaftliches Bindegarn hatten jahrelang insbesondere die Küken und Heranwachsenden gefährdet.« Dieses Problem sei nun sehr viel kleiner geworden. Bense sieht als Grund eine erhöhte Sensibilität der Landwirte und veränderte Behandlung des Materials auf der Deponie Pohlsche Heide, wo nach wie vor fast alle heimischen Störche zeitweise Nahrung suchen.

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