Do., 10.05.2018

Lübbecker Schüler diskutieren mit Politikern Europa kann auchSpaß machen

Innenansichten der EU: Achim Post (links) bei der Podiumsdiskussion im Wittekind-Gymnasium.

Innenansichten der EU: Achim Post (links) bei der Podiumsdiskussion im Wittekind-Gymnasium. Foto: Kai Wessel

Von Friederike Niemeyer  und Kai Wessel

Lübbecke (WB). Europa – das ist mehr als Brexit, Finanzkrise und krumme Bananen. Am Europatag 9. Mai haben Wittekind-Gymnasium und Berufskolleg mit großem Engagement gezeigt, was die Stärken Europas sind.

Reisefreiheit, Austausch mit jungen Menschen aus anderen Ländern und berufliche Möglichkeiten – das sind die Seiten der EU, die nah am Leben von Jan Erich und Daniel Tramer sind. Die Berufskollegschüler berichteten von ihren Englanderfahrungen mit Hilfe von Austauschprogramm und Auslandspraktikum. »Die EU ist auch deshalb ein gutes Projekt, weil sie solche Erfahrungen ermöglicht«, sagte Jan Erich.

Mehr Geld für Austauschprogramme

Dass die europäischen Fördermittel für Austauschprogramme aufgestockt werden, dafür wollen sich sowohl Achim Post (SPD) als auch Frank Schäffler (FDP) stark machen. Die beiden Bundestagsabgeordneten sowie der Rahdener Unternehmer Kai Büntemeyer (Kolbus) und Jugendoffizier Sebastian Linke von der Bundeswehr beantworteten die Fragen von Lehrer Moritz Ringhoff.

»Ich bin überzeugter Europäer«, sagte Büntemeyer und hielt seinen Reisepass in die Höhe. »Ein starkes Europa spricht mit einer Stimme und findet dann auch in der Welt Gehör.« Achim Post stimmte zu: Bei allen Unterschieden innerhalb Europas sei entscheidend, in den wichtigen Punkten zusammenzustehen. Die EU sei ein großes Erfolgsmodell. »Auch hier in Lübbecke verdanken wir unseren Wohlstand vor allem der EU«, sagte Post.

Büntemeyer spricht über Bananen

Kai Büntemeyer lobte die für die Exportwirtschaft wichtigen Normierungen. »Es ist leicht, sich über die angeblich von Brüssel genormten krummen Bananen lustig zu machen, aber solche Normen sind wichtig. Sonst lässt sich kein wirtschaftlicher Austausch machen.« Durch den Brexit werde die Wirtschaft vor allem in Großbritannien leiden und der Nordirland-Konflikt möglicherweise wieder aufflammen. Schülerin Sabina fragte nach einem Sonderweg für Schottland. »Sehr unwahrscheinlich«, antwortete Achim Post. Die EU müsste eine Aufnahme einstimmig beschließen.

Schäffler fordert, Zölle abzubauen

Frank Schäffler wollte, dass Europa sich darauf besinnt, dass es durch Binnenmarkt und Reisefreiheit stark geworden sei. »Von offenen Märkten profitieren alle«, sagte er. Beim aktuellen Streit um Zölle müsse sich die EU kritisch hinterfragen. Schäffler: »Als Antwort auf Trump plädiere ich dafür, unsere Zölle abzubauen.«

»Für die Bundeswehr bedeutet Europa Gemeinschaft, aus der Stärke erwächst«, sagte Jugendoffizier Sebastian Linke. Mit Blick auf die Interessen der baltischen Mitgliedsstaaten sei es wichtig, mit Russland einen offenen Dialog zu führen (»Wir sollten russische Beobachter wieder zu Manövern einladen«), gleichzeitig aber auch klar an der Seite etwa von Estland zu stehen.

Bei einer Rallye stellten die Schüler des Berufskollegs unter Beweis, was sie alles drauf haben an Europa-Wissen. Keinen einzigen Fehler machte das Team »Automobilkaufleute 18« und wurde mit Europa-Shirts belohnt.

Wittekind-Gymnasium will »Europa-Schule« werden

Das Wittekind-Gymnasium will im nächsten Jahr den Status Europaschule anstreben. Schon jetzt widmeten sich Schüler und Lehrer intensiv dem Thema. Lehrerin Silke Horst: »Ich bin überrascht, wie viel Vorwissen bei den Schülern da war.« Brexit, Flüchtlinge und Finanzen waren die Themen, die am meisten interessierten.

Rede und Antwort standen (wie am Berufskolleg) SPD-Politiker Achim Post und der Hüllhorster Thorsten Augustin, Ministerialdirigent in Brüssel. Er kündigte aus erster Hand an: »Der Fluss der Geldmittel innerhalb der EU soll im nächsten Haushalt an Rechtskriterien gebunden sein.« Heißt: Für Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen, soll es dann weniger Fördergelder geben.

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