Sa., 23.06.2018

Nach massiven Protesten: MKK-Vorstand zieht umstrittenes Medizin-Konzept zurück »Der Prozess ist gescheitert«

Auf der Pressekonferenz: Dr. Olaf Bornemeier (links), Vorstandschef der Mühlenkreiskliniken, erklärt, warum die Pläne zur Umstrukturierung gestoppt wurden. Medizinvorstand Dr. Kristin Drechsler, die das Konzept mit entwickelt hat, und Landrat Dr. Ralf Niermann hören aufmerksam zu.

Auf der Pressekonferenz: Dr. Olaf Bornemeier (links), Vorstandschef der Mühlenkreiskliniken, erklärt, warum die Pläne zur Umstrukturierung gestoppt wurden. Medizinvorstand Dr. Kristin Drechsler, die das Konzept mit entwickelt hat, und Landrat Dr. Ralf Niermann hören aufmerksam zu. Foto: Friederike Niemeyer

Von Friederike Niemeyer

Minden (WB). Die umstrittenen Pläne zur Umstrukturierung der Mühlenkreiskliniken (MKK) sind vorerst vom Tisch. Der Vorstand hat am Freitagnachmittag den Entscheidungsprozess über das sogenannte Medizinkonzept für beendet erklärt. Jetzt soll nachgedacht und ein neuer Anlauf genommen werden, sagte Vorstandschef Olaf Bornemeier.

Wie berichtet, war erst am Montag ein zehntägiges Moratorium für die politische Diskussion verkündet worden. Jetzt nun der komplette Stopp. Grund für diese Entscheidung sei die derzeitige Form der öffentlichen Diskussion, erläuterte Bornemeier in einer Pressekonferenz in Minden. »Diese Diskussion hat Ausmaße erreicht, die uns annehmen lassen, dass das Unternehmen Schaden nehmen kann.« So sehen sich die Mühlenkreiskliniken Vorwürfen ausgesetzt, das Hauptinteresse des kreiseigenen Konzerns sei die Gewinnmaximierung. »Das ist nicht so«, sagte Bornemeier. »Wir argumentieren immer qualitativ.«

Mahnwachen und Anrufe

Es gebe Kritik an einer nicht transparenten Kommunikation. Auch das wies Bornemeier zurück. Schließlich gebe es verbale Angriffe gegen Befürworter des Konzepts, Protestgruppen würden mehrere Aktivitäten etwa in Form von Mahnwachen planen und es gebe Anrufe, ob man beispielsweise in Bad Oeynhausen überhaupt entbinden könne. »Das hat uns zu dem Schluss gebracht, dass jetzt ein geeigneter Zeitpunkt ist, den Prozess zu beenden. Er ist gescheitert«, sagte Bornemeier. Er hoffe, dass das Vertrauen in die medizinischen und pflegerischen Leistungen nicht beschädigt sei: »Das hätten die Mitarbeiter nicht verdient.«

Schaden vom Unternehmen abwenden

Landrat Ralf Niermann begrüßte in dem gemeinsamen Pressegespräch mit dem MKK-Vorstand die Entscheidung, die mit ihm abgesprochen worden sei. Der Verwaltungsrat, das politische Aufsichtsgremium der Kliniken, sei informiert und habe dem Vorstand ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen, sagte Niermann, der auch Verwaltungsratsvorsitzender ist. »Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, Schaden vom Unternehmen und seinen Beschäftigten abzuwenden«, sagte er. »Die derzeitige öffentliche Diskussion mit einer aus meiner Sicht sehr verständlichen hohen Emotionalität lässt eine sachliche Analyse der Vorschläge des Vorstandes nicht zu.« In der jetzigen Situation sei dies dem Verwaltungsrat nicht mehr zuzumuten.

Gleichzeitig bedauerte es Niermann, dass der Vorschlag des Vorstandes, um den es sich bei dem Medizinkonzept ja handele, gar nicht mehr von der Kreispolitik habe diskutiert werden können, die ja erst am Montag erstmals eingehend informiert worden sei.

Drechsler: Veränderungen notwendig

Sowohl der Landrat als auch der MKK-Vorstand betonten, dass die Kliniken sich jetzt, in guten Zeiten, neu aufstellen müssten, um die absehbaren Veränderungen im Gesundheitswesen überstehen zu können und nicht hinterherlaufen zu müssen. Medizinvorstand Kristin Drechsler sagte: »Am Status Quo kann nicht festgehalten werden. Die Notwendigkeit zur Veränderung bleibt.« Und Olaf Bornemeier ergänzte, dass das wohl eines der Probleme gewesen sei: Es gebe derzeit keinen wirtschaftlichen Druck. Nichtsdestotrotz würden Probleme wie Fachkräftemangel oder demografischer Wandel immer mehr greifen.

Neues Konzept nach der Sommerpause

»Nach dem Spiel ist vor dem Spiel«, zitierte Landrat Ralf Niermann Sepp Herberger. Nach der Sommerpause, die zum Innehalten genutzt werden solle, werde ein neues Konzept erarbeitet. Niermann will sich, wie er formulierte, dafür einsetzen, »dass wir weiterhin drei Geburtskliniken sowie einen somatischen Standort in Rahden haben« und dass es einen gut strukturierten Prozess gebe, in dem auch die Interessen der Bürger aus allen Städten und Gemeinden in die Diskussion eingebracht werden können. Am Ende solle ein Ergebnis stehen, bei dem sich »nicht uneingeschränkt der Standortlobbyismus durchsetzt, nicht uneingeschränkt Gruppen- und Einzelinteressen durchsetzen, parteipolitische Interessen keine zentrale Rolle spielen dürfen«, so Niermann.

Bornemeier sieht Prämissen

Den Erhalt der somatischen Abteilungen in Rahden, also von Chirurgie, Innerer und Notaufnahme, sowie der Geburtskliniken in Lübbecke und Bad Oeynhausen nannte auch Vorstandsvorsitzender Olaf Bornemeier als »Prämisse«, die mit aufgegriffen werden sollte. Woraufhin Niermann betonte, er mache dem Vorstand keine Zielvorgaben, sondern äußere seine Wünsche, da er als Landrat an das Wohl aller im Mühlenkreis denke: »Denn nur mit einem solchen Ergebnis können wir gemeinsam die Zukunftsfähigkeit unserer MKK in öffentlicher Trägerschaft und eine gute stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung unserer Bürger in der Fläche langfristig sichern.«

Konzept soll nicht in Papierkorb

Keinen Zweifel ließen Vorstand und Landrat daran, dass das Gutachten, das dem Medizinkonzept zugrunde liege, nicht in den Papierkorb wandere. Die Kosten dafür seien aber Interna, hieß es. Nach wie vor sei der Vorstand von dem Inhalt des Konzepts überzeugt, habe es aber immer als Diskussionsgrundlage verstanden. Nun will der Vorstand Veränderungen erarbeiten, die erneut in die Gremien gehen werden. Einige Vorschläge seien in der Diskussion ja genannt worden: etwa eine Geriatrie in Rahden zu etablieren oder die Geburtshilfe in Bad Oeynhausen zu stärken.

Niermann: »Kritik wenig hilfreich«

Eine Veränderung der Kommunikationsstruktur durch Bildung eines Beirates oder Einbeziehung der Standort-Bürgermeister hält der MKK-Vorstand nicht für notwendig. Bornemeier: »Die Kommunikation intern und extern halten wir nach wie vor für richtig.«

Weder Landrat noch MKK-Vorstand erwarten, dass die Diskussion und auch Proteste nun aufhören werden. Ralf Niermann bekannte, dass er die Art und Weise der bisherigen Kritik oft als wenig hilfreich gesehen habe, etwa auch wie der Zusammenhalt im Kreis bewusst untergraben worden sei.

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