Sa., 14.07.2018

Bürgermeister eröffnet »Stadtlesen« – Bruno Preisendörfer unterhält das Publikum »Ein gutes Buch ist das Tor zur Welt«

Bruno Preisendörfer (links) liest aus seinem Buch »Die Verwandlung der Dinge – Eine Zeitreise von 1950 bis morgen« und gibt Einblicke in die Hintergründe seiner Recherchen. Moderator Thomas von Zütphen begleitet den Autor durch seine Lesung.

Bruno Preisendörfer (links) liest aus seinem Buch »Die Verwandlung der Dinge – Eine Zeitreise von 1950 bis morgen« und gibt Einblicke in die Hintergründe seiner Recherchen. Moderator Thomas von Zütphen begleitet den Autor durch seine Lesung. Foto: Eva Rahe

Von Eva Rahe

Lübbecke(WB). »Ein gutes Buch ist das Tor zur Welt. Es lässt den Verstand auf Reisen gehen.« Mit diesen Worten hat Bürgermeister Frank Haberbosch die Literaturveranstaltung »Stadtlesen« am Donnerstag offiziell eröffnet – und das Wort einem prominenten und unterhaltsamem Gast überlassen.

Bruno Preisendörfer (60), mehrfach ausgezeichneter Autor von Belletristik und Sachbüchern (»Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit«), verlieh der Eröffnungsfeier den richtigen Glanz. Er las Passagen vor aus seinem neuesten Werk »Die Verwandlung der Dinge, Eine Zeitreise von 1950 bis morgen«.

Reise durch technische Veränderungen

Als Preisendörfer mit seiner Reise durch die Welt der technischen Veränderungen begann, hatte es sich das Publikum auf dem Marktplatz bereits gemütlich eingerichtet. Schon am Donnerstag, als TV-Moderator Ralph Caspers zu Gast war, glich der Platz dank Sitzkissen und Hängematten einem Lesewohnzimmer.

Preisendörfer startete mit einem Vergleich zwischen Schimpansen und Menschen. Eine der wesentlichen Unterscheidungen sei, dass die Hand des Menschen über Daumen verfüge, die einzigartig seien. Sie ermöglichten es dem Menschen, »doppeldäumig Botschaften ins Smartphone zu tippen«, so Preisendörfer. Was aber nicht bedeuten würde, dass ältere Menschen, die nicht beidhändig »simsen« könnten, den Primaten näher stünden als jüngere, betonte der Autor.

Wandel der Medien

Wie schnell sich ein Medium verändern kann, machte Bruno Preisendörfer an einem ähnlichen Beispiel deutlich. In einem Experiment sollten »User« das System Windows 95 hochfahren. Diejenigen allerdings, die erst nach der Markteinführung des Computersystems geboren wurden, scheiterten reihenweise an der Aufgabe, das System überhaupt in Gang zu bringen. »Sie betasteten den Bildschirm von allen Seiten, konnten aber den Anmachknopf nicht finden«, erläuterte Preisendörfer. »Dass der Rechner ein externes Motherboard hatte, also einen Kasten unterm Tisch, darauf kamen sie nicht.«

In beschwingter Art wies Preisendörfer auf kulturelle Probleme hin, die mit dem Altern technischer Errungenschaften einhergehen, so wie die Frage eines Elfjährigen an seine Großeltern: »Wie seid ihr eigentlich ins Internet gekommen, wenn es noch keine Computer gab?«

Sputnik-Schock

Moderiert wurde die Lesung von Thomas von Zütphen. Es ergab sich ein unterhaltsamer Dialog. So ging es zum Beispiel um die Folgen des sogenannten Sputnik-Schocks. Als die Russen den ersten Satelliten ins Weltall schossen, reagierte der Westen mit einer Bildungsoffensive, die wiederum Bruno Preisendörfer dazu ermächtigt habe, als Arbeiterkind an einem elitären Internat unterrichtet zu werden. Der technische Wandel wurde in eine lockere kulturgeschichtliche Verpackung gehüllt, so dass es für das Publikum viel zu schmunzeln gab.

Bürgermeister Frank Haberbosch sagte, ihm sei es eine Herzensangelegenheit gewesen, das Lese-Event zu eröffnen. »Wo ein Mensch lesen und schreiben darf, was er möchte, kann er frei sein. Deshalb muss dieses Feuer auch an die Kinder weitergereicht werden«, erklärte er. Der Bürgermeister bedankte sich bei allen Beteiligten, vor allem aber bei Swen Binner vom Rotary Club, der die Idee hatte, »Stadtlesen« nach Lübbecke zu bringen. Nur so sei es möglich gewesen, den Marktplatz vier Tage lang in ein Zentrum der Bücher zu verwandeln und ein kulturelles Glanzlicht in die Region zu bringen.

Programm bis Sonntagabend

Noch bis Sonntagabend bleibt das Lese-Wohnzimmer auf dem Marktplatz. Neben dem freien Lesen gibt es weitere Glanzlichter, wie zum Beispiel das Schaukochen am Samstag ab 11 Uhr mit dem Landfrauenservice. Ein Schriftkunst-Workshop (Kalligraphie) ab 14 Uhr in der Mediothek schließt sich an, ehe um 17 Uhr eine Lesung mit der bekannten Schriftstellerin Ellin Carsta folgt. Sie liest Passagen aus ihrem Roman »Die ferne Hoffnung«. Ellin Carsta hat sich mit zahlreichen Veröffentlichungen im historischen Genre einen Namen gemacht, darunter Kurzgeschichten, Anthologien und Romane wie ihre Bestsellerreihe um die »heimliche Heilerin«. Am Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr stellen sich regionale Autoren vor.

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