Sa., 15.09.2018

Lübbeckes Meteorologe Friedrich Föst zieht seine Sommerbilanz Noch kein Landregen in Sicht

Die Blätter fallen schon jetzt: Ursache ist die lange Trockenheit des wärmsten Sommers aller Zeiten, sagt Friedrich Föst.

Die Blätter fallen schon jetzt: Ursache ist die lange Trockenheit des wärmsten Sommers aller Zeiten, sagt Friedrich Föst. Foto: Kai Wessel

Lübbecke (WB/wk). Vor wenigen Tagen ist der meteorologische Sommer zu Ende gegangen. Es war ein Sommer, den der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst wegen der schier endlosen Trockenheit als »beispiellos« bezeichnet. Nächste Woche ist Herbstanfang. Wird es jetzt nass, kalt und windig?

»Das lässt sich nicht so einfach voraussagen«, erklärt Föst. Weil sich die Temperaturunterschiede zwischen Pol und Äquator im Herbst und Winter nun aber verstärken würden, dürfte die Zeit der stabilen Hochdrucklagen vorbei sein. »Es wird aber noch lange dauern, bis das gewaltige Niederschlagsdefizit von mehreren hundert Litern pro Quadratmeter abgebaut ist«, sagt Föst.

Es gibt keine Bauernregel

Dazu müsste sich eine mehrere wochenlange Regenperiode mit gleichmäßigem Landregen einstellen. »Ob sich solch eine Wetterlage im Herbst oder Winter einstellen wird, ist noch völlig ungewiss.« Nach ähnlich trocken-warmen Sommern seien in nahezu gleicher Anzahl sowohl feucht-milde als auch kalte Winter gefolgt. »Dieses Wissen hatten schon unsere Vorfahren. Es findet sich keine Bauernregel, die vom Sommer auf den folgenden Winter schließen lässt«, sagt der Meteorologe.

Nur der Januar war zu nass

Nach Fösts Aufzeichnungen war der letzte Monat mit dem Prädikat »zu nass« der Januar. »Alle nachfolgenden Monate waren zum Teil deutlich zu trocken. Für die Monate Juli und August findet der Meteorologe nur ein Wort: Dürre. Sie entsteht, so Föst, bei »Standwetter«, einer Wetterlage, die über Wochen-, ja Monate andauert. »In diesem Falle war es beispiellos langer Hochdruckeinfluss, der von Skandinavien bis nach Mitteleuropa reichte.«

Tropfen auf den heißen Stein

In Teilen des Mühlenkreises fielen nicht einmal 25 Prozent des sonst üblichen Niederschlags. Bei den wenigen Tagen mit Niederschlag handelte es sich fast ausschließlich um Schauer und Gewitter, die eher lokal auftraten und somit den Niederschlag »ungerecht« verteilten. »Aber selbst dort, wo die Kerne der Gewitterschauer lang zogen und vorübergehend auch mal für Platzregen sorgten, gab es keine durchgreifende Linderung, denn der Niederschlag konnte in den betonharten Boden kaum eindringen und floss oberflächlich ab.«

Noch nie war ein Sommer so warm

Da in sommerlichen Hochdruckgebieten die Sonne scheint, gab es auch in Sachen Temperatur und Sonnenscheindauer Rekordwerte. »Noch nie war ein Sommer so warm wie 2018«, sagt Föst. Zwar gäbe es keinen neuen absoluten Temperaturrekord (er datiert aus dem August 2003 mit 39.9 Grad in Löhne), wohl aber einen neuen Rekord bei der Anzahl der Sommertage (Tage mit mehr als 25 Grad). An den Wetterstationen in Lübbecke und Rahden gab es 70 beziehungsweise 77 Sommertage, weit mehr als jemals zuvor. Bei der Sonnenscheindauer (730 Stunden) wurde die Werte aus den Jahren 1959 und 1976 knapp verpasst.

Klimawandel: Jetstream wird langsamer

Als Ursache für das Extremwetter vermuten Föst und andere Wetterexperten den so genannten Jetstream, ein Starkwindband in den oberen Regionen der Wetterschicht. »Er ist durch den fortschreitenden Klimawandel langsamer geworden.« Im Normalfall würde der Jetstream zonal von West nach Ost wehen und in unseren Breiten dafür sorgen, dass Hoch- und Tiefdruckgebiete in rascher Folge über uns hinwegziehen. »Durch die Verlangsamung des Jetstreams neigt dieses Windband mehr und mehr dazu, sich wie ein ausgeleiertes Gummiband in Nord-Süd-Ausrichtung um die Nordhalbkugel zu legen. Das führt zu recht eingefahrenen Wettermustern wie in diesem Dürre-Sommer geschehen.«

Starkregen weiter möglich

Dieses »Standwetter« könne aber auch jederzeit ins Gegenteil umschlagen, sagt Föst und erinnert an den Sommer 2017 und den Frühsommer 2016. Hier war es über einen langen Zeitraum außergewöhnlich nass und die Landwirtschaft hatte mit Starkregen-Ereignissen zu kämpfen. So eine Wetterlage sei auch in den kommenden Jahren nicht auszuschließen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6050660?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F