Mo., 14.01.2019

»Der Greis ist heiß«: Komödienstadl spielt vor ausverkauftem Haus Sehr bayrisch, selten giftig

Heimleiterin Andrea (Bettina Redlich) bleibt nichts erspart: Da gönnt sie sich mal eine Auszeit im Heubad und findet prompt eine Schlange.

Heimleiterin Andrea (Bettina Redlich) bleibt nichts erspart: Da gönnt sie sich mal eine Auszeit im Heubad und findet prompt eine Schlange. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Lübbecke (WB). Er zieht noch immer: Der traditionsreiche Komödienstadl des Bayerischen Rundfunks hat am Samstagabend erstmals ein Gastspiel in Lübbecke gegeben. Vor ausverkauftem Haus war in der Stadthalle das Stück »Der Greis ist heiß« zu erleben – eine weiß-blaue Geschichte mit viel Herzschmerz und ein bisschen Dialekt.

Seit 1959, damals mit »Der zerbrochene Krug«, erfreut der Komödienstadl ein treues Publikum mit Stücken voller Volkstümlichkeit. Wo einst Erni Singerl und Gustl Bayrhammer glänzten, sorgt noch heute bayrische Theater- und Fernsehprominenz für zünftige Lacher.

Davon hatte die Komödie »Der Greis ist heiß« von Cornelia Willinger auch einige zu bieten. Die Geschichte spielt im Altenheim »Abendrot«. Es droht der Besuch des Bischofs. Heimleiterin Andrea versucht, ihre Schützlinge auf Linie zu bringen. Das freilich misslingt, weil die Heimbewohner »ihr eigenes Packerl« zu tragen haben. Unter ihnen ist die übel gelaunte Elisabeth. Sie hat genug von ihrem Gatten Heinrich, einem passionierten (Schürzen-) Jäger.

Schüttelreime mit Almbauer Wastl

Bauer Wastl, fast ein Abbild des Alm-Öhis aus »Heidi«, hat es ebenfalls nicht leicht. Er vermisst seine Alm, ist des Lebens überdrüssig und bringt die Hausordnung mit Heubädern, Kühen und Blindschleichen durcheinander. Trost findet der Almbauer bei Ex-Schlangentänzerin Silvia. Bei ihr kommt Wastl gehörig ins Reimen: »Verliert der Bauer seine Haare, kommt er in die Wechseljahre.« Noch lauter fällt das Gelächter in der Stadthalle hier aus: »Fällt im Stall die Heizung aus, kommt die Milch in Würfeln raus.«

Für die volle Punktzahl kam der Schwank aus dem Freistaat trotzdem nicht in Frage. Das lag keinesfalls am Spiel des Ensembles. Das Publikum hatte zwar so seine liebe Müh’, den bayrisch-hochdeutschen Mix der Münchnerin Maria Peschek (in der Rolle der Schlangentänzerin) zu verstehen, doch an Schauspielkunst fehlte es nicht. Einfach köstlich, wie Heide Ackermann die Rolle der vom Gatten gefrusteten Elisabeth interpretierte. Und Bettina Redlich gab glaubhaft die entnervte Heimleiterin, die nicht nur mit den Bewohnern, sondern auch privat viel Kummer hat: »Mein Mann ist weg, mit meinem Hund habe ich nur noch telefonischen Kontakt.«

Vorlage lässt Wünsche offen

Nein, das Spiel war gut, doch die Vorlage ließ Wünsche offen. Dabei hätte das Reizthema Altenheim weitaus mehr zugelassen, als ein paar amouröse Verwicklungen, ein paar flotte Sprüche und die Geschichte eines verliebten Pflegers, der Meister im Fingerhakeln ist. Dass der lang erwartete Bischof (Philip Kern) nur einen äußerst kurzen und stummen Auftritt hatte, um sich danach wieder hinter die Bühne zu verabschieden, erschloss sich überhaupt nicht. Stattdessen steuerte »Der Greis ist heiß« auf ein Finale zu, das altbacken und etwas verstaubt daher kam. Das passte ins Bild einer Inszenierung, der es über weite Strecken an der Fertigkeit fehlte, aus Bekanntem Unbekanntes oder gar Überraschendes zu komponieren.

Das Lübbecker Publikum honorierte das Gastspiel des Komödienstadels dennoch mit einem sehr freundlichen Applaus.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6320396?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F