Sa., 26.01.2019

Martin Schulz spricht vor 150 Besuchern beim Europa-Verein »Da muss ich hin!«

Einmarsch des Ehrengastes: Eskortier vom Vereinsvorsitzenden Gerd Niemeyer (rechts) geht Europapolitiker Martin Schulz zum Rednerpult. 150 Stockhauser, Vereinsmitglieder und Interessierte wollten Schulz’ Gedanken zu Europa hören.

Einmarsch des Ehrengastes: Eskortier vom Vereinsvorsitzenden Gerd Niemeyer (rechts) geht Europapolitiker Martin Schulz zum Rednerpult. 150 Stockhauser, Vereinsmitglieder und Interessierte wollten Schulz’ Gedanken zu Europa hören. Foto: Kai Wessel

Von Friederike Niemeyer

Lübbecke (WB). Martin Schulz, einer der bekanntesten Europapolitiker überhaupt, ist Freitagnachmittag in Stockhausen zu Gast gewesen. 150 Besucher ließen sich von seiner tiefen persönlichen Begeisterung für eine echte Wertegemeinschaft in den Bann ziehen.

Elmar Brok (CDU) bei der Auftaktveranstaltung vor einem Jahr, jetzt Martin Schulz (SPD) – an profilierten Rednern mangelt es dem Verein Stockhausen für Europa wahrlich nicht. Der heimische Bundestagsabgeordnete Achim Schulz hatte seinem Parteifreund von der Europa-Begeisterung in Stockhausen erzählt. Seine knappe Antwort: »Da muss ich hin.«

Bewegung von unten

Vorsitzender Gerd H. Niemeyer freute sich über den Zuspruch auch zu dieser Veranstaltung und berichtete schmunzelnd, dass es inzwischen jenseits der Landesgrenze so etwas wie ein Nachahmerprojekt gäbe: »Niedersachsen für Europa«. In Stockhausen jedenfalls ist der Verein, der sich für eine hohe Wahlbeteiligung bei der Europawahl stark macht, eine echte Bewegung von unten: 20 Helfer hatten am Abend zuvor alles in der Halle zurecht gerückt, sorgten für Getränke, Technik und Dekoration, und zwölf Blechbläser aus Stockhausen und Blasheim stimmten festliche Klänge an. »Die britische Fahne haben wir extra auf die Notausgangstür gehängt«, sagte Gerd Niemeyer mit Blick auf die Fahnen der 28 Mitgliedsstaaten an den Wänden. Lautes Lachen.

Achim Post hatte seinen Parteifreund aus Würselen noch zuvor in Espelkamp mit Linsensuppe bewirtet (Schulz: »Ohne Essig, aber mit Apfelkuchen hinterher«). Der Brexit und die verschiedenen Ausstiegszenarien, die er noch tags zuvor in Brüssel gehörte hatte, verstärkten bei Post das Gefühl, dass Europa noch nie so gefährdet war wie derzeit. »Wir können wählen, ob wir die Dämonen des Nationalismus und des Hasses wieder hervorholen wollen oder Friede und Solidarität.«

Die Rolle von Donald Trump

Martin Schulz bedauerte, dass sein langjähriger Mitstreiter für Europa, Elmar Brok, auf eine neue Kandidatur verzichte: »Neben dem Brexit nun auch der ›Broxit‹«. Er charakterisierte die aktuelle Situation in der Welt als eine »Zeit der Neuordnung«, als einen »Epochenbruch«. Demokratien wirkten wie in der Defensive, autoritäre Regierungen in der Offensive. Deutlich benannte er die Rolle Donald Trumps. Der US-Präsident habe offen als Ziel formuliert, die EU zu zerstören, um so die wirtschaftliche Dominanz besser ausspielen zu können. Schon jetzt blockierten die USA Beschlüsse der G7-Staaten. Alles laufe auf eine »G2-Welt« hinaus, so Schulz: China und die USA. Als weiteren Widersacher Europas benannte er den Rechtspopulismus.

»Klar ist die EU nicht demokratisch genug, zu bürokratisch und nicht sozial«, sagte Schulz. »Aber das lässt sich verbessern.« Einigkeit in Europa sei aber unabdingbar – gerade für Deutschland und seine Geschichte, seine Verantwortung nach zwei verheerenden Kriegen. »Wir können als Deutsche stolz darauf sein, dass unser Artikel 1 der Verfassung – Die Würde des Menschen ist unantastbar – auch am Anfang der EU-Verfassung steht«, sagte Schulz. Anhaltender Beifall.

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