Mo., 04.02.2019

Noch 53 Tage: Unternehmen aus dem Mühlenkreis wappnen sich für alle Fälle Der Brexit-Countdown läuft

Der »harte Brexit« rückt näher: Big Ben, der sanierungsbedürftige Uhrenturm in London, zeigt fünf Minuten vor 12 Uhr an.

Der »harte Brexit« rückt näher: Big Ben, der sanierungsbedürftige Uhrenturm in London, zeigt fünf Minuten vor 12 Uhr an. Foto: dpa

Von Eva Rahe

Lübbecke/Espelkamp (WB). Noch 53 Tage: Unternehmen aus dem Mühlenkreis wappnen sich für einen ungeregelten Brexit. Dieser Fall könnte am 30. März wahr werden. Nach Auskunft der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen gibt es im Kreis Minden-Lübbecke etwa 100 Firmen, die auf dem britischen Markt aktiv sind. 15 haben Niederlassungen auf der Insel.

»Fast alle größeren Industrieunternehmen im Kreis Minden-Lübbecke exportieren Waren nach Großbritannien«, erklärt Ines Ratajczak von der IHK. Da die Produktion im Vereinigten Königreich in den vergangenen Jahrzehnten eher rückläufig gewesen sei, wären die Briten auf Importe aus den EU-Ländern angewiesen.

Planungen bei Gauselmann

Eines der Unternehmen, das Waren in das Vereinigte Königreich liefert und Niederlassungen vor Ort hat, ist die Gauselmann-Gruppe. Der Automatenhersteller aus Espelkamp hat 23 Unternehmen mit 2254 Mitarbeitern in Großbritannien. Diese sind tätig im Bereich »Operations« (Spielhallen und Gastronomie), im Vertrieb von Geräten (stationär und online). Außerdem besitzt die Gauselmann-Gruppe mehrere Entwicklungsfirmen auf der Insel.

Für die Mitarbeiter galt bislang, dass sie sich als EU-Bürger ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis in Großbritannien aufhalten konnten. Nach dem Brexit müsse das Unternehmen die Regelung des Aufenthaltsstatus’ wohl genauer in den Blick nehmen, erklärt Unternehmenssprecher Mario Hoffmeister.

Die Erhebung von Zöllen habe ebenfalls Auswirkungen auf den Warenverkehr. Diese Kostensteigerung will die Gauselmann-Gruppe nicht einfach auf ihre Kunden abwälzen, sagt Mario Hoffmeister. Da das Unternehmen weltweit aktiv sei, seien Zollprozesse an sich kein Problem. Um Versorgungsengpässe durch Verzögerungen bei der Einfuhr durch Zollprobleme auszuschließen, seien Puffermengen für Großbritannien eingeplant. »Wir haben die Hoffnung, dass es noch zu vernünftigen Regelungen zum Brexit kommt, aber letztlich müssen wir in den Planungen vom ›Worst Case‹ ausgehen«, sagt Hoffmann. In Bezug auf Expansion und Neuinvestitionen sei die Gruppe im Moment »eher zurückhaltend«.

Harting UK ist vorbereitet

Die Harting Technologiegruppe aus Espelkamp hat den Brexit auf dem Schirm: »Da wir die Geschehnisse nicht beeinflussen können, heißt es für uns abzuwarten, was passiert. Harting UK ist seit dem Referendum 2016 in einigen britischen Handelsorganisationen vertreten, so dass der Standpunkt unserer Tochtergesellschaft auch deutlich wahrgenommen wird«, erklärt Unternehmenssprecher Detlef Sieverdingbeck.

»Je schneller eine Lösung aus dieser Sackgasse gefunden wird, um so besser kann die Tochtergesellschaft Harting UK im Interesse unserer Kunden handeln. Um die Risiken zu reduzieren, bereitet sich Harting UK auf einen ungeregelten Brexit vor.«

IMA sieht Risiken

Auch die IMA Klessmann in Lübbecke unterhält Beziehungen zu Großbritannien. Sie liefert Produktionsmaschinen. Die IMA hat eine eigene Verkaufs- und Servicegesellschaft in England. Wie IMA-Sprecherin Julia Krüger sagt, bestehe das Risiko, das die Zahl der Aufträge nach dem Brexit rückläufig sei. Zudem könnten Kunden aufgrund von Zöllen und Währungsschwankungen von bereits abgeschlossenen Verträgen zurücktreten.

»Das berücksichtigen wir in unserer Planung.« Derzeit würden die Kunden aber unabhängig von den Folgen eines Brexits investieren. Zudem könne das England-Geschäft das Unternehmen als solches nicht unmittelbar gefährden, sagt Krüger. Daher laute die Unternehmenspolitik, alle weiteren Entscheidungen zum Brexit gelassen abzuwarten.

Hoffnung bei ZF

Auf einen geordneten Ausstieg hofft noch der Automobilzulieferer ZF in Lemförde. Gleichwohl bereite man sich, so Sprecherin Jannine Rapp, auch auf einen harten Brexit vor, um für diesen Fall gerüstet zu sein und die Kunden weiter beliefern zu können.

Die IHK Ostwestfalen bietet am 11. Februar eine Informationsveranstaltung mit dem Thema »Brexit, Die neuen Zollvorschriften im Überblick« in Bielefeld an. Julia Köhler, Leiterin des Zollamtes Lübbecke, wird dort zum Thema referieren. Beginn ist um 9 Uhr. Bis dahin heißt es: »Abwarten und Tee trinken.« Anmeldeschluss ist der 4. Februar.

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