So., 10.02.2019

Haft wegen räuberischer Erpressung und sexueller Belästigung Lübbecker Flüchtling muss ins Gefängnis

Symbolfoto.

Symbolfoto. Foto: Jörn Hannemann

Lübbecke/Minden (WB/wk). Polizisten führten den Angeklagten in Saal 223 – in Handschellen. Weil der Afrikaner (33) zum ersten Verhandlungstermin am Amtsgericht Minden mit 1,5 Promille im Blut erschienen war, hatten die Beamten ihn diesmal schon einen Tag vorher in Gewahrsam genommen, um seine Prozesstauglichkeit zu gewährleisten.

Die Liste der Anklagen gegen den in Lübbecke wohnhaften Flüchtling ist lang und füllt diverse Aktenordner. Sie reicht von Beförderungserschleichung, dem sogenannten Schwarzfahren, über Betrug, Diebstahl, Hausfriedensbruch und Körperverletzung bis hin zu sexueller Belästigung. Auf die Frage des Richters, warum der Angeklagte beim ursprünglich anberaumten Termin angetrunken gewesen sei, erklärte Verteidiger Paulo Dias: »Mein Mandant hatte große Angst. Er flüchtete sich in den Alkohol, um das Ganze besser ertragen zu können.«

Jugendlichen angestiftet und bedroht

Zunächst wurde der Vorwurf der räuberischen Erpressung verhandelt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Afrikaner im Sommer 2017 einen Jugendlichen auf der Berliner Straße in Lübbecke angesprochen, um mit dessen Unterstützung Bier in einer Tankstelle zu kaufen. Für den Angeklagten galt hier ein Hausverbot. Laut Anklage drohte der Afrikaner dem Jugendlichen zudem mit Faustschlägen, um so zehn Euro von ihm zu erhalten.

Der Afrikaner bestritt die Vorwürfe. Nicht er habe den Jugendlichen vor der Tankstelle angesprochen, sondern der Jugendliche ihn. »Er durfte ja als 15-Jähriger keinen Alkohol kaufen.« Auch habe er ihn nicht bedroht.

Zehn-Euro-Schein gefunden

Anders der Jugendliche: Er schilderte, wie ihn der Angeklagte auf seinem Fahrrad vom NP-Markt bis zur Tankstelle verfolgt habe und wie es schließlich dazu kam, dass er ihm 10 Euro aushändigte: »Er war aggressiv, packte mich und drohte mit der Faust.«

Der Tankwart (36) sagte im Zeugenstand aus, dass ihm sowohl der Angeklagte als auch der Jugendliche bekannt seien: »Der Junge hat bei mir noch nie Alkohol gekauft. Als er bei mir im Verkaufsraum war, hatte er definitiv Angst.« Einer der damals verständigten Polizisten berichtete, dass nach der Festnahme des Afrikaners vor der Tankstelle ein zerknüllter und offenbar weggeworfener 10-Euro-Schein gefunden wurde, unmittelbar neben dem Fahrrad des Flüchtlings.

Nach der Befragung des Polizeibeamten wies Verteidiger Dias das Gericht darauf hin, dass sein Mandant bei der Festnahme keine Rechtsbelehrung erhalten habe. Der anschließend durchgeführte Alkoholtest (1,12 Promille) sei demnach unzulässig gewesen.

Mitbewohner mit Holzlatte drangsaliert

Im Prozess kam auch ein Vorfall aus dem Flüchtlingsheim Hausstätte zur Sprache, bei dem der Afrikaner einen Mitbewohner mit einer Holzlatte drangsaliert und erheblich Schaden angerichtet haben soll. Außerdem wurde ihm zur Last gelegt, eine 25-Jährige auf dem Bierbrunnenfest in Lübbecke sexuell belästigt zu haben. Laut Anklage hatte er der Frau die Haare gestreichelt und ihr an den Oberschenkel gefasst. Zeugen bestätigten den Vorfall.

Das Gericht verurteilte den Afrikaner zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr – ohne Bewährung. Bis zum Antritt dieser Strafe bleibt er auf freiem Fuß.

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