Do., 14.02.2019

Kreispolizei legt Kriminalitätsstatistik 2018 vor – Morde und Missbrauch trüben Bilanz Zahl der Straftaten sinkt weiter

Haben das Zahlenwerk erläutert (von links) Kriminaloberrat Björn Brocks, Polizeidirektor Detlef Stüven und Landrat Ralf Niermann.

Haben das Zahlenwerk erläutert (von links) Kriminaloberrat Björn Brocks, Polizeidirektor Detlef Stüven und Landrat Ralf Niermann. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Lübbecke/Minden (WB). Die Zahl der angezeigten Straftaten im Kreis Minden-Lübbecke ist auf den niedrigsten Stand der vergangenen 20 Jahre gesunken. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik hervor, die am Mittwoch von Landrat Ralf Niermann im Mindener Kreishaus vorgestellt wurde.

Auf 49 Seiten listet die Statistik Fallzahlen auf, vom Fahrraddiebstahl über Raub bis hin zu Mord. Demnach wurden 2018 in den elf Kommunen des Kreises insgesamt 13.884 Delikte angezeigt (Vorjahr: 15.207), ein Rückgang um 8,7 Prozent. »Damit gehören wir zu den sichersten Kreisen in NRW«, sagte der Landrat. Die Aufklärungsquote stieg von 49 auf 53 Prozent.

Bei fast der Hälfte aller Straftaten handelte es sich um Diebstähle (6500). Die Zahl der Fälle sank aber gegenüber 2017 um mehr als zwölf Prozent. Rückläufige Zahlen wurden im vergangenen Jahr auch bei Raub (118 Fälle), Körperverletzung (1247), Vergewaltigungen (22) und bei den Wohnungseinbrüchen verzeichnet. Ihre Zahl sank auf 420 (Vorjahr: 510). Besonders sicher wohnt es sich laut Statistik in Rahden. Nur vier Fälle sind hier registriert.

»Mühsames Geschäft«

Polizeidirektor Detlef Stüven führt die positive Entwicklung auf gezielte Präventionsarbeit zurück. »Wenn Fenster und Türen gut gesichert sind, hilft das.« Die Jagd nach Einbrechern bezeichnete der Polizeidirektor als »mühsames Geschäft«. Die Aufklärungsquote liegt bei 17 Prozent, entscheidend seien die Spurenlage und Hinweise aufmerksamer Nachbarn.

Kriminaloberrat Björn Brocks riet im Zusammenhang mit Wohnungseinbrüchen zu analogen Sicherungssystemen und warnte vor zu viel Digitalisierung. Moderne »Smart-Home-Lösungen« – Brocks nannte unter anderem das Produkt »Alexa« – könnten angesichts von zunehmender Cyberkriminalität ungeahnte Risiken in sich bergen.

Schon jetzt seien Kriminelle in der Lage, die Funksignale von Autoschlüsseln abzufangen und auszulesen. Die Zahl der Autodiebstähle stieg im Kreis an. Besonders gefährdet seien Besitzer von Geländewagen (SUV), speziell der Marken BMW, VW, Audi und Mazda.

Keine persönlichen Daten ins Internet stellen

Noch größere Sorgen bereiten Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Ihre Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 74 Prozent. Der erste Kontakt mit den Opfern erfolge meist über soziale Medien wie »Facebook« oder »What’s App«, sagte Kriminaloberrat Brocks. Täter würden sich dabei als Kinder ausgeben, um Vertrauen aufzubauen und an Fotos ihrer Opfer zu gelangen.

Die wiederum würden oft nicht über die nötige Kompetenz im Umgang mit dem Internet verfügen. Brocks warnte mit Nachdruck davor, persönliche Daten und Bilder von den eigenen Kindern in den Netzwerken zur Schau zu stellen. Die Aufklärungsquote bei den Missbrauchsfällen lag bei 94 Prozent.

Drogenszene im Blick

Noch stärker als bei den Fällen des Missbrauchs stieg die Prozentquote bei den Mordfällen, nämlich um 500 Prozent. Nachdem es im Vorjahr einen Mord gab, waren es 2018 sechs Taten. Allein drei Opfer waren in Hille zu verzeichnen, hinzu kamen zwei Fälle aus Minden und der Fall einer Totgeburt in Lübbecke. Die Hintergründe seien nicht zweifelsfrei zu ermitteln gewesen, sagte Kriminaloberrat Brocks.

Sehr genau beobachten will die Polizei die Drogenszene im Kreis. Die Fallzahlen (806) stiegen gegenüber dem Vorjahr (708) deutlich an. »Wir stehen in engem Kontakt mit den Schulen«, sagte Brocks. Zu den erfreulichen Aspekten der Statistik zählten Brocks, Stüven und Niermann den erneuten Rückgang der Jugendkriminalität (14 bis 18 Jahre). Gesunken ist auch der Anteil ausländischer Tatverdächtiger – von 28 auf 26 Prozent.

Kommentar

Wer Opfer einer Straftat geworden ist, hat oft lange mit den Folgen zu kämpfen. Körperverletzung, Einbruch, Diebstahl – all das kann tiefe Narben hinterlassen. Manche verheilen nie.

Aber es gilt auch: Im Kreis Minden-Lübbecke lebt es sich sicherer als an vielen anderen Orten des Landes. Dass es so ist, dass manche Verbrechen gar nicht erst geschehen und dass Täter gefasst werden, ist nicht zuletzt den Polizisten, die hier ihren Dienst tun, zu danken. Denen, die Streife fahren, und denen, die die oft komplizierten Hintergründe einer Straftat ermitteln.

Die Kriminalstatistik spiegelt eine Faktenlage, die manch einen überraschen dürfte. Nehmen wir Lübbecke. Hier wurden 2018 insgesamt exakt 1090 Straftaten verzeichnet. Zum Vergleich: In Minden liegt die Zahl fünf- bis sechsmal so hoch, obwohl dort nur etwa dreimal so viele Menschen leben wie in Lübbecke. Das Risiko, in Lübbecke Opfer einer Straftat zu werden, ist insgesamt deutlich geringer. Dass die Polizei den Standort Minden mit der Zentralisierung der Kripo gestärkt hat, ist mit Blick auf diese Fakten nachvollziehbar.

Dennoch gilt: Ob Minden, Bad Oeynhausen oder der Altkreis – der Landrat muss auch in Zukunft dem Sicherheitsbedürfnis aller Bürger gerecht werden. Mögen die Zahlen noch so gut sein. Letztlich sollte kein Mensch das Gefühl haben, er müsse länger auf einen Polizeibeamten warten, nur weil er im falschen Ort wohnt.

Kai Wessel

 

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