Sturmschaden auf dem jüdischen Friedhof
Baum zerschlägt Grabstein

Lübbecke (WB). Ein umstürzender Baum hat einen Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Lübbecke zerstört – eine Folge von Sturmtief Bennet am Montag.

Freitag, 08.03.2019, 18:13 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 18:16 Uhr
Der Sturm vom Rosenmontag hat eine alte Platane auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen. Ein Grabstein ist dadurch zerstört worden. Wie soll damit umgegangen werden? Die Stadt will sich dazu mit der jüdischen Kultusgemeinde abstimmen. Foto: Viola Willmann
Der Sturm vom Rosenmontag hat eine alte Platane auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen. Ein Grabstein ist dadurch zerstört worden. Wie soll damit umgegangen werden? Die Stadt will sich dazu mit der jüdischen Kultusgemeinde abstimmen. Foto: Viola Willmann

Die Feuerwehr hatte am Montagmorgen bereits dafür gesorgt, dass der Teil der alten Platane, der auf die Friedhofstraße gefallen war, beseitigt wurde. Auch der Zaun war niedergerissen worden. Eine Barke dient jetzt als Absperrung, wie Freitag zu sehen war. Der zerschlagene Pultstein mit Platte ist weggeräumt. Der ebenfalls beschädigte Sockel, Teile des Stamms sowie die Wurzel liegen aber noch auf dem Friedhof.

Leser ist besorgt

Ein Leser dieser Zeitung ist sehr besorgt. Er fordert, dass der Grabstein auf jeden Fall wieder hergestellt wird und dass der Altbaumbestand eingehend untersucht werden soll, um solche Schäden künftig zu vermeiden.

Eigentümer des jüdischen Friedhofs ist der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe. Die Stadt Lübbecke als Träger des sich anschließenden städtischen Friedhofs kümmert sich aber im Auftrag des Landesverbands um die Verkehrssicherung. »In enger Abstimmung mit der jüdischen Kultusgemeinde werden wir uns dieser Sache annehmen«, sagte Stadtsprecher Andreas Püfke am Freitagnachmittag. Er versicherte zudem, dass alle städtischen Bäume und auch die Platanen auf dem jüdischen Friedhof genau und fachgerecht in regelmäßigen Abständen begutachtet würden. »Nicht standsichere Bäume werden gefällt«, sagte er. Dies könne aber leider nicht verhindern, dass Bäume dennoch umstürzen, etwa wenn kräftige Sturmböen wehen. »Das sind Naturgewalten«, sagte Püfke. Was mit dem zerschlagenen Grabstein passiert, müsse nun in Absprache mit der jüdischen Kultusgemeinde entschieden werden.

Wiederherstellung wohl erwünscht

Der Friedhofsexperte des jüdischen Landesverbandes war am Freitagnachmittag wegen der Vorbereitung auf den Sabbat nicht mehr zu erreichen. Dass die Kultusgemeinde aber möglicherweise Wert auf die Wiederherstellung legen wird, war die Einschätzung von Eberhard Helling, evangelischer Pfarrer in Lübbecke. Die jüdischen Grabstätten seien auf die Ewigkeit hin angelegt, weiß auch Presbyter Eyke Blöbaum, in der Stadtverwaltung lange mit der Friedhofsverwaltung betraut. »Im Sinne der jüdischen Bestattungskultur ist die Erhaltung der Friedhöfe, aber nicht das Beseitigen der Spuren der Zeit«, sagte Blöbaum.

Der jüdische Friedhof wurde von 1862 bis 1940 belegt. Erhalten sind 60 Grabsteine. Etwa einmal im Jahr kommt ein Experte des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe nach Lübbecke, um den Friedhof mit Vertretern der Stadt und des Freundeskreises Lübbecker Friedhof zu begutachten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6458076?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F
Bäume in der Oberleitung: Bahnstrecke zwischen Hannover und Bielefeld zwischenzeitlich gesperrt
Symbolbild. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Nachrichten-Ticker