So., 17.03.2019

AfD-Bundespolitikerin in der Stadthalle – Gegendemo und Kundgebung An Europa scheiden sich die Geister

Alice Weidel nimmt in der Stadthalle zunächst zwischen dem AfD-Landessprecher Thomas Röckemann (links) und Kreissprecher Burkhard Brauns Platz, bevor sie ans Rednerpult tritt. Die Bundespolitikerin zeichnet ein düsteres Bild vom aktuellen Europa.

Alice Weidel nimmt in der Stadthalle zunächst zwischen dem AfD-Landessprecher Thomas Röckemann (links) und Kreissprecher Burkhard Brauns Platz, bevor sie ans Rednerpult tritt. Die Bundespolitikerin zeichnet ein düsteres Bild vom aktuellen Europa. Foto: Kai Wessel

Von Friederike Niemeyer  und Ria Stübing

Lübbecke (WB). Die einen wünschen sich mehr Europa, die anderen weniger. Zur Kundgebung pro Europa versammelten sich Freitag viele gesellschaftliche Gruppen auf dem Marktplatz. Die AfD formulierte wenig später in der Stadthalle ihr »Nein« zu einer engeren Zusammenarbeit in Europa. Vor der Halle formierte sich Protest gegen die Partei.

Tanja Behring aus Lübbecke hatte die Demonstration angemeldet, die von der Polizei erfolgreich von den Besuchern der AfD-Veranstaltung getrennt wurde. »Hier in Lübbecke ist kein Platz für rechte Hetze und Rechtspopulismus«, sagte Behring. Aus der kleinen Schar zu Beginn wurde eine Gruppe von etwa 100 Demonstranten, darunter Jusos und Grüne.

Demonstranten aus Bad Oeynhausen

Thomas Heilig vom Bad Oeynhausener Bündnis für Vielfalt, Menschenwürde und Toleranz sagte: »Wir wollen Flagge zeigen, dass wir Demokraten füreinander da sind und niemanden ausgrenzen.« Christina Hof und Lukas Heimann von den Herforder Jusos wollten »ein Zeichen setzen, dass die AfD, auch wenn sie demokratisch gewählt ist, nicht für unsere Gesellschaft steht«.

Mit kräftigen Parolen machen die Gegendemonstranten vor der Stadthalle auf sich aufmerksam. Foto: Friederike Niemeyer

Als der Einlass zur Veranstaltung begann, skandierten einige Demonstranten »Ob Ost, ob West, nieder mit der Nazi-Pest«. Eine Demonstrantin rief: »Kauf Dir ein Geschichtsbuch, Du dummer Mensch.« Irmgard Schmidt aus Lübbecke bedauerte, dass nicht mehr Teilnehmer der Kundgebung auf dem Markt auch zur Stadthalle gekommen seien: »Schade, dass man sich so verzettelt hat.«

AfD kritisiert »Euro-Zentralisten«

Die etwa 400 Besucher in der Stadthalle mussten mehr als eine Stunde auf die Hauptrednerin, Bundestagsfraktionsvorsitzende Alice Weidel warten. Diese Zeit nutzten andere AfD-Funktionsträger. Helmut Seifen, stellvertretender Landessprecher, wandte sich gegen das Etikett »europafeindlich«, das seiner Partei angeheftet werde. Man lehne aber den Brüsseler Behördenapparat ab und zweifele die Legitimität der Parlamentswahl an. Seifen: »Wir wollen ein Europa der Vaterländer.« Es müsse der richtige Abgleich zwischen Nähe und Distanz geschaffen werden. »Die Euro-Zen-tralisten wollen dagegen die Nationalstaaten auflösen.«

Landessprecher Thomas Röckemann aus Minden beklagte, dass die EU-Außengrenzen nach wie vor »völlig ungeschützt« seien. Röckemann geißelte die Ausdehnung des Familienbegriffs durch die EU auch auf volljährige Kinder: »Damit steht der Clan-Zusammenführung nichts mehr im Wege.« Tausende afrikanische Männer würden in Andalusien »einfallen«, meinte Röckemann. In Südeuropa würden sie nicht bleiben, sondern in die deutschen Sozialsysteme einwandern, so seine Unterstellung.

Nicht die illegalen Einwanderer, sondern die deutschen Familien zu fördern sei dagegen das Ziel der AfD, sagte neben Thomas Röckemann auch AfD-Kreissprecher Burkhard Brauns.

Austritts-Referendum als Option

Alice Weidel nannte die weiteren Bestrebungen zur politischen Integration in Europa eine »Zwangsvereinigung«, bezeichnete den Euro als gescheitert und kritisierte die Vorschläge des französischen Präsidenten Emanuel Macron: »Das bei uns Ersparte wird in die maroden Südländer umgeleitet. Dort wird dann teurer Parkettboden verlegt, wir laufen auf ausgetretenem Linoleum«, so Weidel. Sie sprach sich gegen Arbeitsmigration von Außer-Europäern und Europäern aus. Ohne grundlegende EU-Reformen werde die AfD ein Austritts-Referendum fordern, sagte Weidel unter großem Applaus.

Für ein »Europa für alle«

Etwa 300 Bürger drücken ihre Verbundenheit zu Europa aus. Foto: Ria Stübing

Auf dem Marktplatz hatte es dagegen Applaus für ein Mehr an europäischer Einigung gegeben. Gerd H. Niemeyer vom Verein Stockhausen für Europa sagte: »Wenn wir nicht zur Europawahl gehen, kann das zum Problem werden, denn die Feinde Europas warten nur darauf, und sie werden hingehen.« Die SPD-Landtagsabgeordnete Christina Weng sprach sich für ein stabiles Europaparlament aus: »Wir brauchen sozial, nicht national motivierte Abgeordnete.«

Die Stadtschüler Angelina Reichenbach, Ole Fründ und Karawan Qabal trugen das Gedicht »Europa für alle« vom deutschen Dichter Klaus-Dieter Nussbaum vor, darin die Zeilen: »Ein starkes Verlangen nach Sicherheit und Schutz, gibt nur ein vereintes Europa, das Jedermann nutzt.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6478390?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F