Do., 21.03.2019

IHK-Konjunkturumfrage: Unternehmen bewerten Geschäftslage Aussichten leicht getrübt

Haben am Mittwoch die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage in Barres Brauwelt vorgestellt (von links): Eckhard Rüter, Daniela Drabert und Karl-Ernst Hunting.

Haben am Mittwoch die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage in Barres Brauwelt vorgestellt (von links): Eckhard Rüter, Daniela Drabert und Karl-Ernst Hunting. Foto: Angelina Zander

Von Angelina Zander

Lübbecke (WB). Zuversichtlich im Hinblick auf ihre zukünftige Geschäftslage sind im Kreis Minden-Lübbecke vor allem Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Das ergibt sich aus den Ergebnissen der IHK-Konjunkturumfrage für das Frühjahr 2019.

295 Unternehmen aus dem Kreis mit insgesamt 22.925 Beschäftigten haben sich an der Umfrage beteiligt. Sie stammen aus drei Branchen: Industrie, Dienstleistung und Handel. Und alle bewerten ihre derzeitige Geschäftslage insgesamt positiv.

Industrie

Doch Themen wie der Brexit drücken bei den Unternehmern auf die Stimmung – insbesondere im Industriesektor. 14 Prozent der Industrieunternehmen erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine positive Entwicklung ihrer Geschäftslage, 25 Prozent einen Negativtrend. Damit liegt die Prognose im deutlich negativen Bereich, erklärt Eckhard Rüter, IHK-Vollversammlungsmitglied. Damit einher geht die Prognose der erwarteten Erträge in den kommenden zwölf Monaten. »Der Umfragewert befindet sich aktuell im sehr deutlich negativen Bereich. Es ist der schlechteste Wert seit Herbst 2009«, sagt Rüter. Gleiches gelte für die erwartete Beschäftigtenentwicklung.

Einen Einbruch hat zudem die positive Bewertung der derzeitigen Geschäftslage in dieser Branche erfahren. Waren es im Herbst 77 Prozent, die die Lage als »gut« eingeschätzt haben, sind es jetzt 48 Prozent. »Die Umfragewerte zur erwarteten Geschäftslage und zu den erwarteten Erträgen in den kommenden zwölf Monaten können uns nicht zufriedenstellen. Beide Werte sind im negativen Bereich. Die Werte zu den erwarteten Erträgen haben sich nochmals verschlechtert«, lautet Rüters Fazit zu den Umfrageergebnissen der Industrie.

Große Unternehmen sorgen sich stärker um Fachkräftemangel

Generell sei jedoch festzustellen, dass beschäftigtenstärkere Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage schlechter bewerteten als Unternehmen mit weniger Mitarbeitern. Dafür blicken sie weniger besorgt auf den Fachkräftemangel, so Rüter.

Der bevorstehende Brexit habe bei der Bewertung der Unternehmen eine Rolle gespielt, erklärt Daniela Drabert, IHK-Vollversammlungsmitglied. »Der Brexit ist ein Unsicherheitsfaktor, der nicht bewertet werden kann.« Auch die laufenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften für eine Lohnerhöhung hätten bewirkt, dass »vorsichtig beurteilt« wurde. Gerade die Arbeitskosten, der Fachkräftemangel und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen seien von den Unternehmen als Risiken eingeschätzt worden, so Drabert.

Handel

Im Handel ist laut Daniela Drabert im Hinblick auf die Umsätze 2018 »eine deutliche Verbesserung gegenüber der Herbstumfrage 2018« zu verzeichnen. Mehr als 50 Prozent gaben an, ihre Umsätze seien gestiegen, 21 Prozent verzeichneten rückläufige Umsätze. Insgesamt sei die Situation damit als »sehr deutlich positiv« zu bezeichnen. Das bedeutet, das zwischen den beiden Werten mehr als 20 Prozentpunkte Unterschied liegen. Im Vergleich zum Herbst ist allerdings die Prognose der Umsätze für die kommenden zwölf Monate deutlich zurückgegangen. Mehr Unternehmen gaben an, fallende Umsätze zu erwarten. Gleichzeitig erwarten weniger Unternehmen steigende Umsätze. Auch im Handel sei erkennbar, dass die Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage besser einschätzten als die zukünftige, so Drabert.

Die Handelsunternehmen wurden auch nach ihren Vertriebswegen gefragt. »Im Einzelhandel spielt der ausschließlich stationäre Vertrieb eine bedeutende Rolle«, so das Fazit Draberts. Nur im Kfz-Handel spiele die Verbindung aus stationärem Vertrieb und externen Plattformen eine bedeutende Rolle.

Dienstleistung

Die Unternehmen des Dienstleistungssektors bewerteten als einzige ihre zukünftige Geschäftslage als deutlich positiv. Gegenüber der Herbstumfrage habe die Beurteilung aber leicht nachgelassen, sagt Drabert. Die positive Bewertung in diesem Bereich ist auch anhand des Konjunkturklimaindikators zu erkennen. Insgesamt ist dieser im Vergleich zur Herbstumfrage deutlich gesunken, von 128 auf einen Wert von 116. Bei einem Wert von 100 hätten alle Unternehmen ihre Lage als »befriedigend« bewertet, erklärt Daniela Drabert. Der Index für den Dienstleistungssektor liegt bei etwa 130, die Indikatoren für die Branchen Handel und Industrie liegen etwa bei einem Wert von 110.

Karl-Ernst Hunting, Leiter der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer, blickte abschließend auf die Amtliche Statistik der IT.NRW. Es herrsche momentan eine »sehr gute Situation. Aus dieser sollen die Unternehmen die Zukunft bewerten«, gab er zu bedenken. Die Gesamtumsätze im verarbeitenden Gewerbe lägen auf einem sehr hohen Niveau.

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