Sa., 11.05.2019

Europatag am Wittekind-Gymnasium: Debatte über Urheberrechtsreform im Rathaus Gepflegter Disput

Disput ohne Ende: Philip Schumacher (links) und Christian Sysa debattieren im Garten der Begegnungsstätte Stockhausen über die Reform des EU-Urheberrechts.

Disput ohne Ende: Philip Schumacher (links) und Christian Sysa debattieren im Garten der Begegnungsstätte Stockhausen über die Reform des EU-Urheberrechts. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Lübbecke (WB). Da ging es gepflegt zur Sache: Schüler des Wittekind-Gymnasiums haben über zentrale Fragen der Europapolitik gesprochen. Auf dem Stundenplan standen Debatten und Abstimmungen. Schauplatz des Aktionstages waren das Lübbecker Rathaus und die Begegnungsstätte in Stockhausen.

Im Sitzungssaal des Rathauses schlugen die Wogen hoch. Die Schüler simulierten eine Debatte im Europaparlament. Auf der Tagesordnung stand die EU-Urheberrechtsreform. Sie sieht vor, dass Onlineplattformen wie Facebook, YouTube oder Instagram künftig für die Inhalte haften, wenn Urheberrechtsverletzungen auftreten. Gegen die Einführung so genannter Uploadfilter, die kritisches Material im Internet löschen, hatten vor allem junge Menschen europaweit protestiert.

Schüler schlüpfen in die Rolle von EU-Politikern

Im Rathaus schlüpften die Wittekind-Schüler in die Rolle der EU-Parlamentarier und bildeten Fraktionen. Aleksei Smirnov (spricht Englisch, Französisch, Russisch) übernahm den Part des EU-Präsidenten. Er achtete auf das Protokoll und die Redezeiten. Das sei kein leichtes Amt gewesen, stöhnte Smirnov nach der zweistündigen Debatte: »Besonders die Mitglieder der ultrarechten Fraktion sind in ihrer Rolle sehr gut aufgegangen.« Die wetterten nämlich gegen die Reform und den Paragraphen 13, der das Urheberrecht regelt. »Weg damit«, hieß es aus Fraktionskreisen.

Dazu kam es nicht. Die Mehrheit der »Parlamentarier« verständigte sich auf einen Kompromiss. Das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein, erläuterte Philip Schumacher (17). Sein aber: »Das Problem ist, dass die Uploadfilter technisch noch nicht so weit ausgereift sind, um legale und illegale Inhalte zu unterscheiden.« Solange das nicht der Fall sei, müsse die Umsetzung der Reform ausgesetzt werden, so der Beschluss.

Bürgermeister begrüßt Aktionstag

Bürgermeister Frank Haberbosch wurde vom Schüler-Parlament ein zehnminütiges Rederecht für die Begrüßung im Rathaus zugestanden. Später sagte Haberbosch: »Dass junge Leute sich in die Lage versetzen, wie Beschlüsse zustande kommen, finde ich gut. Solche Formate geben mir Hoffnung, dass sie sich eines Tages auch für die Politik hier in der Stadt begeistern lassen.«

In der Begegnungsstätte Stockhausen, die der Verein »Stockhausen für Europa« den Schülern zur Verfügung gestellt hatte, wurde am Abend nicht nur über die Ergebnisse der Debatte im Rathaus gesprochen. Schüler der neunten Jahrgangsstufe hatten sich mit der bewegten Geschichte der Europäischen Union beschäftigt. Der 9. Mai gilt als Europatag, weil der französische Außenminister Robert Schuman am 9. Mai 1950 die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vorgeschlagen hatte. Mit dieser Gemeinschaft legten Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlanden, Belgien und Luxemburg nur fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges den Grundstein für die heutige EU.

Einigung in der Flüchtlingsfrage

In einem Rollenspiel diskutierten die Neuntklässler auch noch über Flüchtlingsfragen. Ihr Ergebnis: Bei der Verteilung der Menschen müssten Größe und Wirtschaftskraft eines Landes berücksichtigt werden. Darüber hinaus sei es das Ziel, für Frieden in den Herkunftsländern zu sorgen, auch, um Optionen für eine Rückkehr der Geflüchteten zu schaffen. Alea Surberg (15) übernahm den Part einer EU-Kommissarin. Ihr Fazit: »Schon kompliziert bei so vielen Ländern. Man muss eine Sache von vielen Seiten aus betrachten.«

Schulleiter Dr. Eberhard Hagemeier bezeichnete den Tag als »beispielhaft« für eine Europa-Schule. Eine entsprechende Bewerbung sei eingereicht: »Ich bin zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr zertifiziert werden.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6602826?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F