Di., 04.06.2019

Club 74 lädt zur Autorenlesung mit Journalistin und Betroffener Christiane Wirtz Wenn die Psychose das Leben zerstört

Christiane Wirtz ist zurück im Leben und möchte dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Erkrankten abzubauen.

Christiane Wirtz ist zurück im Leben und möchte dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Erkrankten abzubauen. Foto: Wollmacher

Lübbecke (WB). Mehr als zwei Jahre lang glaubt Christiane Wirtz fest daran, dass Mick Jagger ihr Vater ist, John F. Kennedy ihr Onkel. Sie hält ihre Eltern für Kindesentführer. Das alles war nur in ihrem Kopf. Auf Einladung des Vereins Club 74, dem Förderkreis für psychisch erkrankte und behinderte Menschen, liest die Journalistin, ehemalige Regierungssprecherin und Psychiatrieerfahrene Wirtz aus ihrem aktuellen Buch: »Neben der Spur – Wie die Diagnose ›Schizophrenie‹ das Leben von Grund auf verändert«.

Der Club 74 möchte damit einen Beitrag zur Entstigmatisierung psychisch erkrankter Menschen leisten, mehr Kenntnisse vermitteln, das Verständnis fördern und psychisch erkrankte Menschen ermutigen, die Sprachlosigkeit und die Scham zu überwinden. In Lübbecke ist Wirtz am Sonntag, 16. Juni, um 17 Uhr im großen Saal des Alten Amtsgerichts zu Gast. Eine weitere Lesung mit ihr können Interessierte am Montag, 17. Juni, um 17 Uhr im Café Prinz Friedrich, Johansenstraße 1 in Minden, erleben. Der Eintritt ist jeweils frei.

Bizarres Verhalten

Erst erlebt sich die Autorin selbst als gestresst und verstört. Dann nimmt die Psychose von ihrer Person Besitz. Sie verändert sich. Mit bizarrem Verhalten stößt sie Freunde und Bekannte vor den Kopf. Nach einer Odyssee nach Tel Aviv, wo sie den Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu treffen will, weiteren skurrilen Erlebnissen, nach Polizeieinsatz und weiteren befremdlichen Aktionen landet Wirtz in der geschlossen Abteilung einer Psychiatrischen Klinik.

Die erste Psychose tritt auf, als sie 34 Jahre alt ist. Heute – 18 Jahre später – und nach vier weiteren Psychosen geht es ihr wieder recht gut. Wirtz hat die Erfahrung gemacht, dass das Ansprechen ihrer Probleme auf viel Resonanz von Betroffenen und Angehörigen stößt. Die Journalistin will berichten wie es ist, neben der Spur zu sein, wie es ist, verrückt zu sein. Sie will damit auch eine Brücke bauen.

Schonungsloser Bericht

Christiane Wirtz erzählt schonungslos von der großen Zerstörungskraft dieser Erkrankung. Die Psychose hatte ihre soziale Existenz vernichtet. Jetzt ist sie zurück im Leben und hat eine Botschaft für die Betroffenen: »Lasst euch nicht stigmatisieren.« Die anderen fordert sie auf: »Baut Vorurteile ab.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6666551?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F