Do., 13.06.2019

Aktionskomitee: neuer Rekord mit 88 Brutpaaren, aber Wiesenvögel bedroht Nur Störche im Aufwind

Die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke haben gut klappern: Sie finden viele Nistmöglichkeiten und offenbar ausreichend Nahrung vor, so dass sich ihr Population 2019 mit 88 Brutpaaren auf einem Höchststand befindet.

Die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke haben gut klappern: Sie finden viele Nistmöglichkeiten und offenbar ausreichend Nahrung vor, so dass sich ihr Population 2019 mit 88 Brutpaaren auf einem Höchststand befindet. Foto: Barbara Tiedermann

Lübbecke/Petershagen (WB/fn). Die Weißstörche haben sich den Kreis Minden-Lübbecke nachhaltig zurückerobert. Das belegen die Zahlen dieses Frühlings. Doch bei anderen bedrohten heimischen Vogelarten sieht es weniger rosig aus.

Das Aktionskomitee »Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke« kann auch in diesem Jahr zu Pfingsten von fröhlichem Geklapper auf den Horsten berichten. 88 Paare sind es, was eine Zunahme von 16 Prozent gegenüber den 74 Paaren des Vorjahres bedeutet. Für Aussagen zum Bruterfolg ist es allerdings noch zu früh.

Rekord gibt Rätsel auf

Dr. Alfons R. Bense, stellvertretender Vorsitzender und von Beginn an im Aktionskomitee aktiv, freut sich über den neuerlichen Rekord – vor allem vor dem Hintergrund, dass es um das Jahr 1990 nur noch drei Paare im Kreis gegeben hat. Aber er sieht sich angesichts der positiven Entwicklung auch vor einem »erfreulichen Rätsel«. Denn, so erläutert Bense, das Nahrungsangebot für die Vögel müsste sich verschlechtert haben: aufgrund intensivierter Landnutzung und damit verbundenem Insektenrückgang. Bense: »Schutzbemühungen wie Flächenankauf und -optimierung für ›Storch und Co.‹ wie Feuchtgebiets- und Wiesenvögel haben den Verlust allenfalls nur punktuell ausgleichen können.«

Viele neue Nisthilfen

Wesentlich zur Bestandszunahme beigetragen haben nach Ansicht des Komitees die vielen neuen Nisthilfen. 2019 wurden sie manchmal bereits kurz nach ihrer Errichtung angeflogen oder sogar besetzt, beispielsweise am Schloss Benkhausen in Gestringen, am Museumshof in Rahden oder auf einer geköpften Robinie in Veltheim. Der Storch werde immer populärer, sei zu einem »Aushängeschild für Naturliebe und Naturschutz« geworden, so Alfons Bense. Beim Aufstellen einer Nistgelegenheit gehe es häufig erst in zweiter Linie um den Naturschutz und zuerst um den Wunsch, den beliebten Vogel in der Nähe haben zu wollen. Dabei sollte es aber nicht stehen bleiben, appelliert Dr. Alfons Bense. Es brauche gleichzeitig auch Einsatz für den erforderlichen Lebensraum, was Privatleuten so nicht immer möglich sei. Entsprechend engagiere sich das Aktionskomitee.

Vernässung ist Grundlage des Erfolgs

Lothar Meckling, ehemals Umweltbeauftragter des Kreises, Kreisvorsitzender des Nabu und im Vorstand des Aktionskomitees, sieht vor allem die Vernässung von Ackerland in den vergangenen Jahrzehnten als Grundlage des Erfolgs bei den Weißstörchen. Aber, so Meckling, »für die Charakterarten der Feuchtwiesen – Großer Brachvogel, Uferschnepfe und Kiebitz sowie Bekassine – war es zu spät.« Bei Uferschnepfe und Bekassine sei die kritische Grenze, die zum Erhalt einer Population notwendig sei, unterschritten. »Um gute Bestände der beiden Arten beobachten zu können, muss man heute von Minden aus 70 Kilometer ins Ochsenmoor am Dümmer fahren, weil dort im Frühjahr auf riesigen Wiesenflächen gezielt Wasser eingestaut wird«, erläutert Lothar Meckling.

Großer Brachvogel vor dem Verschwinden

Der Große Brachvogel komme nur noch vereinzelt vor, sein Verschwinden im Kreis Minden-Lübbecke stehe unmittelbar bevor. Und auch der Kiebitz sei nur noch vereinzelt zu beobachten und stehe vor dem Aus. Das Problem beider Arten: Als Bodenbrüter müssten sie es mit Intensivlandwirtschaft und tierischen Räubern wie Fuchs, Marder und Waschbär aufnehmen. »Einzig der Storch unter diesen Wiesenvögeln scheint den Bogen gekriegt zu haben«, sagt Meckling. Und der brütet in der Höhe und ist bei der Nahrung nicht so wählerisch. Um auch die anderen Vögel besser zu schützen, fordert Meckling beispielsweise größere Feuchtwiesenbereiche, die Beweidung von Flächen und größere Randstreifen an Äckern.

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