Fr., 28.06.2019

Breitbandausbau im Kreis Minden-Lübbecke: Unternehmensgruppe stellt Pläne vor – Beginn in Stemwede Dänen vergraben die Kabel

Es gibt viel zu baggern: Die Länge der Tiefbautrasse, die für den Breitbandausbau im Mühlenkreis benötigt wird, beträgt 1700 Kilometer. In den Rohren werden 47.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Bis 2023 soll der Ausbau abgeschlossen sein.

Es gibt viel zu baggern: Die Länge der Tiefbautrasse, die für den Breitbandausbau im Mühlenkreis benötigt wird, beträgt 1700 Kilometer. In den Rohren werden 47.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Bis 2023 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Foto: dpa

Von Hans-Jürgen Amtage

Minden/Lübbecke (WB). Zeitweise glich die Veranstaltung eher einer Verkaufsveranstaltung für Telekommunikationsprodukte. Tatsächlich war es die Präsentation der Unternehmensgruppe Internexio, die den Zuschlag für den Breitbandausbau im Kreis Minden-Lübbecke erhalten hat. Die Tiefbauarbeiten übernimmt jetzt eine dänische Firma.

Landrat Ralf Niermann hatte geladen, verschiedene Bürgermeister und Verwaltungsvertreter aus dem Mühlenkreis waren am Donnerstag ins Mindener Kreishaus gekommen. Um den Startschuss für das 110-Millionen-Euro-Projekt mitzuerleben, das schnelle Datenverbindungen in die sogenannten weißen Flecken im Mühlenkreis bringen soll. Insgesamt geht es um 400 Firmen und mehr als 21.000 Haushalte in etwa 15.600 Gebäuden, die die Möglichkeit bekommen, den heutigen 10-Gigabit-Standard beim Breitbandausbau nutzen zu können. Bislang gibt es in diesen Gebieten eine Datenleistung von knapp 30 Megabit in der Sekunde.

1700 Kilometer Tiefbautrasse müssen für die Realisierung des schnellen Datennetzes im Kreisgebiet aufgegraben und mit Leerrohren und Glasfaserkabeln versehen werden. Am Ende des Ausbaus werden etwa 47.000 Kilometer Glasfaser eingebracht sein. Eine Länge, die über den Erdumfang hinausgeht. Bis spätestens Ende 2023 sollen die Datenkabel vergraben und die Haushalte angeschlossen sein. Realisiert wird das Vorhaben von der Hamburger Unternehmensgruppe Internexio, deren Gesellschafter Paul Gummert und Uwe Krabbe gestern im Kreishaus informierten.

Startschuss im September

Zuvor hatte der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung des Kreises, Oliver Gubela, den Teilnehmern, darunter Bürgermeister Bert Honsel aus Rahden und Bürgermeister Marko Steiner aus Preußisch Oldendorf, einen Einblick in den aktuellen Stand des Breitbandausbaus gegeben. Vor Kurzem schloss der Kreis Minden-Lübbecke, der im Auftrag aller Kommunen handelte, das Bieterverfahren ab und aktualisierte die notwendigen Anträge bei Bund und Land. Startschuss für den Ausbau soll im September sein, sofern Bund und Land bis dahin ihre Finanzierungszusagen verbindlich bestätigt haben. »Für viele Bürgerinnen und Bürger, aber auch Unternehmen und Einrichtungen ist damit endlich eine Perspektive geschaffen worden«, sagte Niermann.

Mit den Arbeiten begonnen wird zunächst in Stemwede. Bürgermeister Kai Abruszat: »Was lange währt, wird endlich gut. Ich freue mich, dass der Masterplan Breitband bei uns mit der Umsetzung startet. Das stärkt Stemwede als Standort für Unternehmen und Familien gleichermaßen. Zusätzlich begrüße ich es, dass Innogy SE den eigenwirtschaftlichen Ausbau unabhängig von diesem Masterplan für Dielingen und Levern in den Fokus genommen hat. « Nach Stemwede folgt Rahden. Hier betont Bürgermeister Bert Honsel, dass es notwendig sei, die Bürger in den Ortschaften zeitnah genau zu informieren. Bereits jetzt liefen zahlreiche Anfragen in der Stadtverwaltung ein.

Internexio-Gesellschafter Gummert stellte umfangreiche Serviceangebote in Aussicht, unter anderem zwei Kundenbüros in Lübbecke und Minden. Die Hamburger werden zudem verschiedene Internetprodukte anbieten, wobei auch die bekannten Anbieter wie Telekom und Vodafone das Internexio-Netz nutzen können. Landrat Niermann lobte gestern die »hervorragende Zusammenarbeit« aller Beteiligten.

Finanzielle Förderung

Der Breitbandausbau im Kreisgebiet ist allerdings ohne eine erhebliche Förderung finanziell nicht zu schultern. Bund und Land finanzieren 50 beziehungsweise 40 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke. Das ist der Betrag der Gesamtkosten, der nicht durch Einnahmen gedeckt ist. Im Mühlenkreis beträgt die Wirtschaftlichkeitslücke 95 Millionen Euro. Die Kommunen müssen dabei in der Regel zehn Prozent Eigenanteil leisten. Das Land NRW leistet diesen Eigenanteil zusätzlich bei Kommunen, die bei Antragstellung in Haushalt sichernden Verfahren waren. Dieses sind im Kreis Preußisch Oldendorf, Minden und Porta Westfalica. Auch die Nutzer sind finanziell mit im Boot – beim Baukostenzuschuss in Höhe von einmalig 100 Euro.

Der Vergabe des Auftrags zur Erschließung der weißen Flecken im Kreisgebiet ging ein komplexes Verfahren voraus. Von der ersten Antragstellung bis zum erwarteten Spatenstich werden knapp drei Jahre vergangen sein. Mitte 2016 hatte der Kreis einen Masterplan erstellt, anschließend erfolgte der Antrag im Bundesförderprogramm. Die vorläufigen Förderbescheide von Bund und Land wurden im März und August 2017 übergeben. Dem folgten Teilnahmewettbewerbe und Ausschreibungen, die im Mai 2018 erste Angebote zum Ergebnis hatten.

Auf vier sogenannte Lose im Kreisgebiet waren damals keine oder nicht verwertbare Angebote abgegeben worden. Damit wäre eine Vergabe im Rahmen des Förderprogramms nicht möglich gewesen und das ganze Verfahren gescheitert. Um dies zu verhindern, wurde die Leistungsbeschreibung modifiziert und somit waren weitere Ausschreibungen möglich. Diese Ergebnisse lagen schließlich im November 2018 vor. Aus ihnen ging Internexio als Gewinner der Ausschreibung hervor.

Hohe Mehrkosten

Aufgrund des langen Verfahrens und durch die Marktentwicklung kam es zu erheblichen Kostensteigerungen. So verdreifachte sich die Wirtschaftlichkeitslücke. Bund und Land tragen dieser Entwicklung Rechnung und haben angekündigt, die notwendigen Mehrkosten für den Ausbau zu übernehmen. »In der derzeitigen Situation, in der in ganz Deutschland Glasfaserkabel verlegt, Straßen instandgesetzt und Brücken saniert werden, ist der Markt für Tiefbauleistungen völlig überhitzt«, sagte Kreiswirtschaftsförderer Oliver Gubela. »Es ist von großem Wert, dass Bund und Land dieser Situation Rechnung tragen.« Da die Tiefbauunternehmen in Deutschland ausgelastet sind, werden die Hamburger auf ein dänisches Unternehmen zurückgreifen, das in Deutschland firmiert.

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