So., 30.06.2019

Holgar Kleffmann und Martin Schepermann sind die neuen Schützenkönige in Lübbecke – mit Video Zweimal voll in die »Zwölf«

Auf Händen getragen: Die neuen Schützenkönige des Lübbecker Bürger Schützenbataillons Holgar Kleffmann (vonre) und Martin Schepermann werden von Kameraden ihrer Kompanie auf blauen Brettern zur Proklamation auf den Schützenplatz gebracht.

Auf Händen getragen: Die neuen Schützenkönige des Lübbecker Bürger Schützenbataillons Holgar Kleffmann (vonre) und Martin Schepermann werden von Kameraden ihrer Kompanie auf blauen Brettern zur Proklamation auf den Schützenplatz gebracht. Foto: Louis Ruthe

Von Louis Ruthe und Kai Wessel

Lübbecke (WB). Welch eine Freude: Martin Schepermann (48) und Holger Kleffmann (41) sind die neuen Schützenkönige von Lübbecke. Beiden gelang bei der 527. Auflage des Bürgerschützenfestes genau das, wovon andere ein Leben lang nur träumen – nämlich ein Treffer in die »12«

Etwa 200 Schützen hatten sich am Sonntag am Schießstand eingefunden, um den jeweils Besten der geraden und ungeraden Hausnummern zu ermitteln. Kommandeur Christoph Barre sprach später von Schussbildern, die er selten gesehen habe. Zahlreiche Treffer im Bereich rund um die »12« würden davon zeugen, dass viele »voll draufgehalten« hätten.

Ein »Traumschuss«, so Barre, gelang Leutnant Holger Kleffmann von der Zylinderkompanie. Seine Kugel landete genau im Zentrum. Fast 30 Minuten lang musste der Familienvater danach im Schützenstand ausharren, ehe alle anderen Anwärter mit ihren Versuchen fertig waren. Dann wurde gejubelt – mit Gattin Stephanie und Tochter Milla (10), die während der Live-Übertragung die Daumen gedrückt hatten. Der neue König, Geschäftsführer einer Lübbecker Marketingfirma, war überglücklich, räumte aber ein: »Als ich von der ›12‹ erfuhr, war’s kurzer Schockzustand.« Holger Kleffmann ist der erste König der Zylinderkompanie seit 25 Jahren. Damals war es Karl-Heinz Griese.

»Ich hatte seine Königskette in der Tasche«

Allen Grund zur Freude hatte auch Schlosser Martin Schepermann, Spieß der Wiehengebirgsschützen. In 30 Jahren hatte es in diesem Zug keinen einzigen König gegeben – bis Schepermann zum Vorderlader griff und den Volltreffer setzte. Der Familienvater hatte einen persönlichen Glücksbringer von Sohn Leon (16) dabei, Der war tags zuvor Jungschützenkönig geworden: »Ich hatte seine Königskette in der Tasche.«

Bei den  Jungschützen war es zu einer weiteren Besonderheit gekommen: König Ferry Crasemann, der bei den ungeraden Hausnummern gewann, tritt die Nachfolge seines Zwillingsbruders Julian Crasemann (16) an. Damit beerbt der 16-Jährige nicht nur seinen Zwillingsbruder als Jungschützenkönig sondern auch seinen Vater Reinhard Crasemann, der neben dem Königstitel der Jungschützen im Jahre 1977 zudem 1989 Kronprinz war. Die außergewöhnlichen Geschichten des Schützenfestes passten zum außergewöhnlichen Wetter. Selten zuvor war es so heiß wie an diesem Sonntag.

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»Du hast es zu gut mit uns gemeint«

Bereits am Mittag hatte das Bataillon in der prallen Sonne auf dem Marktplatz stramm gestanden – und geschwitzt. Bürgermeister Frank Haberbosch lobte die Artillerie, deren Böllerschüsse das Fest seit 1844 »unüberhörbar« ankündigen würden. Einen Tadel des Bürgermeisters fing sich Meteorologe Friedrich Föst aus dem Flaschenzug ein: »Ein paar Grad weniger hätten es schon sein dürfen«, sagte Haberbosch, um nachsichtig anzufügen: »Du hast es zu gut mit uns gemeint.« Das Stadtoberhaupt gewährte dem Fußvolk kurz darauf eine Marscherleichterung. Er gestattete, die Jacken auszuziehen und sie über die Schulter zu hängen. Bei so viel Fürsorge hätte wohl jeder Schütze dem Bürgermeister die Königswürde gegönnt. Doch Haberbosch traf diesmal eine »6« und im zweiten Versuch eine verwackelte »2«.

Oberst Christoph Barre betonte auf dem Marktplatz, dass Feierlichkeiten wie das Bürgerschützenfest ein Bestandteil der Lübbecker Identität seien. Für viele stünde das Fest sinnbildlich für Heimat. Barre: »Heimat ist, wo mich Menschen verstehen, wo ich mich nicht verstellen muss, wo Leute sind, die ich mag und die mich mögen.« Die Lübbecker Bürgerschützen würden ein positives Heimatgefühl seit Jahrhunderten mit Leben füllen.

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