Fr., 12.07.2019

Ein Drittel aller Lübbecker Haushalte betroffen – Haftungsfrage noch strittig Stromausfall mit Folgen

Der Mini-Bagger und die Mega-Folgen: Weil bei den Bauarbeiten an der Westerbachstraße ein wichtiges Kabel beschädigt wurde, gab es in großen Teilen Lübbeckes zwei Stunden keinen Strom. Das Umspannwerk muss repariert werden.

Der Mini-Bagger und die Mega-Folgen: Weil bei den Bauarbeiten an der Westerbachstraße ein wichtiges Kabel beschädigt wurde, gab es in großen Teilen Lübbeckes zwei Stunden keinen Strom. Das Umspannwerk muss repariert werden. Foto: Andreas Kokemoor

Von Friederike Niemeyer

Lübbecke (WB). Der Strom fließt wieder wie gewohnt. Der gut zwei Stunden währende Ausfall am Mittwoch hat den Lübbeckern sehr drastisch gezeigt, wie abhängig sie in ihrem Alltag von der Energie aus der Steckdose sind. Die Stadtwerke sprechen vom größten Stromausfall seit langem.

Fast die gesamt Innenstadt, Alswede, Teile von Blasheim, Stockhausen und Obermehnen sind am Mittwochmittag betroffen gewesen, sagt Siegfried Lang, Geschäftsführer der Netzgesellschaft Lübbecke (NGL). Das sind ungefähr ein Drittel aller Lübbecker Haushalte. Die genaue Zahl ist noch nicht ermittelt. »Das war der größte Ausfall, an den ich mich erinnern kann«, sagt er.

Zu den Betroffenen zählte, wie berichtet, auch das Krankenhaus. Nach Angaben von Sprecherin Ramona Schulze habe die Notstromversorgung aber lückenlos funktioniert. Ohne solch ein Aggregat mussten dagegen die Geschäfte in der Innenstadt auskommen.

Hunderte Anrufe bei den Stadtwerke

Auch der Marktkauf war betroffen, musste zeitweise Mitarbeiter an der nicht mehr schließenden Eingangstür postieren und Kunden um Verständnis bitten, dass kein Einkauf möglich sei. »Bei uns dauerte es dann nach dem Ende des Ausfalls noch 30 Minuten, bis wir wieder öffnen konnten«, sagt Verwaltungsleiter Rainer Hagemeyer. »Erst mussten Kassen, Kühlung, E-Terminals und Brandmelder wieder hochgefahren werden.« Direkt nach dem Strom-Aus halfen Notbeleuchtung und Notstrom an den Kassen, dass sich kein Kunde im Supermarkt verletzte und kein Kassenvorgang abgebrochen wurde. Nach Auskunft von Hagemeyer gebe es erst bei einem noch länger dauernden Stromausfall wirklichen Schaden etwa in den Kühltruhen. Die Kunden hätten sehr verständnisvoll reagiert.

Von sehr ruhigen und eher positiven Kundenreaktionen berichtet auch NGL-Chef Siegfried Lang. Etwa 500 Anrufe bei den Stadtwerken und 300 in der Leitstelle hätten die Telefone heiß laufen lassen. »Wir konnten aber schnell mitteilen, wie lange es ungefähr dauert, bis der Strom wieder da ist«, so Lang. Er lobt ausdrücklich seine Mitarbeiter, die in kurzer Zeit mehr als 80 Trafostationen auf die beiden anderen Lübbecker Umspannwerke umgeschaltet haben und so für die Überbrückung des ausgefallenen Umspannwerkes an der Westerbachstraße gesorgt haben.

»Wir sammeln sie und schicken sie an unsere Versicherung weiter.«

Dort hatte am Mittwoch gegen 11.30 Uhr ein Bagger eine Leitung beschädigt. Wie Siegfried Lang berichtet, habe der Eigentümer Westnetz die Reparatur begonnen. Finanzielle Schäden, die durch den Stromausfall entstanden seien, könnten bei den Stadtwerken eingereicht werden, sagt Lang. »Wir sammeln sie und schicken sie an unsere Versicherung weiter.« Die werde sich wohl an die Versicherung des Bauunternehmers wenden, schätzt der Geschäftsführer die Lage ein.

Die Stemweder Firma Depenbrock, die an der Westerbachstraße für den Kreis Minden-Lübbecke baut, bestätigt den Baustellen-Unfall: »Unser Mini-Baggerführer hat leider einmal zu viel mit der Baggerschaufel in den Kanal gefasst und dabei das Kabel beschädigt.« Die Kabelpläne seien nicht zentimetergenau. Die Firma schätzt die Haftungsfrage aber offenbar anders ein als die NGL. Das Arbeitsschutzmanagement des Projektleiters sei vorbildlich gewesen, so dass keine Inhaftungnahme zu erwarten sei, teilt eine Sprecherin mit. Nur der reine Kabelschaden werde zu begleichen sein. Der verletzte Mitarbeiter, so die gute Nachricht aus Stemwede, sei mittlerweile verletzungsfrei.

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