Do., 18.07.2019

Niederwall: Naturschutzbeirat genehmigt Fällung – VCD warnt vor ZOB-Umbau Sieben Bäume müssen weichen

Noch stehen die Linden am Niederwall. Im Zuge der Verlegung des Busbahnhofs direkt an die Straße sollen demnächst sieben von zehn Bäumen gefällt werden. Dafür hat der Naturschutzbeirat des Kreises jetzt grünes Licht gegeben.

Noch stehen die Linden am Niederwall. Im Zuge der Verlegung des Busbahnhofs direkt an die Straße sollen demnächst sieben von zehn Bäumen gefällt werden. Dafür hat der Naturschutzbeirat des Kreises jetzt grünes Licht gegeben. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Lübbecke (WB). Das Westertor-Projekt hat auf dem Weg zur Umsetzung eine weitere Hürde genommen. Die Stadt darf am Niederwall sieben Alleebäume fällen, um den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zu verlegen. Dafür hat der Naturschutzbeirat des Kreises am Dienstag grünes Licht gegeben. Kritik an den ZOB-Plänen kommt erneut vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Im Naturschutzbeirat sitzen Vertreter des Kreises, aus Umweltverbänden sowie Interessenvertreter von Landwirtschaft, Wald und Jagd. Vor diesem Gremium erläuterte Lübbeckes Baudezernent Ingo Ellerkamp das Westertor-Projekt und die geplante Baumfällaktion am Niederwall. Er bezeichnete die Verlegung des ZOB als einzige Möglichkeit, um ebenerdige Parkplätze für das geplante Einkaufszentrum zu schaffen. »Wenn das Projekt zur Umsetzung kommen soll, kann der ZOB nicht dort bleiben, wo er jetzt ist.«

Der ZOB soll direkt an den Niederwall verlegt werden. Um dort ausreichend Platz zu schaffen, sollen sieben von aktuell zehn Alleebäumen weichen. Bei den zur Diskussion stehenden Linden sei aus Sicht der Stadt eine eingeschränkte Entwicklung zu beobachten. »Die Bäume sind gestresst, weil sie zu wenig Platz zur Entfaltung haben«, sagte Ellerkamp. Zudem sei der Alleecharakter am Niederwall (sechs Bäume nördlich, vier Bäume südlich) nicht so deutlich wahrnehmbar, wie auf dem Abschnitt zwischen Niedertor- und Jahnstraße.

18 neuen Bäume sollen die sieben Bäume ersetzen

Als Ausgleichsmaßnahme für die Baumfällung am Busbahnhof sollen hier an der Kirschenallee in Stockhausen weitere Bäume gepflanzt werden. Im Hintergrund ist die Stadt zu sehen. Foto: Kai Wessel

Als Kompensationsmaßnahme für die sieben gefällten Bäume will die Stadt 18 neue Bäume an der Kirschenallee in Stockhausen pflanzen. Zudem würden die drei verbleibenden Linden am Niederwall im Zuge des Umbaus mehr Raum, ein sogenanntes Baumquartier, erhalten.

Jochen Kelle, Landschaftsgärtner aus Porta Westfalica, bezeichnete die Erweiterung der Kirschenallee in Stockhausen als löblich, wies aber darauf hin, dass Bäume in der Innenstadt gefällt würden: »Wenn sie mit den neuen Bäumen jetzt in die Landschaft gehen, hat die Stadt nichts davon.« Er hätte den Eindruck, dass es in der Lübbecker City schon jetzt an Grün fehle. Ellerkamp entgegnete, dass vor kurzem Bäume vor der katholischen Kirche gepflanzt worden seien. Am künftigen ZOB sollen sieben neue die gefällten Bäume ersetzen.

Lob für die Stadt kam von Gabriele Potagby von der Biologischen Station Minden-Lübbecke. Sie hätte den Eindruck, dass sich Lübbecke sehr wohl um das Grün in der Stadt sorge. Auch die Ausgleichsmaßnahme in Stockhausen erachtete sie für gut. Diese Einschätzung teilte der Beirat. Der Alleenschutz am Niederwall wurde aufgehoben, so dass die Stadt ihre Westertor-Pläne ohne Verzögerung weiterverfolgen kann.

Kritik kam zum Ende der Debatte von Hermann Nagel (Naturschutzbund). Er bezweifelte mit Blick auf schon bestehende Leerstände, dass sich genug Mieter für das Westertor finden werden.

Kritik vom Verkehrsclub

Werben für den ZOB-Erhalt (von links): Thomas Benthin (Seniorenbeirat) sowie die VCD-Vertreter Uwe Hartmeier, Hans Leßke, Heidi Hetz, Karola Hartmeier, Philipp Kosok und Alisa Raudszus. Foto: Kai Wessel

Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) bezeichneten die Umbau-Pläne der Stadt am Busbahnhof am Mittwoch als »anachronistisch«. Während in vielen Kommunen der öffentliche Nahverkehr gefördert werde, würde in Lübbecke ein beinahe optimaler ZOB für ein Projekt geopfert , dessen Erfolgsaussichten fraglich seien, so VCD-Sprecher Uwe Hartmeier. Eine Bestandsaufnahme des VCD bescheinigt dem ZOB derzeit überdurchschnittlich hohe Werte in puncto Sicherheit, Komfort und Barrierefreiheit. »Sollte der ZOB an den Niederwall verlegt werden, werden wir wohl zu anderen Ergebnissen kommen«, sagte Hartmeier.

Unterstützung erhielt er von Vertretern der Bundesgeschäftsstelle des Vereins in Berlin. In einer Studie, die das Bundesumweltamt fördert, untersucht der VCD derzeit den Nahverkehr in sieben Städten, unter anderem in Herford und Bad Oeynhausen.

Kommentare

Investoren-Interessen statt Nachhaltigkeit und Naturschutz

Traurig, aber wahr!
Wie können in Zeiten von "Friday for Future" und mit dem Wissen des Wertes alter Baumbestände gerade im innerstädtischen Bereich sowohl Bundes- als auch Landesnaturschutzgesetze auf Grund von Investoren-Interessen willkürlich und einfach so außer Kraft gesetzt werden?
Und dies auch noch Abgesegnet von Institutionen und Verbänden, deren Existenz sich damit begründet eben solche Machenschaften unterbinden zu wollen. Haben sich beteiligte Verbände in Ihren Statuten nicht dem aktiven Naturschutz und nachhaltigem Handeln verpflichtet? Dies gilt wohl nur solange wie es bequem ist. Skandalös!
Altbestände sind eben nicht so einfach durch Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen zu ersetzen. Es bedarf hier einer umsichtigen Planung in denen die Altbestände zu 100% erhalten bleiben. Dies wäre hier sehr wohl möglich, aber anscheinend nicht gewollt.
Und das auf Kosten unserer Zukunft, denn jeder einzelne Baum ist kostbar und geschützte Bäume nicht umsonst geschützt!
Auch wenn noch so oft erwähnt wird, dass das Projekt Westertor und die Verlagerung des ZOB zukunftsträchtig für Lübbecke sind, zeigt die völlig unnötige Fällung von unter anderem 70% des Altbestandes an Linden und zusätzlich eine 100%- Vollversiegelung der gesamten Fläche im Planungsgebiet deutlich, dass "Zukunft" nicht das Motiv für diese Planungen ist!
Wirklich zukunftsträchtige Stadtplanung sieht anders aus! Leider wird uns hier wieder einmal deutlich gemacht, dass Lübbecker Stadtplanung (noch) nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist.
Gerade in heutigen Zeiten darf man Umsicht in der Stadtplanung erwarten, und nicht erst wenn es wieder mal zu spät ist!
Für den Investor ist das Projekt Westertor ein knallhartes Immobiliengeschäft aus welchem er sich sehr wahrscheinlich nach wenigen Jahren mittels Verkauf profitorientiert aus der Affäre ziehen wird. Zukunftsträchtige Planung zum Wohl von Lübbecker Bürgern sind hier zweitrangig und allenfalls nur bis zum Verkauf der Immobilie einbezogen.
Das sich sowohl die Stadt, als auch nun sogar Naturschutzbehörden und beteiligte Verbände zum Mittäter machen, lässt jede Hoffnung auf umweltbewusstes zukunftsträchtiges Umdenken zu Grabe tragen.
In Lübbecke heißt es wohl: Fridays for Investors, nicht Future!

Es war mal am Berufsschulzentrum

Hier geht es nur um 7 Bäume ....
wo waren die Naturschützer den wo man an der Kreisberufsschule vor ca. 2 Jahren wo man weit über 50 Bäume gefällt hat ?
Ich zumindest habe da keinen gesehen als die vom Kreis da einen Baum nach den anderen auf gut Deutsch platt gemacht haben !
Und bis zum heutigen Tag ist da kein neuer Baum gepflanzt worden !

2 Kommentare

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