Baaske Medical aus Lübbecke ist in einem Nischenmarkt erfolgreich
Spezial-Computer für Kliniken

Lübbecke (WB). Computer ist nicht gleich Computer. Für Krankenhäuser und Arztpraxen gelten besondere Anforderungen. Die Firma Baaske Medical aus Lübbecke hat sich auf medizinische Computer-Hardware spezialisiert.

Mittwoch, 31.07.2019, 08:49 Uhr
Andreas Baaske hat einen Computer für Krankenhäuser entwickelt, der keine Lüftung, dafür aber Rippen für die Kühlung hat. Foto: Friederike Niemeyer
Andreas Baaske hat einen Computer für Krankenhäuser entwickelt, der keine Lüftung, dafür aber Rippen für die Kühlung hat. Foto: Friederike Niemeyer

Handelsübliche Computer, Monitore und Tastaturen dürfen nicht in die direkte Patientenumgebung. Weil die Anforderungen an Hygiene und elektrische Sicherheit am Krankenbett größer sind, bedarf es spezieller Lösungen. Dafür sorgt Baaske Medical.

Die Hälfte geht in den Export

»Eine echte Nische also, in der sich deutschlandweit vielleicht fünf bis zehn Wettbewerber tummeln«, wie Firmengründer Andreas Baaske berichtet. »Es gibt auf der einen Seite die Sparte IT-Technik und auf der anderen Seite die Medizintechnik. Wir liegen in der Mitte und vermitteln diese beiden Welten.« Mit seinen zehn Mitarbeitern fertigt der Lübbecker für Siemens, Olympus, die Bechtle AG und IT-Systemhäuser sowie für Unikliniken und auch die Mühlenkreiskliniken . Etwa die Hälfte der Produkte geht in den Export. Der Umsatz in dem laut Baaske »stabilen Gesundheitsmarkt« wächst und bewegt sich im ein- bis zweistelligen Millionenbereich.

Eine naheliegende Anforderung an Computer im Krankenhaus ist die Hygiene. Gerade Tastaturen und Mäuse werden von mehreren Personen benutzt und können leicht Keime übertragen . Deshalb stellt Baaske Medical Tastaturen mit abwaschbarer und desinfizierbarer Silikonoberfläche her. Mit beleuchteten Tasten sind sie auch im dunklen OP gut einsetzbar. Die PCs sind ebenfalls desinfizierbar und vor allem ohne Lüfter, damit es im OP keine Aufwirbelungen gibt. Die Kühlung des Prozessors wird über das spezielle Rippen-Gehäuse gewährleistet.

Elektrik spielt besondere Rolle

Bei Computern in Behandlungs- und Patientenzimmern muss aber auch die Elektrik in besonderer Weise gesichert sein. Oxidierte Kontakte oder alte Mehrfachsteckdosen mit verbogenen Schutzleitern, um nur zwei Beispiele zu nennen, können ernsthafte Gefahrenquellen sein. Denn unbemerkt vagabundierender Strom, sogenannter Ableitstrom, ist für geschwächte Menschen lebensbedrohlich, wie Andreas Baaske erläutert. »Der elektrische Hautwiderstand eines gesunden Menschen ist vergleichsweise hoch. Patienten schwitzen, fiebern und sind narkotisiert. Selbst geringe Ableitströme können gefährlich werden.« Isolation ist also das Thema, das für das medizinische Umfeld gelöst werden muss.

Durch die Vernetzung von immer mehr technischen Geräten ergeben sich auf Station ständig neue Probleme. Wird ein neuer Bildschirm in einem Behandlungszimmer etwa drei Meter von der Patientenliege entfernt aufgestellt, darf ein normaler Monitor verwendet werden. Ist der Bildschirm aber nur zwei Armlängen entfernt, also noch in Reichweite, dann gelten komplexe medizinische Normen und Richtlinien.

Viele Schnittstellen erforderlich

Hinzu kommt, dass Untersuchungstechnik, wie beispielsweise ein Ultraschallgerät, teuer ist und im Krankenhaus lange eingesetzt wird. Die neuen Computer müssen deshalb auch noch alte Schnittstellen bereithalten.

Im Laufe der Jahre – die Firma von Andreas Baaske gibt es seit 2007 – hat der gelernte Elektrotechniker im Kontakt mit seinen Kunden immer mehr Produkte entwickelt: Mehrfachsteckdosen mit speziellen Klemmen, die ein versehentliches Herausziehen der Stecker verhindern, PCs, die sich hinter einen Monitor montieren lassen, Netzwerk-Isolatoren, Schutzhüllen, Displays oder Visitenwagen. Der Trend gehe auch in Kliniken in Richtung mobile Geräte, sagt Baaske, aber es würden noch die passenden Apps fehlen.

Erweiterung möglich

Nach Möglichkeit lässt Baaske die Teile in Deutschland produzieren und baut sie am Firmensitz in Lübbecke zusammen. Nur die Prozessoren stammen aus Fernost. 2020 will die Firma eine eigene CNC-Fräsmaschine anschaffen, um Prototypen und Kleinserien schneller fertigen zu können. Für mögliches zukünftiges Wachstum seiner Firma hat Andreas Baaske am Standort noch Erweiterungsmöglichkeiten.

 

Dieser Text ist ein Abdruck aus der aktuellen Ausgabe der »OWL-Wirtschaft«, die in allen WESTFALEN-BLATT-Geschäftsstellen und im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich ist.

 

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