Do., 15.08.2019

Vor seinem Konzert beim Bierbrunnenfest am Freitag spricht der Sänger im Interview Michael Schulte: »Jeder Song erzählt meine Geschichte«

Michael Schulte tritt beim Bierbrunnenfest in Lübbecke auf.

Michael Schulte tritt beim Bierbrunnenfest in Lübbecke auf. Foto: dpa

Lübbecke (WB). Der Eurovision Song Contest war sein großer Durchbruch. Im vergangenen Jahr belegte Michael Schulte für Deutschland den vierten Platz. Seitdem werden dessen Songs im Radio rauf und runter gespielt. Am Freitag steht der 29-Jährige beim Lübbecker Bierbrunnenfest auf der Marktplatz-Bühne. Zuvor hat er mit Redakteur Marc Schmedtlevin über Castingshows, Max Giesinger und sein neues Album gesprochen.

Herr Schulte, Ihr bester Kumpel, Max Giesinger, ist vor drei Jahren beim Bierbrunnenfest aufgetreten. Haben Sie darüber mit ihm gesprochen?

Michael Schulte: Ja, und er hat natürlich nur in den höchsten Tönen geschwärmt. Er hat gesagt, dass ich das auf jeden Fall sehr gut machen kann – also freue ich mich jetzt sehr auf Lübbecke.

Worauf dürfen sich die Besucher bei Ihrem Auftritt freuen?

Schulte: Die dürfen sich auf eine grandiose Band und ganz viele Songs freuen. Wir werden einige bekannte wie »You let me walk alone« spielen, aber zum Beispiel auch meine ganz neue Single »All I need«. Die kommt genau an dem Tag heraus und wir werden sie dann zum ersten Mal live spielen. Es wird eine schöne Mischung aus schnellen und langsamen Songs. Da ist für jeden etwas dabei.

Sie können gefühl- aber auch schwungvoll. Wie entstehen die Songs bei Ihnen?

Schulte: Das ist eigentlich immer gleich. Man setzt sich ins Studio mit zwei, drei anderen und nimmt sich vor, einen Song zu schreiben. Dann liegt es natürlich an mir, zu sagen, in welche Richtung es gehen soll und welches Thema ich beim Schreiben einbringen möchte. Und dann geht das wilde Jammen los. Wir finden dann eine Melodie und schreiben einen Text dazu.

Hängt die Stilrichtung des Songs mit Ihrer Stimmungslage zusammen?

Schulte: Je nachdem, was mich gerade so beschäftigt. Ich schreibe immer über Sachen aus meinem persönlichen Leben. Mal ist es dann ein Song fürs Radio, mal auch ein ruhigerer.

Ihr Song »You let me walk alone«, mit dem Sie im vergangenen Jahr beim Eurovision Song Contest in Lissabon den vierten Platz belegt haben, ist ein Paradebeispiel. Da singen Sie vom frühen Tod ihres Vaters. Erzählt also jeder Song Ihre Geschichte?

Schulte: Ja, auf jeden Fall. Was anderes würde ich auch gar nicht machen wollen. Ich möchte, wenn ich diese Songs singe, etwas empfinden. Ich denke, auch das Publikum merkt, dass der Mensch auf der Bühne das selbst erlebt hat. Das hat etwas Authentisches und das ist mir sehr wichtig.

Ist es denkbar, Sie bald auch einmal auf Deutsch singen zu hören?

Schulte: Was mein eigenes Projekt angeht, wird es definitiv auf Englisch bleiben. Ich singe einfach lieber auf Englisch und meine Stimme klingt da tatsächlich auch ein bisschen besser. Es gibt Künstler, die auf Deutsch wirklich geile Musik machen, aber ich bin dafür nicht der Richtige. Ich bin im Englischen gut aufgehoben und es bringt ja auch ein paar Vorteile mit sich. Zum Beispiel, dass ich auch im Ausland viele Zuhörer habe.

Der vierte Platz beim Eurovision Song Contest war Ihr absoluter Durchbruch. Was sind seitdem die größten Veränderungen?

Schulte: Ich gebe mehr und größere Konzerte und bei Festivals oder der eigenen Tour habe ich mehr Leute vor der Bühne stehen. Und meine Songs laufen jetzt auch im Radio. Es ist immer ein Traum von mir gewesen, dass ich Auto fahre und plötzlich kommt mein Song. Auch meine generelle Bekanntheit hat sich deutlich gesteigert, so dass mich jeden Tag mehr Leute ansprechen, Bilder machen wollen und einfach nur gucken und tuscheln.

Eine größere Bekanntheit bringt sicherlich auch mehr Aufwand mit sich. In »Back to the start« schwärmen Sie von Ihrer Kindheit und Jugend, von einer unbeschwerten Zeit. Sind Ihnen die heutigen Verpflichtungen und der Stress manchmal zu viel?

Schulte: Das nicht, aber es ist natürlich manchmal zeitlich sehr intensiv. Deshalb ist »Back to the start« auch ein Appell, ein bisschen Lockerheit mit rein zu nehmen, auch zu genießen und mal eine Pause einzulegen, wenn es möglich ist. Die Kindheit war wirklich eine schöne Zeit. Das Erwachsenendasein in der schnelllebigen Gesellschaft ist manchmal schon recht viel. Ich muss da mit dem Finger auch direkt auf mich selbst zeigen. Ich könnte auch hier und da ein bisschen kürzertreten.

Ein weiterer Meilenstein war Ihr dritter Platz bei »The Voice of Germany« im Jahr 2012. Glauben Sie, dass die Karriere anders verlaufen wäre, wenn Sie dort gewonnen hätten – vielleicht auch nicht unbedingt erfolgreicher?

Schulte: Das kann schon sein. Vielleicht hätte ich etwas länger diesen Stempel »The Voice of Germany« gehabt – und das ist gar nicht so einfach. Trotz der größeren Aufmerksamkeit muss man auch danach hart arbeiten, sich den Respekt erspielen und verdienen. Es hat jetzt auch bei mir Jahre bis zum großen Durchbruch gedauert. Bei Max Giesinger war es ähnlich. Also nach einer Castingshow ist noch kein großer Star vom Himmel gefallen.

Max Giesinger und Sie waren in derselben Staffel. Er ist damals Vierter geworden. Ist es Zufall, dass Sie beide einen steilen Aufstieg hingelegt haben?

Schulte: Wir haben uns damals bei der ersten Staffel von »The Voice« sehr gut angefreundet, sind heute Best Friends und er war auch mein Trauzeuge. Wir sind durch dick und dünn und durch alle Städte gezogen, haben auch lange zusammen gewohnt. Dass wir es eigentlich als einzige aus allen The-Voice-Staffeln geschafft haben, kann Zufall sein oder genau der Grund dafür, warum wir uns damals gefunden haben. Vielleicht hatten wir beide eine gewisse Vision.

Sie haben jetzt die Seite gewechselt und sind Musikpate bei »Dein Song« (KiKA), einer Show für Nachwuchs-Songwriter. Kann man sich durch die eigene Castingshow-Erfahrung besser in die jungen Leute hineinversetzen?

Schulte: Wenn man so etwas selbst durchlaufen hat, kann man es gut weitergeben. Grundsätzlich macht es immer Spaß, Newcomern zu helfen. Man kann schon viele Tricks und Tipps geben, worauf man achten sollte. Gerade wenn man am Anfang noch ein bisschen naiv ist.

Schauen wir auf Ihre Anfänge. Sie haben ab 2006 Cover-Versionen bei YouTube hochgeladen. Wissen Sie noch, welcher Song der erste war?

Schulte: Der erste war »Tears in heaven«, den und den ersten Kanal hat YouTube aber irgendwann gelöscht. Auf dem neuen ist »Umbrella« das erste Video.

Waren Sie sich damals sicher, dass die große Karriere klappen wird?

Schulte: Nein, ich war eher schüchtern. Ich habe nur immer viel gesungen und hatte das Bedürfnis, die Musik mit Leuten zu teilen. Auf die Bühne zu gehen, war damals noch keine Option. Mir hat das einfach Spaß gemacht – nichts ahnend, wohin das alles führen könnte.

Was wäre für Sie denn der alternative Berufsweg gewesen?

Schulte: Zunächst wollte ich eigentlich immer Fußballprofi werden, habe auch in der Landesauswahl Schleswig-Holsteins gespielt. Ich habe aber irgendwann gemerkt, dass einige Jungs doch noch besser waren. Nach dem Abitur hatte ich keinen bestimmten Berufswunsch. Da war die Musik dann relativ schnell da. Es gab eigentlich keinen Plan B.

Es steht in diesem Jahr noch etwas Großes bevor: Am 25. Oktober erscheint Ihr neues Album »Highs & Lows«. Was ist darauf zu hören?

Schulte: Ein paar Songs kennt man schon. Ansonsten gibt es ein paar ruhigere Songs und ein paar, die nach vorne gehen. So wie man es von mir kennt. Aber thematisch hat sich schon ein bisschen verändert, weil ich mich in einem anderen Lebensabschnitt befinde. Mich beschäftigen andere Themen als noch vor zwei, drei Jahren.

Sind sind im vergangenen Sommer Vater geworden. Wie bekommen Sie die Karriere und die Familie mit Kind vereint?

 

Schulte: Es ist schon keine leichte Aufgabe. Es sind zwei Welten, die nicht unbedingt zusammen passen. Natürlich kann ich nicht immer zu Hause sein, aber ich achte schon darauf, dass ich nicht alles mache. Ich versuche, nur zwei bis vier Tage pro Woche unterwegs zu sein.

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