Sa., 17.08.2019

»11Freunde«-Redakteur Jens Kirschneck (53) liest im Lübbecker Jazzkeller Der Roman des Fußballromantikers

Fußballromantiker, Arminia-Fan und »11Freunde«-Redakteur : Jens Kirschneck war zu Gast im Lübbecker Jazzkeller.

Fußballromantiker, Arminia-Fan und »11Freunde«-Redakteur : Jens Kirschneck war zu Gast im Lübbecker Jazzkeller. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Lübbecke (WB). Er trinkt zu viel, verdient sein Geld als Sportjournalist und versteht sich als Hobbydetektiv. Gemeint ist nicht etwa Jens Kirschneck (53) vom Fußball-Magazin »11Freunde«, sondern Theo Grabowski. So heißt der Protagonist in Kirschnecks erstem Kriminalroman mit dem Titel »Schweine befreien«.

Jens Kirschneck war am Donnerstagabend zu Gast im voll besetzten Jazzkeller. Auf Einladung des FC Lübbecke bestritt der »11Freunde«-Redakteur den Auftakt zur »Fußballkulturellen Lesebühne des Vereins«. Mit der möchte der Jugendförderverein des FC Lübbecke zum Nachdenken über »König Fußball« anregen.

Wer hätte besser ins Format gepasst als Premierengast Kirschneck,

Pausen-Bratwurst: Griller Michael Brehm vom FC Lübbecke übt sein Amt trotz eines heftigen Schauers aus. Foto: Kai Wessel

Fußballromantiker und Romanautor in Personalunion, einst Sturmtank beim SV Bölhorst-Häverstädt und heute traumatisierter Edelfan von Arminia Bielefeld. Auf der Alm war Kirschneck einige Jahre für die Stadionzeitung verantwortlich, ehe er schließlich bei »11Freunde« landete, dem selbsternannten »Magazin für Fußballkultur«.

Abgründe beim FC Teutonia

Hier fand Kirschneck neben der Arbeit die Zeit für seinen Fußballroman »Schweine befreien«. Drei Jahre lang habe er an der Geschichte rund um den abgehalfterten Grabowski gefeilt, frühmorgens in der Redaktion, noch ehe die Kollegen eintrudelten. Die hätten ihn für verrückt erklärt, berichtete Kirschneck.

Umso stolzer sei er gewesen, als das Werk vollendet war. Im Roman taucht Grabowski tief in die Abgründe rund um den FC Teutonia ein. Der Reporter gerät in einen Strudel von Intrigen und muss sich bei seinen Recherchen mit Personen auseinandersetzen, die wenig Interesse an Öffentlichkeit und noch weniger an Pressefreiheit (»überbewertet«) haben. Reporter gelten im Club als Schreiber, die »von nichts eine Ahnung haben, aber schlaue Sprüche klopfen«. An der Sekretärin des FC Teutonia prallen Anfragen ab »wie altersschwache Tennisbälle an einer Betonwand«. Grabowski erträgt all das nur mit Bier, noch mehr Bier und Gin Tonic.

Die Frage, ob der DSC Arminia Bielefeld Vorbild für den im Abstiegskampf taumelnden FC Teutonia gewesen sein könnte, beantwortete Kirschneck im Jazzkeller so: »Es könnte Bielefeld sein. Es könnte aber auch jede andere Stadt sein, deren Fußballverein mehr Sorgen als Freude bereitet.« Und wieviel Kirschneck steckt in Grabowski? Ja, ein bisschen, sagt Kirschneck. Wie sein Romanheld habe er einst in einer Rockband gespielt. »Aber ich trinke weniger Alkohol«, betonte Kirschneck und griff zum Bier, um seine Stimme zu ölen. Erst gegen Ende des Abends griff er auf das bereitstehende Wasser zurück.

Wilde Liga

Zuvor hatte der Journalist das Publikum noch auf eine Reise durch sein (Berufs-) Leben mitgenommen. Die Stimmung im Gewölbekeller stieg, als Kirschneck seine Erinnerungen an den ehemaligen Zweitligisten SV Meppen schilderte. Im Fernsehen sei dann grundsätzlich ein Treckerfahrer interviewt worden. Er selbst sei in Meppen »so eine Art F-Promi« gewesen. Was allein daran gelegen habe, dass Kirschneck seine spätere Ehefrau in Meppen kennengelernt hatte: »In der Zeitung wurde ich danach nur noch als der Mann bezeichnet, dessen Freundin aus Meppen stammt.«

Kirschneck ging auch auf seine fußballerischen Anfänge beim SV Bölhorst-Häverstädt ein. Die Karriere sei im Alter von 24 Jahren zu Ende gegangen, als ihm der Trainer sagte: »Du spielst jetzt in der Zweiten.« Später habe er nur noch in der Wilden Liga in Bielefeld gespielt. Kirschneck sagte, er vermisse die Zeit, als er ständig in die Gasse gestartet sei, um dann zu sehen, wie sein Mittelfeldregisseur einen sinnfreien Fernschuss abgab, der weit am Tor vorbeiflog. »Und alle Mitspieler haben gerufen: ›War richtig so‹«. Gelächter.

Grillen im Regen

Der FC Lübbecke konnte am Ende auf einen gelungenen Auftakt seiner Lesebühne zurückblicken. Pech hatte nur FCL-Mann Michael Brehm, der in der Pause der Veranstaltung am Grill stand. Ausgerechnet da schüttete es wie aus Eimern vom Himmel.

Der 2. Spieltag der Lesebühne ist am Donnerstag, 24. Oktober. Dann gastiert Sportjournalist Ronny Blaschke (Süddeutsche, Berliner Zeitung) um 19 Uhr im Speicher am Burgmannshof.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6853209?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F