Fr., 30.08.2019

Irritationen um Plakataktion: Mindener Plakate in Bünde mit süffisantem Kommentar überklebt – Angelegenheit »kollegial gelöst« Klinik wirbt vor Klinik um Mitarbeiter

An der Bünder Bushaltestelle gegenüber des Krankenhauses prangt dieses Plakat. Es ist mit Stickern beklebt worden.

An der Bünder Bushaltestelle gegenüber des Krankenhauses prangt dieses Plakat. Es ist mit Stickern beklebt worden. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon und Friederike Niemeyer

Bünde/Lübbecke (WB). Diese Mitarbeiterwerbung sorgt für Irritationen: Mit zwei XXL-Plakaten werben die Mindener Mühlenkreiskliniken direkt vor dem Bünder Lukas-Krankenhaus um neues Pflegepersonal.

In der Innenwand der beiden Wartehäuschen der beiden Haltestellen mit dem Namen »Krankenhaus« kleben die riesigen Poster. Der Haupteingang der Bünder Klinik liegt nur wenige Fußschritte entfernt.

Im Originalzustand sind die Plakate aber schon seit einigen Tagen nicht mehr. Jemand hat sie großflächig mit Stickern mit der Aufschrift »Lukas-Krankenhaus Bünde« verziert. An einer Klebewand ist ein Din A4-großer Zettel angebracht. Dort steht in Großbuchstaben zu lesen: »Liebe Mühlenkreiskliniken, Ihr sucht gutes Pflegepersonal? Es ist bei uns. Und das hat gute Gründe. Euer Lukas Bünde«.

Aus Versehen

Im Lukas-Krankenhaus (950 Mitarbeiter in Bünde und Enger) war man nach Aussage von Geschäftsführer Roland von der Mühlen am Donnerstag voriger Woche auf die Personalgewinnungskampagne der Mühlenkreiskliniken vor der eigenen Haustür aufmerksam geworden. Zu diesem Zeitpunkt hing die Werbung schon einige Tage.

Der Bünder Klinik-Chef habe daraufhin den Kontakt zu den Mindenern gesucht: »Ich habe gefragt, ob sie sich bei der Standortwahl für die Werbung vertan hätten. Natürlich können sie überall plakatieren und es wäre mir egal gewesen, hätten die Plakate am Markt- oder am Goetheplatz geklebt – aber bitte nicht direkt vor unserem Krankenhaus.« Seitens der Mühlenkreiskliniken sei ihm daraufhin versichert worden, dass es sich bei der Standortwahl für die XXL-Poster um ein Versehen gehandelt habe und die Plakate am Ende in den kommenden Tagen wieder entfernt würden.

In einer der folgenden Nächte seien die Plakate dann beklebt worden. Wer dafür verantwortlich ist, weiß der Lukas-Geschäftsführer nicht: »Die Sticker liegen bei uns immer beim Tag der offenen Tür aus. Das könnte jeder gewesen sein.« Aber zumindest der Din A4-Zettel, das räumt Von der Mühlen ein, könnte aus der Dienstgemeinschaft des »Lukas« stammen: »Wüsste ich aber, wer das gemacht hat, hätte das Konsequenzen für die Person.«

Thema beendet

Zwar habe er die Mühlenkreiskliniken auch von der Sticker-Aktion unterrichtet, daraufhin aber keine Rückmeldung mehr erhalten. Für Von der Mühlen sei das ganze Thema ohnehin beendet. Er versichert: »Wir haben das ganz kollegial gelöst.«

Der Sprecher der Mühlenkreiskliniken (MKK), Christian Busse, bestätigte, dass unter anderem in der Nähe des Krankenhauses Bünde Werbeflächen für zehn Tage, bis 2. September, angemietet worden seien. Dies sei über eine Werbeagentur gelaufen. »Eine weitere Anmietung dieser speziellen Flächen erfolgt nicht«, sagte er. Die aufgeklebten Sticker auf den Plakaten wertete Busse als Sachbeschädigung. Ob dies aber auch zur Anzeige gebracht werden würde, das entzog sich seiner Kenntnis.

Hart geführter Wettbewerb

Die Mühlenkreiskliniken (4900 Beschäftigte) investieren in diesem Jahr nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Dr. Olaf Bornemeier 50.000 Euro in ihre Imagekampagne zur Anwerbung von Fachpersonal. Die ersten drei von 20 Plakatmotiven – ein Intensivkrankenpfleger und eine PTA aus Minden sowie eine Krankenpflegerin aus Lübbecke – sind in der Region bereits plakatiert. Dabei platziert die Werbeagentur Plakate auch in den an den Kreis Minden-Lübbecke angrenzenden Gebieten aus, sofern es an den ins Auge gefassten Flächen keine Werbeausschlüsse für Krankenhäuser gibt.

Dass der Wettbewerb um Fachkräfte im Gesundheitswesen inzwischen hart geführt wird, illustriert eine Äußerung des MKK-Vorstandschefs bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz. Demnach hätten die Helios-Kliniken im Kreis Schaumburg als erste damit begonnen, Kopfgeld für abgeworbene Mitarbeiter zu zahlen.

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