Kaktus-Gruppe unterhält mit Thema Digitalisierung in Gehlenbeck
Nachbarschaftsstreit mal anders

Lübbecke-Gehlenbeck (WB). Die größte Gemeinsamkeit zwischen Kathrin Koehler und Thomas Wehrs ist wahrscheinlich, dass sie als Nachbarn unter einem Dach wohnen. Geht es um das Thema Digitalisierung, liegen die Medienwissenschaftlerin und der Philosoph derweil meilenweit auseinander.

Mittwoch, 25.09.2019, 06:00 Uhr
Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, sind sich Thomas Wehrs und Kathrin Koehler nicht immer einig. Im Gemeindehaus Gehlenbeck haben die beiden auf Einladung der Kaktus-Gruppe ihre Sicht dazu auf unterhaltsame Weise erklärt. Foto: Florian Hemann
Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, sind sich Thomas Wehrs und Kathrin Koehler nicht immer einig. Im Gemeindehaus Gehlenbeck haben die beiden auf Einladung der Kaktus-Gruppe ihre Sicht dazu auf unterhaltsame Weise erklärt. Foto: Florian Hemann

Die unterschiedlichen Auffasungen sind in Gehlenbeck auf unterhaltsame und publikumsnahe Art deutlich geworden. Die Kaktus-Gruppe hatte wieder einmal in das Gemeindehaus eingeladen und knapp 60 Personen lauschten an dem Abend unter der Überschrift »Digitalisierung – was bedeutet das eigentlich zukünftig für mich?« den beiden Referenten aus Berlin. Was nach konkreten Szenarien zu autonomen Fahren und künstlicher Intelligenz klang, entwickelte sich vielmehr zu einer emotionalen Diskussion über die Folgen digitaler Entwicklung und was diese für den Menschen bedeuten.

Keine Unterschiede mehr zwischen »digitalen und analogen Freunden«

Thomas Wehrs hatte dabei die Rolle des Skeptikers inne und Kathrin Koehler betonte mehrfach die positiven Seiten der Digitalisierung. »Die Welt ist, wie sie ist; und wir müssen damit umgehen und nicht den Kopf in den Sand stecken«, meinte die Social-Media-Beraterin, die im World Wide Web auf Twitter, Facebook, Instagram und TikTok zuhause ist. So ging sie etwa auf die Möglichkeiten des Netzwerkens für berufliche Kontakte ein, und sie ist überzeugt, dass es keine Unterschiede mehr zwischen »digitalen und analogen Freunden« gebe – also jenen aus dem realen Leben und denen aus dem Internet.

Da musste Thomas Wehrs entschieden widersprechen: »Es macht einen Unterschied, ob ich einem Menschen ins Gesicht schaue oder in einen Bildschirm.« Passende Überleitung zum Thema Partnersuche: »Es kann doch nicht sein, dass wir unsere Partner über Wischen in Apps kennenlernen: Das Gesicht gefällt mir und das nicht«, sagte der Philosoph (der seine Frau wiederum selbst über das Internet kennengelernt hat).

Ein wesentlicher Punkt seiner Argumentation war der raue Umgangston im Netz: »Wir hauen uns Sachen um die Ohren, die man sich so nicht ins Gesicht sagen würde.« Das treffe vor allem Kinder. »Es wurde schon immer gemobbt«, widersprach Kathrin Koehler. »Kinder sind brutal, und das war auch schon so, als es noch keine technischen Geräte gab.« Vielmehr vertrat sie die These, dass Kinder durch Computerspiele entschlussfreudiger werden.

»Ohne Twitter wäre Donald Trump nicht Präsident geworden«

Geht es um soziale Netzwerke, darf ein Mann nicht fehlen: »Ohne Twitter wäre Donald Trump nicht Präsident geworden«, meinte Thomas Wehrs. Ein Mann im Publikum sah das anders: »Hitler und die Nazis sind auch an die Macht gekommen.« Überhaupt kamen an diesem Abend zahlreiche Reaktionen aus dem Publikum. Eine Zuhörerin lobte etwa die Möglichkeiten für Home-Office durch Digitalisierung: »Wege können abgekürzt werden, man hat mehr Zeit bei der Familie und kann vielleicht Angehörige pflegen. Das birgt viele Potenziale.«

Was bleibt nun also als Fazit des Abends? Schlussendlich waren sich die beiden Nachbarn aus Berlin dann vielleicht doch einiger als zu Beginn. Gewisse Regeln müssten her. »Mit der künstlichen Intelligenz ist eine Gefahr entstanden und wir tappen in eine Falle, aus der wir vielleicht nicht mehr rauskommen«, sagte Thomas Wehrs und Kathrin Koehler schien mit der Aussage anteilig zufrieden zu sein. Digitalisierung lasse sich nicht aufhalten, meinten mehrere Besucher der Veranstaltung. Und noch ein weiterer Punkt war allgegenwärtig: Der Mensch sei bei allem digitalen Fortschritt nicht zu ersetzen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6956275?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F
Wieder von Paderborn nach Mallorca
Aus Sicht von Geschäftsführer Marc Cezanne ist die Wiederbelebung der Eurowings-Flüge nach Paderborn ein wichtiges Signal. Foto: Hannemann
Nachrichten-Ticker