Mo., 07.10.2019

Mehrheitsfraktionen im Kreistag wollen kein Geld mehr in die Kampa-Halle stecken CDU und SPD sind für Multihalle

Wie lange es noch Bundesliga-Handball, Vereins- und Schulsport sowie Kulturveranstaltungen in der kreiseigenen Kampa-Halle geben wird, ist unklar. Deutlich gegen eine Sanierung haben sich jetzt aber CDU und SPD ausgesprochen.

Wie lange es noch Bundesliga-Handball, Vereins- und Schulsport sowie Kulturveranstaltungen in der kreiseigenen Kampa-Halle geben wird, ist unklar. Deutlich gegen eine Sanierung haben sich jetzt aber CDU und SPD ausgesprochen. Foto: Volker Krusche

Von Friederike Niemeyer

Minden/Lübbecke (WB). Ein weiteres Brandschutzgutachten soll abklopfen, ob die Kampa-Halle im Sinne einer Übergangslösung doch noch weiter geöffnet bleiben kann. Unabhängig vom Ergebnis hat sich am Montag die Kreistagsmehrheit deutlich positioniert: pro Multihalle.

Auch wenn es in der Kreistagssitzung am Montagabend wegen der noch in dieser Woche anlaufenden neuen Begutachtung der Kampa-Halle keine Entscheidung, sondern ausschließlich einen Sachstandsbericht des Kreisbaudezernenten gab, stehen die Zeichen nun deutlich auf Neubau einer Multifunktionshalle. Die beiden Mehrheitsfraktionen im Kreistag, CDU und SPD, haben sich dazu bereits am Montagmittag geäußert.

CDU-Fraktionsvorsitzender Detlef Beckschewe sagte: »Unser Ziel ist es, alles möglich zu machen, damit nun die Halle entstehen kann, und dazu sind wir auf einem guten Weg. 15 Millionen Euro in die Sanierung der alten Kampa-Halle zu stecken, ist nicht sinnvoll.« Und SPD-Fraktionschefin Birgit Härtel ergänzte: »Durch das Ultimatum ›Entweder Sanierungsbeschluss für die Kampa-Halle oder Schließung‹ haben wir uns unter Druck gesetzt gefühlt. Wir wollen die Kampa-Halle so lange wie möglich offen halten und eine Multifunktionshalle bauen. Diese Halle brauchen wir, um zukunftsfähig zu bleiben.«

»Akt der Unvernunft« zwei Hallen zu betreiben

Auch eine sofortige Schließung der Kampa-Halle aus Sicherheitsgründen – der TÜV hat eine neue Frist zur Mängelbeseitigung bis 31. Dezember gesetzt – und eine entsprechend mehrjährige Durststrecke bis zur Eröffnung einer neuen Veranstaltungshalle wäre für CDU und SPD kein Grund, von der Multihalle abzurücken. Henning Vieker, Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion: »Handballbundesligist GWD Minden trägt diese Linie mit und will die neue Halle.« Demgegenüber müsse es als »Akt der Unvernunft« bezeichnet werden, so sein SPD-Kollege Ulrich Pock, die Kampa-Halle zu sanieren und gleichzeitig den Bau einer Multifunktionshalle mitzufinanzieren – »zwei Hallen, die sich Konkurrenz machen würden«.

Für eine neue Multifunktionshalle in Minden sprechen sich die Spitzen der Kreis-CDU (von links Kirstin Korte, Henning Vieker und Detlef Beckschewe) und der Kreis-SPD (Reinhard Wandtke, Birgit Härtel und Ulrich Pock) aus. Foto: Friederike Niemeyer

CDU und SPD streben nun eine Grundsatzentscheidung des Kreistages zu dieser Frage am 17 . Dezember an. Die für den 18. November angesetzte Sitzung des Kreisausschusses soll dazu genutzt werden, alle Kreistagsmitglieder über den Sachstand zu informieren, der sich bis dahin durch das Gutachten und die Einordnung der Bauaufsicht sowie die Planungen der Stadt Minden und der beteiligten Wirtschaft ergeben hat.

Aus Sicht von CDU und SPD sollte für die Kampa-Halle kein Geld mehr ausgegeben werden, mit Ausnahme sogenannter flankierender Maßnahmen bei Veranstaltungen zum Ausgleich für die festgestellten Brandschutzmängel, also beispielsweise weitere Brandschutzwachen oder zusätzliche Feuerwehr. Auch eine Begrenzung der Zuschauerzahl sei vorstellbar, hieß es. Aber, so SPD-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Pock, »wir werden sehr genau darauf achten, dass der Sanierungs-Masterplan nicht doch noch scheibchenweise umgesetzt wird.«

Neue Halle auf HBZ-Parkplatz?

Die Kreispolitik möchte Geld lieber in Zukunftsprojekte investiert wissen, so die klare Botschaft. Dazu gehört auch eine neue Sportstätte des Kreises, die nicht nur moderner und an mehr Tagen für das Berufskolleg sowie weitere Schulen und Vereine verfügbar wäre, sondern die auch nach der Bauinvestition von etwa 10 Millionen Euro deutlich günstiger zu betreiben wäre als die Kampa-Halle. Demgegenüber würden auch in einer sanierten Kampa-Halle die Betriebskosten, die Kreis und Kommunen belasten, nicht sinken, betonte die stellvertretenden Landrätin Kirstin Korte (CDU).

Ein Ansatz wäre, das neue Sportzentrum auf dem jetzigen HBZ-Parkplatz an der Kampa-Halle zu bauen, so dass man nicht auf den Abriss der Kampa-Halle warten müsse. Die Kreisschwimmhalle, so die Überlegungen, würde aufgegeben. Mit der Stadt Minden gebe es bereits Gespräche, ob dies nicht durch eine Erweiterung des Melittabades aufgefangen werden könnte.

Apropos Melitta: Hatte es lange danach ausgesehen, dass weder Stadt noch Wirtschaft die hohen Investitions- und Betreiberkosten für eine Multifunktionshalle tragen würden und somit die Pläne nicht weiterverfolgt werden könnten, hatte sich im Frühjahr vor allem dank des Engagements der Firma Melitta der Wind gedreht. Die Wirtschaft wollte sich stärker einbringen und auch das Betreiberrisiko für 20 Jahre übernehmen. Die Stadt Minden und der Kreis Minden-Lübbecke wären damit als öffentliche Partner und Geldgeber für den Bau gefragt. Wie hoch dieser Anteil für den Kreis wäre – lange wurde eine Summe von 14,5 Millionen Euro genannt – ist noch nicht berechnet.

»Wir haben Druck gemacht«

Die Neubewertung der Kreisverwaltung zur Kampa-Halle nach den Sommerferien sei sehr überraschend, ja geradezu ein Schlag gewesen, sind sich die Vertreter der beiden Fraktionen und Parteien einig. Viele Gespräche im Hintergrund seien geführt worden – an deren Ende die Kreisverwaltung die Suche nach einer Lösung für den Übergangsbetrieb der Kampa-Halle auch ohne Sanierungsbeschluss aufgenommen habe. CDU-Kreisvorsitzende Kirstin Korte: »Wir haben Druck gemacht. Die Verwaltungssicht musste ihre Linie ändern.«

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