Naturschutzbund kritisiert Erweiterungspläne zur Pohlschen Heide
Werden 10.000 Bäume fallen?

Hille/Lübbecke (WB). Der Kreis Minden-Lübbecke plant, die Mülldeponie Pohlsche Heide bis zum Jahr 2024 um insgesamt 14 Hektar zu erweitern. Kritik am Projekt kommt vom Naturschutzbund (Nabu). Er befürchtet, dass künftig noch mehr Gewerbeabfälle in Hille abgeladen werden.

Dienstag, 15.10.2019, 11:03 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 11:10 Uhr
Blick von oben auf das Gelände der Mülldeponie Pohlsche Heide. Bei einer Erweiterung müssten große Waldgebiete abgeholzt werden, befürchtet der Naturschutzbund. Foto: Kai Wessel
Blick von oben auf das Gelände der Mülldeponie Pohlsche Heide. Bei einer Erweiterung müssten große Waldgebiete abgeholzt werden, befürchtet der Naturschutzbund.

Die Fläche, um die die Pohlsche Heide erweitert werden soll, ist etwa 20 Fußballfelder groß. Für die Erweiterung müssten laut Nabu zahlreiche Bäume nördlich der bisherigen Betriebsfläche abgeholzt werden. Lothar Meckling, Vorsitzender des Nabu Minden-Lübbecke: »Die Regenwälder weltweit brennen und Klimaaktivisten, Kommunen und Politik fordern die Verantwortung eines jeden von uns für den Klimaschutz. Landrat und Umweltdezernent machen Reklame fürs Bäume-pflanzen. Und nun sollen auf der Pohlschen Heide 10.000 oder mehr Bäume gefällt werden?« Noch im Jahr 2016 habe es geheißen, dass die Deponie nicht erweitert werden müsse. Meckling wundert sich. Laut Abfallwirtschaftskonzept des Kreises sei eine Erweiterung der Deponie nicht erforderlich: »Ist das für die Politik nicht mehr relevant?«

Sollen neue Abfälle angeworben werden?

Für den Nabu dränge sich der Verdacht auf, dass zusätzliche Gewerbeabfälle für die Deponie akquiriert werden sollen. Mit dem Kreis Diepholz gebe es ohnehin schon eine Kooperation. »Man will nicht ältere Einlagerungsabschnitte rückbauen, wie noch 2016 von der Politik als zukunftsweisend angedacht, und Abfälle wieder herausholen, sondern die Deponie um zusätzliche Flächen für weitere Abfälle erweitern«, vermutet Meckling den Hintergrund der Erweiterung. Er befürchtet, dass ein zweistelliger Millionenbetrag investiert wird.

Ein weiterer Plan des Kreises sei es, so Meckling weiter, ein neues Gewerbegebiet auf der Pohlschen Heide zu genehmigen. Bislang sei das am Widerstand der Bezirksregierung gescheitert. Darin sollten Firmen der Recycling- und Energiewirtschaft angesiedelt werden. Die Naturschützer sind skeptisch. Sie vermuten, dass das nur vorgeschoben werde, um »die Fortführung rückwärtsgerichteter Konzepte der Flächeninanspruchnahme zu kaschieren«. Auf jeden Fall seien erhebliche Zweifel angebracht. »Und wenn, warum müssen diese Firmen auf der Pohlschen Heide angesiedelt werden? Dies könnte in jedem Gewerbegebiet passieren«, meint Meckling.

Problem Phosphat

Neben dem Ausbau der Fläche für die vermischten und verunreinigten Hausmüllabfälle, soll laut Nabu auch Platz für Monodeponien zum Beispiel für Asche aus der Klärschlammverbrennung Ostwestfalens und vielleicht noch darüber hinaus geschaffen werden, um später Phosphat daraus zurückzugewinnen. Dies habe der Bau- und Umweltdezernent des Kreises Anfang des Jahres dem Nabu-Vorstand erläutert. »Heute, wenig später, weiß man, dass es notwendig ist, das Phosphat direkt nach der Verbrennung aus der Asche zu holen. Auch hier stellt sich die Frage, ob als Begründung für fortlaufende Erweiterungen nicht immer nur neue Argumente gesucht werden. Zumal der Umgang mit dem Klärschlamm noch nicht einmal auf kommunaler Ebene entschieden ist«, schreibt der Vorsitzende.

Kritik an Windpark-Planung

Bereits die Planung des Windparks vor einigen Jahren sei wegen der einzigartigen Vogel- und Fledermausartenvorkommen und -dichten im angrenzenden nördlichen Wald und im Naturschutzgebiet Mindenerwald vom Kreis nicht verantwortungsvoll weiterverfolgt worden. Nun, nach fünf Jahren, seien die Erhebungen planungsrechtlich veraltet. Es werde neu erhoben und die Abholzung und Versiegelung in einem weitgehend naturnahen Freiraum im Rahmen des anstehenden Planfeststellungsverfahrens vorbereitet, schreibt Meckling.

Der Nabu des Kreises Minden-Lübbecke fordert eine klimaschützende und Wald erhaltende Abfallwirtschaft auf der Pohlschen Heide »und keine Abfälle aus dem Rest der Republik«.

Kommentare

Waldgeist  schrieb: 15.10.2019 14:07
Wald abholzen für mehr Müll
Jawohl. Noch mehr abholzen. Noch mehr Flächen dem Erdboden gleich machen. Gehts noch?
Wir brauchen Wälder und weniger Müll. Also sollte man beim Müll produzieren gegensteuern.
Riesige Verpackungen für kleine und geringen Mengen sind ein Schlag ins Gesicht.
Fängt bei der Industrie an und hört beim Ottonormalverbraucher an der Wursttheke auf.

1 Kommentare
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