Kreis hält Erweiterung der Mindener Anlage für notwendig
Lob und Kritik für Kraftwerk

Minden/Lübbecke (WB). Als »daneben« hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die geplante Modernisierung und Erweiterung des kreiseigenen Heizkraftwerks Minden bezeichnet. Die Kreis-Abfallverwertungsgesellschaft (KAVG) plant in der Anlage am Osthafen in Minden bis 2022 die Verdoppelung der Kapazitäten.

Donnerstag, 31.10.2019, 06:00 Uhr
Das Heizkraftwerk Minden der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft (KAVG) soll bis 2022 erweitert werden. Foto: Hans-Jürgen Amtage
Das Heizkraftwerk Minden der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft (KAVG) soll bis 2022 erweitert werden. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Das erwartete Interesse der Bevölkerung muss am Montagabend bei der KAVG groß gewesen sein. Etwa 150 Stühle standen bei der Informationsveranstaltung über die Modernisierung in der Mensa der Mindener Primusschule bereit. Aber nur etwa 30 Bürger und Politiker nutzten die Gelegenheit, sich von KAVG-Geschäftsführer Henning Schreiber, dem technischen Leiter der kreiseigenen Anlagen, Thomas Kropp, und dem zuständigen Kreis-Dezernenten Lutz Freiberg über das 30 Millionen Euro teure Projekt informieren zu lassen und nachzuhaken.

Jährlich wandern 35.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe nach Minden

In dem Heizkraftwerk werden seit 2002 sogenannte Ersatzbrennstoffe (EBS) zur Energiegewinnung verbrannt. Die entstehen bei der Müllaufbereitung auf der Deponie Pohlsche Heide in Hille , wo im vergangenen Jahr 184.000 Tonnen Abfälle anfielen. So wandern zurzeit jährlich rund 35.000 Tonnen dieser EBS in das Mindener Heizkraftwerk. Daraus werden stündlich 18 Tonnen Dampf als Energieträger produziert. Zukünftig sollen die Kapazitäten auf 70.000 Tonnen EBS im Jahr und 36 Tonnen Dampf die Stunde verdoppelt werden, wie Thomas Kropp erläuterte.

Die Ausweitung sei für die Sicherstellung der Abfallwirtschaft im Mühlenkreis unerlässlich, betonten zuvor Lutz Freiberg und Henning Schreiber. Ursprünglich als Pilotanlage für die bundesweite Vermarktung geplant, sei das Heizkraftwerk mit einfacher Förder-, Rauchgasreinigungs- und Rosttechnik gebaut worden. Auch wenn es die vergangenen 17 Jahre unauffällig gelaufen sei, so habe es doch viele »Kinderkrankheiten« gegeben.

Angesichts der Entwicklung der Ersatzbrennstoffmengen, die beispielsweise aus verunreinigten Kartonagen, Kunststoffen, nicht trennbaren Verbundstoffen, Textilien und anderen nicht gefährlichen Abfällen bestehen, sei der Durchsatz in dem Heizkraftwerk zurzeit zu gering, so Kropp. Hinzu komme, dass der Dampfbedarf bei den abnehmenden Unternehmen im Umfeld gestiegen sei. Auch sei in Zukunft mit einem erhöhten Unterhaltungsaufwand zu rechnen. Die Konsequenz: »Eine Nichtrealisierung würde für die Bürgerinnen und Bürger zu einer Gebührenerhöhung führen.«

BUND hält Erweiterung für die falsche Richtung

Die Modernisierung und Erweiterung des Kraftwerks wird laut KAVG bei der Emission von Luftschadstoffen zur Folge haben, dass sich der Volumenstrom erhöht, die geltenden Immissionswerte aber unterschritten werden. Bei Gerüchen und Lärm sei keine Änderung zu erwarten, erklärte Thomas Kropp. Zu rechnen sei aber mit einer Zunahme des Anlieferverkehrs um etwa zehn Lkw pro Tag und der Ausweitung der Anlieferzeiten auch in die Nachtstunden. Als Gegenrechnung machte der technische Leiter unter anderem deutliche Einsparungen beim Dieselverbrauch für Lkw und beim CO 2 -Ausstoß aus, da die Ersatzbrennstoffe nicht über hunderte Kilometer in andere Anlagen wie etwa nach Bremen gebracht werden müssten.

Für den Sprecher der Kreisgruppe des BUND, Thomas Dippert, ist die Modernisierung des Heizkraftwerks ein Weg in die falsche Richtung. Die angestrebte Dimensionierung sei nicht nachvollziehbar und sei mit dem Abfallwirtschaftskonzept des Mühlenkreises nicht unterlegt. »Hier wird klimafreundliche Abfallpolitik zunichte gemacht«, sagte Dippert bei der Informationsveranstaltung. Statt einer Erweiterung beziehungsweise eines Neubaus des Kraftwerks sollten sich der Kreis und seine Kommunen dafür einsetzen, das Müllaufkommen zu reduzieren, fordert der BUND.

Denn weniger Müll bedeute auch weniger Ersatzbrennstoffe. Kritisch betrachtet Dippert dabei die Städte Bad Oeynhausen und Minden, die auf der Müllrangliste des Kreises mit 140 beziehungsweise 133 Kilogramm Restmüll pro Kopf auf Platz eins und zwei lägen.

Etwas moderater zeigte sich am Montagabend der Sprecher des Kreisverbandes des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Wolfgang Sack. Die Verdoppelung der Kapazitäten widerspreche zwar einer Verringerung der Ersatzbrennstoffe. Die Produktion von Energie aus den EBS gehe aber in die richtige Richtung.

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