Kathrin Böhning will 2020 Bürgermeisterin werden – Vorstellung bei der CDU
Schwarz-Grün nominiert Kandidatin

Lübbecke (WB). Ein Novum in der Lübbecker Politik: Erstmals treten CDU und Bündnis 90/Die Grünen mit einer gemeinsamen Kandidatin bei der Bürgermeisterwahl an. Der CDU-Stadtverband hat am Dienstagabend die 57-jährige Heilpraktikerin Kathrin Böhning nominiert und damit den Vorschlag des Vorstandes unterstützt. 17 der 24 wahlberechtigten Versammlungsteilnehmer gaben ihr die Stimme, fünf votierten mit Nein, zwei enthielten sich. Der Grünen-Stadtverband hatte Böhning zuvor am Sonntag einstimmig gewählt.

Donnerstag, 12.12.2019, 06:00 Uhr
Kathrin Böhning will Bürgermeisterin werden. Es gratulieren (von links) Grünen-Fraktionschef Heinrich Stenau, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Werneburg, sein Pendant bei den Grünen Siegfried Gutsche, CDU-Fraktionschef Klaus-Jürgen Bernotat. Foto: Niemeyer
Kathrin Böhning will Bürgermeisterin werden. Es gratulieren (von links) Grünen-Fraktionschef Heinrich Stenau, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Werneburg, sein Pendant bei den Grünen Siegfried Gutsche, CDU-Fraktionschef Klaus-Jürgen Bernotat. Foto: Niemeyer

Werneburg sieht viele Gemeinsamkeiten

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Werneburg berichtete den Parteifreunden bei der Versammlung im Alten Amtsgericht von den Gesprächen mit den Grünen im Vorfeld. Man habe viele Gemeinsamkeiten festgestellt. Das große Ziel sei es, den jetzigen Bürgermeister aus seinem Amt zu wählen. „Dies können wir mit einem gemeinsamen Kandidaten besser tun. So schwächen wir uns nicht gegenseitig“, sagte Werneburg und verwies auf die derzeit gültige Wahlrechtslage, wonach es bei den Kommunalwahlen 2020 keine Stichwahl geben wird und eine einfache Mehrheit dem erfolgreichsten Bewerber reicht. Kathrin Böhning habe sich in den Gesprächen, in denen sie dabei war, als hochmotiviert und sachkundig erwiesen, so Werneburg.

Kandidatin will die besten Lösungen

Kathrin Böhning berichtete der aufmerksamen CDU-Basis von ihrem politischen Werdegang. Aufgewachsen sei sie in einem wertkonservativen Elternhaus, in dem ihr der Respekt vor der Schöpfung vermittelt wurde. „Mein Herz schwankte zwischen CDU und Grünen.“ In beiden Parteien könne sie sich wiederfinden und insofern sei es ihr nicht schwer gefallen, sich von beiden Parteien aufstellen zu lassen. Sie wolle die Wähler mit ihrer Haltung gewinnen, „das zu tun, was für die Stadt die beste Lösung ist“. Die sogenannten Lübbecker Verhältnisse, die sich in der jüngsten Sonderratssitzung wieder eindrücklich dargestellt hätten – Böhning sprach von einer „unsäglichen Demonstration der Macht“ durch die Ratsmehrheit –, gelte es zu überwinden. „Da ist es möglicherweise ein Vorteil, dass ich parteilos bin, um für viele Lübbecker Bürger wählbar zu sein.“

Wache soll wieder dauerhaft besetzt sein

Böhning benannte eine ganze Palette an Themen, die sie auf ihrer Agenda habe. So müsse bei der inneren Sicherheit darauf geachtet werden, dass die Zentralisierung bestimmter polizeilicher Kräfte wie der Kripo in Minden nicht zu einem zunehmenden Problem für Lübbecke und Umgebung werde. Die Wache in Lübbecke sollte wieder dauerhaft rund um die Uhr besetzt sein, sagte die 57-Jährige. Bei der ärztlichen Versorgung sollte die Stadt schnellst möglich aktiv werden, damit sich Ärzte niederlassen. Espelkamp und Rahden hätten da mit den Ärztehäusern schon einiges getan. Gefordert sei die Stadt zudem beim Thema Wohnen. Es gelte bezahlbares Bauland zu schaffen. „Das geht nicht ohne eine aktive Kommune“, sagte sie.

Start-Ups fördern

Ebenfalls gelte es, die Ansiedlung von Firmen stärker zu betreiben. „Warum nicht Start-Ups fördern, die sich im Ökologiesektor bewegen?“, fragte Böhning. Und für Lübbecke könne sie sich auch einen eigenen FH-Standort mit dualen Studiengängen vorstellen. Wie die Ratsfraktionen von CDU und Grünen auch forderte Kathrin Böhning, engagierter und konkreter beim Klimaschutz vorzugehen. Ihre Stichworte waren ein Klimaschutzmanager, der Ausbau von ÖPNV und Radverkehr. „Es ist doch ein Glück, dass wir in Lübbecke einen Experten des VCD vor Ort haben. Dieses Wissen sollten wir nutzen“, sagte Böhning.

Die Kandidatin kündigte zudem an, dass sie sich verstärkt für die Teilhabe von Behinderten und die Integration von Flüchtlingen einsetzen werde, dass sie sich für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz stark machen werde. Dazu könne auch gehören, den Bürgern ein Sprech-Recht in Rats- und Ausschusssitzungen zu gewähren. „Jetzt müssen sie in den Einwohnerfragestunden eine Frage formulieren, sonst bekommen sie Redeverbot“, sagte Böhning.

Böhning sieht Alternativen zum Westertor

Und dann sagte Kathrin Böhning doch noch etwas zum derzeitigen Lübbecker Top-Thema Westertor. Es werde von der SPD-Fraktion derzeit der Eindruck erweckt, dass es nur noch diese letzte Chance für den Standort gebe. „Das ist unredlich. Es gibt Alternativen mit regionalen Investoren. CDU und Grüne haben sich gemeinsam dafür eingesetzt“, sagte sie.

Stadtverbandsvorsitzender Matthias Werneburg hatte in seiner Begrüßung gesagt, er stehe noch unter dem Eindruck der Sonderratssitzung. „Dort haben wir die Arroganz der Macht und des Rathauses zu spüren bekommen.“ Er sei traurig, dass es abgelehnt wurde, überhaupt über den Antrag zur Bürgerbefragung zu debattieren.

Mit dem Ergebnis der Bürgermeisterkandidaten-Wahl waren aber sowohl Kathrin Böhning als auch der CDU-Stadtverbandsvorstand zufrieden. Dies sei ein ehrliches Ergebnis, meinten auch die Vertreter der Grünen, Heinrich Stenau und Siegfried Gutsche, die am Ende der Sitzung hinzukamen. Sie gehörten ebenso zu den ersten Gratulanten wie CDU-Kreisvorsitzender Oliver Vogt und CDU-Landratskandidatin Anna Katharina Bölling.

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