Einrichtung in Obernfelde nutzt neues Trainingsprogramm zur Entlastung der Mitarbeiter
Pflege für die Pflegekräfte

Lübbecke (WB). Wer in einem Pflegeberuf tätig ist, steht im Arbeitsalltag täglich vor besonderen Herausforderungen – nicht nur, was die körperliche Belastung angeht. Die Pflege stellt das Personal oft auch vor psychisch belastende Situationen. Begriffe wie Pflegenotstand und Fachkräftemangel prägen die Situation in diesem Berufsfeld.

Donnerstag, 09.01.2020, 06:30 Uhr
Das Pflegehaus Obernfelde hat ein neues Trainingsprogramm zur Entlastung der Pflegekräfte genutzt. Gesundheitsmanagerin Ann-Kathrin Niermann (2. von links) überreicht der Einrichtungsleiterin Liane Stork (2. von rechts) die Auszeichnung „Gesunder Betrieb“. Mit dabei sind IKK-Regionalgeschäftsleiter Udo Griese (von links), Simone Wlecke und Gesundheitsexpertin Franziska Happel. Foto: Arndt Hoppe
Das Pflegehaus Obernfelde hat ein neues Trainingsprogramm zur Entlastung der Pflegekräfte genutzt. Gesundheitsmanagerin Ann-Kathrin Niermann (2. von links) überreicht der Einrichtungsleiterin Liane Stork (2. von rechts) die Auszeichnung „Gesunder Betrieb“. Mit dabei sind IKK-Regionalgeschäftsleiter Udo Griese (von links), Simone Wlecke und Gesundheitsexpertin Franziska Happel. Foto: Arndt Hoppe

Um insbesondere diesen psychischen Belastungen entgegenzuwirken, hat sich das Pflegehaus Obernfelde in Lübbecke an einem neuen Programm zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) beteiligt. „Wir haben dafür mit der IKK Classic zusammengearbeitet, die dieses Modul neuerdings im BGM anbietet“, erklärt Liane Stork, die Leiterin des Pflegehauses.

Empathie steht im Mittelpunkt

Unter dem Motto „Bedürfnisse in Balance“ haben Mitarbeiter dort an Kommunikations-Trainings teilgenommen. Ann-Kathrin Niermann, Gesundheitsmanagerin der IKK Classic, begleitet das Pflegehaus seit Längerem in Sachen BGM, und erläutert: „Das neue Angebot heißt ‚empCare‘, denn im Mittelpunkt steht der Begriff der Empathie, also des Einfühlungsvermögens.“ Entscheidend dabei: Die Pflegekräfte lernen nicht nur, auf die Bedürfnisse ihrer Patienten einzugehen, sondern auch ihre eigenen Bedürfnisse im Blick zu behalten. „Der Grundgedanke lautet: Bedürfnisse in Balance“, sagt Ann-Kathrin Niermann.

Aufopferung ist Normalität

Franziska Happel, die das Kommunikationstraining mit den Teams des Pflegehauses Obernfelde geleitet hat, macht deutlich, wieso das so wichtig ist: „Normal ist bei vielen Pflegenden erfahrungsgemäß eine Einstellung von totaler Aufopferung. Die Belastung potenziert sich im Laufe der Zeit und am Ende kann die Pflegekraft weder sich noch dem Patienten gerecht werden.“ Sie habe die Erfahrung gemacht, dass viele Teilnehmer sagten: „Über meine eigenen Bedürfnisse habe ich noch gar nicht nachgedacht.“

Einrichtungsleiterin Liane Stork ergänzt: „Das wird in dem Programm verbalisiert und damit auch enttabuisiert. Die Mitarbeiter empfinden: Ich werde wahrgenommen. Und wir geben das Signal von unserer Seite: Ihr seid mir wichtig.“ Pflegedienstleiterin Simone Wlecke hat an dem Programm teilgenommen und bestätigt: „Ich habe das als sehr positiv empfunden.“

Gespräche bringen Lösungen

Das Programm gibt aber den Pflegekräften nicht nur die Möglichkeit, ihre eigenen Bedürfnisse zu reflektieren, sondern auch, einen anderen Umgang mit den zu Pflegenden zu entwickeln. Franziska Happel beschreibt beispielsweise eine Situation, die in Seniorenheimen für Stress sorgen kann: „Wenn ein Bewohner des Hauses alle fünf Minuten klingelt, dann hat er nicht immer wieder Durst.“

Der Kurs helfe dabei, die Stresssituationen zu erkennen und sie im Gespräch mit dem Patienten zu klären. „Mit den Menschen darüber zu sprechen, kann hilfreich sein, um die echten Bedürfnisse, die hinter diesem Verhalten stehen, und die zugrunde liegenden Emotionen zu erkennen“, sagt sie. Im Gespräch könne eine Lösung entwickelt werden, wie die Situation entspannt werden könne, etwa durch eine Veränderung in der Ordnung, Struktur oder in den Zeitplänen.

Forschung belegt Vorzüge

Auch Udo Griese, Regionalgeschäftsführer der IKK Classic, betont, wie wichtig entlastende Kommunikation in Berufsalltag ist. „Zum ‚empCare‘-Programm gibt es ein gleichnamiges Forschungsprojekt, das auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde.“ Die Ergebnisse der Studie, die über drei Jahre wissenschaftlich begleitet wurde, belegten nach den Erfahrungen mit den ersten Teilnehmern, dass das Programm tatsächlich eine Entlastung in der Pflege bringe.

Das Pflegehaus Obernfelde sei die erste Einrichtung in Westfalen-Lippe, die „empCare“ außerhalb der Studie umsetzt. Auf die verschiedenen Trainingseinheiten, die im vergangenen Jahr von mehreren Gruppen durchlaufen wurden, folgen im Februar noch weitere Praxis-Coachings. „Die Nutzung von vorbeugenden Gesundheitskursen bringt dem Betrieb sogar noch einen finanziellen Bonus ein“, merkt Udo Griese an.

Dass dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement eine immer größere Bedeutung zukomme, hätten inzwischen alle Krankenkassen erkannt und entsprechende Angebote im Portfolio. BGM sei auch ein Pluspunkt bei der Personalgewinnung. „Selbst Firmen, die vor wenigen Jahren meinten, dass sie jederzeit genug Personal finden würden, machen heute mit“, sagt Griese.

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