Sa., 25.01.2020

Konjunktur im Mühlenkreis schwächelt – Fachkräfte weiterhin dringend gesucht Arbeitslosenzahl ist gestiegen

Frauke Schwietert, Leiterin der Herforder Arbeitsagentur, und Hans-peter Stegh, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Herford, haben eine Jahresbilanz von 2019 für den Mühlenkreis gezogen. Diese beinhaltet eine Reihe von Veränderungen.

Frauke Schwietert, Leiterin der Herforder Arbeitsagentur, und Hans-peter Stegh, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Herford, haben eine Jahresbilanz von 2019 für den Mühlenkreis gezogen. Diese beinhaltet eine Reihe von Veränderungen. Foto: Freya Schlottmann

Lübbecke (WB/fs). Die Arbeitslosenzahl im Kreis Minden-Lübbecke ist im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2015 wieder gestiegen. Der Grund dafür liegt laut Hanspeter Stegh, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Herford, an der momentanen „konjunkturellen Schwäche“ der Region.

Bis zum Herbst des vergangenen Jahres habe die Prognose noch positiv ausgesehen und die Arbeitslosenzahl sei bis zum Spätsommer nicht gestiegen, berichtet Stegh. Das habe sich dann allerdings vom Herbst an geändert, sodass im Jahresschnitt doch noch ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 91 Personen beziehungsweise 1,2 Prozent zu verzeichnen war. Insgesamt sind im Jahr 2019 damit etwa 7928 Menschen im Mühlenkreis arbeitslos gemeldet gewesen – davon 3469 Frauen und 4459 Männer.

Die Arbeitslosenquote bleibt stabil

Den Kreis Minden-Lübbecke habe die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund des starken produzierenden Gewerbes und der Exportorientierung vergleichsweise stärker getroffen, erklärt der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Herford. Dem Einfluss der konjunkturellen Lage auf den Arbeitsmarkt im Kreis sei laut Stegh allerdings nicht zu großes Gewicht beizumessen: „Zur Verdeutlichung – im Jahresdurchschnitt gab es 2019 weniger Arbeitslose als im Jahresdurchschnitt 2017, einem Jahr mit guter Wirtschaftslage.“

Die Arbeitslosenquote blieb im Jahresdurchschnitt 2019 im Vergleich zu 2018 konstant bei 4,7 Prozent. 24 Arbeitslose (2,7 Prozent) mehr verzeichnete die Agentur für Arbeit vor allem bei jungen Arbeitnehmern unter 25 Jahren – insgesamt sind es damit 921 junge Menschen. Zudem seien 71 Personen mehr (4,4 Prozent), die 55 Jahre und älter sind, ohne sozialversicherungspflichtige Anstellung gewesen – insgesamt 1662 Menschen.

Ein Rückgang sei laut Hanspeter Stegh in diesem Zusammenhang bei den gemeldeten Arbeitsstellen zu erkennen. Im Jahresverlauf seien nur 10.662 Arbeitsstellen von Betrieben und Verwaltung gemeldet worden. Das bedeutet einen Rückgang um 2428 Stellen oder 18,5 Prozent im Vergleich zu 2018. Im Jahresdurchschnitt seien 4372 Arbeitsstellen im Bestand der Agentur für Arbeit gewesen und damit 401 weniger als noch im Jahr zuvor.

Zahl der Stellenmeldungen zeigt die wirtschaftliche Situation

„An der Zahl der Stellenmeldungen wird die wirtschaftliche Situation weitaus deutlicher als an der jahresdurchschnittlichen Arbeitslosigkeit: Die Arbeitgeber im Kreis melden weniger neue Stellen“, sagte Stegh. Zeitgleich würden Entlassungen vermieden und viele Unternehmen würden versuchen, ihr Stammpersonal zu halten. „Ihnen ist bewusst, dass eine Nachbesetzung bei erneutem Personalbedarf in Zeiten des Fachkräftebedarfs schwer sein wird“, ergänzte der Geschäftsführer.

Vor allem Stellen von Zeitarbeitsfirmen seien im Kreis ein Problem. „Zeitarbeitsstellen werden zuerst abgebaut und das zeigt sich auch in der Statistik“, verdeutlicht Stegh. Denn mehr als die Hälfte des Rückgangs der Stellenmeldungen seien auf Zeitarbeitsfirmen zurückzuführen. „Aber wir erleben auch eine teilweise Entkoppelung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt: Der Arbeitsmarkt reagiert zeitverzögert und abgeschwächt. Das gilt insbesondere für die Beschäftigung, denn sie steigt weiterhin an im Mühlenkreis“, ergänzt Frauke Schwietert, Leiterin der Arbeitsagentur Herford.

Getrübte wirtschaftliche Lage wird wohl noch etwas anhalten

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage, die auch mit Beginn des Jahres 2020 noch getrübt ist, prognostizieren Stegh und Schwietert zumindest im ersten Halbjahr noch einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Mittelfristig seien die großen Herausforderungen am Arbeitsmarkt aber andere, erklärt Frauke Schwietert. Dazu zählt sie die Digitalisierung, den Demografischen Wandel und den Fachkräftebedarf. „Die Digitalisierung wird die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt entscheidend verändern. Das heißt nicht, dass insgesamt die Zahl der Arbeitsplätze sinken muss. Berufe werden sich verändern und neue entstehen, andere wiederum verschwinden“, meint Schwietert. Jeder fünfte Arbeitnehmer im Kreis erreiche zudem in den kommenden zehn Jahren die Altersgrenze zum Renteneintritt. Der überwiegende Anteil davon seien laut Frauke Schwietert Fachkräfte. Deshalb setze die Arbeitsagentur vor allem auf die Qualifizierung neuer Fachkräfte, die durch Fördermittel umgesetzt werden soll.

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